Auf dem «Philosophenweg» lauert Gefahr

Der Schreiner-Philosoph. Bilder: HF Bürgenstock

75 Jahre Bürgenstock. Das romantische Strässlein, das durch den Wald vom Schreinerhaus bis zu den Bürgenstock-Hotels führt, birgt ungeahnte Gefahren.

Das romantische Strässlein, das durch den Wald vom Schreinerhaus zum Waldhotel und weiter zu den Bürgenstock-Hotels führt, war für berühmte Gäste wie die Filmstars Audrey ­Hepburn, Sophia Loren oder für den US-Präsidenten Jimmy Carter ein erholsamer, schattiger Spazierweg. Und für die Besucher des Schreinerhauses eine wichtige Fussgängerverbindung.

Lange war der Weg eine Schotter­stras­­se, ab Ende der 1980er-Jahre war er mit Strassenleuchten versehen, die aber mithilfe von Sturm Lothar wieder abmontiert wurden. Ein Fixpunkt auf dem Weg war viele Jahre ein Berufskundebaum, von der damaligen Schreiner­koryphäe Josef Brunschwiler fotografiert und im Materialkundeunterricht immer wieder besprochen. So weiss jeder «alte» Schreinermeister aus eigenem Betrachten der inzwischen gefällten Tanne, dass sie auf der unteren, runden Seite Druckholz (Buchs) gebildet hatte (Materialkunde für Schreiner, 1966). Dieses Wissen hat heute bei den vielen neuen Materialien, die Schreiner verwenden, an Bedeutung verloren. Mit dem Wegweiser «Philosophenweg», der einen Schreiner mit Doppelmeter in der Hand darstellt, setzten die Schreiner «ihrem» Weg ein Denkmal. Heute noch wird der Philosoph alle paar Jahre restauriert.

Brille kaputt, Nase gequetscht

Im Winter war der Weg vielfach mit Schnee bedeckt und mit vielen vereisten Stellen sehr gefährlich. Dies insbesondere für Städter, die vom Schnee auf dem Bürgenstock überrascht wurden und ohne gutes Schuhwerk über den Weg gehen wollten. Herbert Lienhard, Meisterprüfungskommissionspräsident von 1971 bis 1986, konnte seiner eigenen Aussage nach bei einer abendlichen Rutschpartie und nachfolgendem Sturz abwärts in den Wald seine Hände nicht mehr rechtzeitig aus den Manteltaschen ziehen. Er stiess mit dem Gesicht auf den gefrorenen Waldboden: Brille kaputt und Nase gequetscht. Er habe dabei Folgendes gelernt: Nie bei Glatteis die Hände in die Manteltaschen stecken, egal wie kalt es ist!

In die andere Richtung führt der Weg zum Golfplatz und zur Villa Honegg. Die wenigen Meter bis zum Restaurant Trogen hatten eine grosse Bedeutung für die Schreiner, weil sie dort übernachteten oder Znüni assen. Heute dient der Wegabschnitt nur noch als Zufahrt zu den Parkplätzen der HF Bürgenstock. RR

www.75-jahre-hfb.ch

Veröffentlichung: 23. Januar 2019

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