Altes und auch Technik für die Zukunft


Die Halle 550 in Zürich-Oerlikon bot eine spannende Kulisse für die Messe Cultura Suisse 2026. Bild: Andreas Brinkmann


Die Halle 550 in Zürich-Oerlikon bot eine spannende Kulisse für die Messe Cultura Suisse 2026. Bild: Andreas Brinkmann
Fachmesse. Das Erhalten, Restaurieren und Zugänglichmachen von historischen Kulturgütern ist ein wichtiger Teil einer jeden Gesellschaft. Die Fachmesse Cultura Suisse 2026 befasste sich mit diesen Themen und zeigte sich erstmals in einer neuen, historisch angemessenen Umgebung.
Nach den bisher vier Auftritten in den modernen Messehallen der Stadt Bern hat die Cultura Suisse 2026 eine absolut passende Kulisse für ihren diesjährigen Messeauftritt gefunden. Mit der Halle 550 in Zürich-Oerlikon stand vom Mittwoch bis am Freitag vergangener Woche eine historische Industriehalle zur Verfügung, die schon seit einigen Jahren grossen Ausstellungen zu einem ganz besonderen Ambiente verhilft.
Die Cultura Suisse ist eine Fachmesse für Museen, Denkmalpflege und Kulturgüter, die alle zwei Jahre stattfindet. Neben den üblichen Messeständen verfügt sie jeweils über einen grossen Werkplatz. Unter der Federführung der Vereine Handwerk in der Denkmalpflege und Fachwerkleben wurden dort auch dieses Mal einige traditionelle Handwerkstechniken, Restaurierungsarbeiten sowie der fachgerechte Umgang mit historischen Bausubstanzen gezeigt und das praxisnah, anschaulich und im direkten Austausch mit den Ausführenden. Beispielsweise wurde vorgeführt, wie ein Baumstamm längs von Hand aufgesägt oder mit einer Breitaxt zu einem Balken behauen wurde. Da die Messehalle über einen Innenhof verfügt, gab es auch Livedemonstrationen im Schmieden und im Giessen.
Die IG Schmiede ist eine Interessengemeinschaft, welche das Schmiedehandwerk fördert. Einige Mitglieder zeigten verschiedene spezielle Arbeitstechniken und wie spezielle Produkte entstehen können. Die Glutz-Manufaktur ist eine Giesserei, in der massgefertigte Beschläge, Glocken und individuell gestaltete Kunstgussteile hergestellt werden. Die Giesser zeigten, wie eine Sandgussform entsteht, und gossen dann damit verschiedene Produkte.
Auch an vielen Messeständen gab es immer wieder Vorführungen und die Möglichkeit eines direkten fachlichen Austauschs. Daneben wurden Forumsbeiträge und praxisnahe Vorträge geboten.
Die Erhaltung des Kulturerbes verlangt immer nach grossem Wissen und handwerklichem Können, was an sehr vielen Ständen in alle möglichen Handwerksrichtungen gezeigt wurde. Selbst Tapeten und alte Wandbespannungen können restauriert und auch wieder ergänzt werden, was das Handdruck Atelier aus Bern recht eindrücklich präsentierte. Auch die Schreinerei Eigenmann AG aus Zumikon ZH befasst sich mit dem Erhalt historischer Werte, aber im Holzbereich bei Bauten. Gezeigt wurde an einem Beispiel, wie der gesamte Aufbau einer alten Fensterbeschichtung hervorgeholt und Schicht um Schicht exakt bestimmt und archiviert wurde. Damit werden die Grundlagen für ein späteres Sanierungskonzept geschaffen.
Gerade bei historischen Fenstern stellt sich bei der Restaurierung ein zusätzliches Problem, da sie in der Regel auch noch energetisch an heutige Anforderungen angepasst werden müssen. Die Holzmanufaktur Swiss AG im aargauischen Hunzenschwil restauriert und repariert historische Ausstattungen wie Fenster, Türen, Böden und Täfer und zeigte eine ganze Palette an Glaselementen zur energetischen Aufrüstung von Fenstern, darunter auch Vakuumelemente, die nur unwesentlich mehr Platz als eine Einscheibenverglasung benötigen.
Aus dem französischen Châtillon-le-Duc stellte die Firma Adeco aus. Sie ist darauf spezialisiert, Fenster, Türen, Parkett und Treppen nicht nur zu restaurieren, sondern auch exakt nachzubauen. Laut Firmenangaben sollen enge Kooperationen mit anderen Schreinereien keine Seltenheit sein. Am gleichen Stand präsentierte die Beschlägefirma Ferrure et Patienes aus Strassburg geschmiedete und gegossene Exponate, die denen historischer Vorbilder entsprechen. Auf diesem Messestand war ausserdem der Parketthersteller Janod aus Doucier im französischen Jura anzutreffen. Er zeigte Tafelparkett und mehr aus eigener Fertigung.
Damit Innenräume mit ihren Kunsthandwerken strahlen können, braucht es Licht und somit Fenster mit Gläsern, welche die kreative Raumgestaltung mit stilgerechten Dekoren untermalen. Die auf Musselin-Glas spezialisierte Glas Vogrin GmbH aus Biel BE hat altersbedingt die gesamte Produktion mit dem handwerklichen Wissen und Können an die in Bern ansässige Glas Fäh AG weitergegeben, wodurch sämtliche sandgestrahlten Muster und auch die farbigen Eckelemente weiterhin erhältlich sind. Auch die Scholz AG in Rümlang ZH bietet sandgestrahlte Musselin-Gläser an.
Die Kunstglaserei ist aber auch sehr stark im Bereich Bleiverglasungen und Glasmalereien.
Eine ganz andere Art einer historischen Verzierung zeigte sich bei der Koch Wagnerei-Antikschreinerei aus Glattfelden ZH. Die Firma ist im Besitz der einzigen funktionstüchtigen Wellenleisten-Ziehbank in einem sehr weitem Umkreis und produziert damit eine Vielzahl von Wellenleisten – oder auch Flammleisten genannt. Das sind Möbeldeckleisten, die auf einer Fläche mittels einer profilierten Ziehklinge bearbeitet werden. Dadurch, dass sich die Klinge über die Bearbeitungsstrecke getaktet auf und ab bewegt, entsteht eine vorgegebene wellenförmige Struktur. In dieser Wellenstruktur sind scharfkantige, querlaufende Absätze möglich, was bei keiner modernen Maschine der Fall ist.
Wenn ausserordentliche, historisch wertvolle Stücke vor allem noch bewahrt und einem Publikum zugänglich gemacht werden sollen, finden sie hoffentlich den Zugang zu Museen und Sammlungen. Ein wichtiger Teil der Messe widmete sich diesem Thema mit all seinen Ansprüchen. Das reichte von Verpackungs- und Versandmöglichkeiten bis zur Lagerung und Archivierung. Die Johanneum Research Forschungsgesellschaft aus dem österreichischen Graz bietet beispielsweise Archivprogramme an, die auch ausserhalb von Museumsanforderungen eingesetzt werden können und so für Handwerker interessant sind.
Für Ladenbauer, im Innenausbau und bei Möbeln dürften auch die Minispotleuchten der deutschen Erco GmbH interessant sein. Das System «Axis» ist vollkommen steckbar, für den Dauereinsatz konzipiert und mit einer sehr guten Farbübereinstimmung ausgestattet.
Veröffentlichung: 02. April 2026 / Ausgabe 14/2026
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