Zwischen Arvenduft und Rotorblatt

Als Helikopterpilot der Air Glaciers SA führt Arno Parli (38) Rettungs-, Transport-, Schulungs-, Rund- und Taxiflüge durch. Bild: zvg

Leute. Wenn Arno Parli die Tür zu seiner Werkstatt öffnet, steigt einem umgehend dieser so wunderbar warme und würzige Duft von Arvenholz in die Nase. Parlis Werkraum liegt im Keller seines Hauses in S-chanf im Engadin und ist für den 38-Jährigen Werkstatt, Schreinerei, Hobbyraum und Rückzugsort in einem.

«Ich bin unheimlich gerne hier unten und arbeite an meinen Arvenschalen und den anderen Produkten», sagt Arno Parli zufrieden. Produkte, die der gelernte Schreiner alle zum Verkauf anbietet – und dennoch bezeichnet er seinen ehemaligen Beruf heute als Hobby. Er liebe das Handwerk noch immer und möchte daher handwerklich einfach auch immer noch am Ball bleiben, erklärt er.

Parlis Hauptberuf findet derweil längst nicht mehr im Schreinerkeller statt, sondern in den Lüften des Berner Oberlands. Denn dort – genauer gesagt in Gstaad – arbeitet er seit drei Jahren als Helikopterpilot der Air-Glaciers SA und führt unter anderem Transport-, Rund- und Rettungsflüge durch. Er sei schon immer ein grosser Motorenfan gewesen und habe als kleiner Junge auch vom Beruf des Lkw-Fahrers geträumt. Dass es nun Helikopterpilot geworden ist, sei natürlich auch nicht schlecht, sagt Parli lachend.

Dass er sich diesen Traum überhaupt erfüllen konnte, war und ist mit viel Arbeit und Einsatz verbunden. «Ja klar, der Weg zum Piloten ist lang und manchmal auch steinig», gibt er zu. Und vor allem in den ersten Jahren als Jungpilot sei nicht immer alles nur Friede, Freude, Eierkuchen. Und dennoch, er würde den Weg jederzeit nochmals so gehen.

Einen Weg, der ihn weit geführt hat, bevor er in Gstaad die Anstellung fand. So war er unter anderem für Air Zermatt als Transportpilot bei einem Hochspannungsleitungs-Projekt in Indien tätig oder arbeitete zwei Jahre lang als Freelance-Pilot bei der Waldbrandbekämpfung in Portugal. «Ja, der Beruf des Helikopterpiloten bringt viele Erlebnisse und auch sehr grosse Abwechslung mit sich», sagt Parli. Entsprechend müsse man auch flexibel sein und sozusagen von null auf jetzt die Koffer packen können.

«Der Pilotenberuf bietet keinen Platz für Helden.»

Dass er nun mit der Festanstellung im Saanenland etwas sesshafter geworden ist, gefällt ihm derweil sehr gut. Es sei schon in Ordnung, jetzt etwas mehr Planungssicherheit zu haben, schliesslich sei er ja auch nicht mehr der Jüngste, fügt er lachend in seiner bescheidenen, ruhigen und klaren Art hinzu. Nein, grosse Töne zu spucken und «heldenhafte Geschichten» zu erzählen, ist gar nicht seine Art. Obwohl das sein Beruf wahrscheinlich alles sogar hergeben würde. «Der Pilotenberuf bietet keinen Platz für Helden», stellt Parli vielmehr klar. Da müsse man als Team funktionieren und sich jederzeit auf seine Partner verlassen können. Worauf sich Arno Parli derweil auch nach wie vor verlassen kann, ist seine tiefe Verbundenheit zum Schreinerhandwerk.

Denn die Liebe zum Handwerk ist geblieben. Sozusagen gepaart mit der Liebe zu seiner Heimat, vereint hier unten im Keller, in seiner nach Engadiner Arvenduft riechenden Schreinerwerkstatt. «Ich sehe es als grosses Privileg, zwei Berufe ausüben zu dürfen, die ich liebe», sagt Parli gegen Ende des Besuchs.

Und wer weiss, vielleicht kommt ja sogar die Zeit, in der diese beiden Berufe wieder hier im Engadin zueinander finden. Denn in Samedan, sozusagen bloss einen Steinwurf von Arno Parlis Zuhause entfernt, liegt der Engadin Airport und somit ein Ort, an dem ein erfahrener, einheimischer Helikopterpilot sicher nicht so ganz fehl am Platz wäre.

Franco Brunner

Veröffentlichung: 12. Januar 2026 / Ausgabe 1-2/2026

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