Auf der Fläche ist was los


Da Parkett auch die Wände hochgeht, hat sich der Hersteller Stile gedacht, kann man das auch lasern und damit Bilder an die Wand bringen. Bild: Christian Härtel


Da Parkett auch die Wände hochgeht, hat sich der Hersteller Stile gedacht, kann man das auch lasern und damit Bilder an die Wand bringen. Bild: Christian Härtel
Strukturen. Wo man auch hinschaut, wird derzeit in das Material Holz hineingearbeitet. Kein Wunder, denn Oberflächenstrukturen als Akzente zu sonst einfach glatten Flächen gefallen, und die technischen Möglichkeiten der Umsetzung sind inzwischen vielseitig.
Es wird gelasert, gefräst, geprägt, gebürstet, geschnitzt, gestrahlt, geschliffen und gebrannt, um Struktur ins Holz zu bekommen. Manche Furnierhersteller nehmen die Feile und malträtieren damit die scharfe Schneide einer Messermaschine, um ihre eigene, besondere Oberfläche eines imitierten Bandsägenschnittes Blatt für Blatt im Furnier zu erzeugen. Keine Frage, sobald es um Struktur geht, kommt Individualität ins Spiel – das scheint ein Schlüssel zu sein.
Wie sonst wäre es zu erklären, dass aktuell einer Oberfläche auch ein haptischer Reiz und ein optisches Versprechen innewohnen muss? Holz mit seinen weichen und härteren Früh- und Spätholzbereichen innerhalb eines Jahrringes eignet sich dafür naturgemäss besonders. Schon das Wetter strukturiert eine Holzoberfläche, wenngleich nach eigener Laune und über lange Zeit. Struktur ist Ausdruck von Natürlichkeit und kultureller Identität und spricht schon deshalb an.
Auch der italienische Edelhersteller von Metallmöbeln De Castelli hat die Bearbeitung der Messing-, Kupfer- und Stahlbleche mittels schlagender Ornamentik für sich entdeckt. Und Anbieter von Natursteinen fräsen inzwischen ebenfalls oft tiefe Muster in Steinplatten.
Der bosnische Möbelhersteller Zanat bringt die Muster mittels Schnitzeisen und Handarbeit ins Holz. Dadurch entstehen Unikate, was den Markenkern des Unternehmens darstellt und auch einen besonderen Platz in der Branche sichert.
Der neuseeländische Hersteller von Haushaltsgeräten Fisher & Paykel hatte am letzten Salone in Mailand eine aufwendige Möbelkollektion mit muldenartiger Oberfläche gezeigt. Eine solche Struktur entsteht ebenfalls in Handarbeit und kann mit einer Oberfräse, die schaukelnd in einer Hilfskonstruktion gelagert wird, erzeugt werden. Nach jedem Schwung, der gleichbedeutend mit einer Fräsung ist, rückt die Vorrichtung vor, und so entsteht das Bild der Mulden. Auf den Social-Media-Kanälen finden sich regelmässig neue Ideen und Techniken, um mit einfachen Werkzeugen Oberflächen eine persönliche Note zu geben.
Die industriellen Strukturen sind meist gefräst oder geprägt. Sie sind immer wiederkehrend und werden so zum seriell gefertigten Halbfabrikat. Hersteller von Furnier- und Holzwerkstoffen rüsten hier gerade nochmals auf und bieten ganze Kollektionen von profilierten Massivhölzern.
Während die zumeist italienischen Hersteller von gefrästen Strukturhölzern wie Gizia, Edillegno Tranciati oder Itlas bereits Schweizer Handelsbetriebe bedienen, hat der international agierende Massivholzspezialist Florian ganz neu eine Kollektion an strukturierten Decklagen auf den Markt gebracht. Manche Texturen sind dabei sehr dünn, sodass sie rückseitig mit einem Furnier stabilisiert werden. Damit lassen sich auch geschweifte Flächen belegen, sie bieten so noch mehr Möglichkeiten der Formgebung von Möbeln mit Texturen. Die meisten der gefrästen Varianten sind aber eher steif, plattenartig.
Auch gibt es in Italien einige Unternehmen, die dem Holz mittels Laser Struktur geben, allen voran 4 Design mit anspruchsvollen Arbeiten. Auch Mille 997 oder der Parkett-hersteller Stile setzen Laser für das Strukturieren von Oberflächen ein. Beim Lasern mischen die Schweizer gründlich mit. Teilweise bieten sie Spezialitäten, die weltweit ihresgleichen suchen.
Für das Schneiden von nicht metallischen Materialien mittels Laser sind Spezialisten wie etwa ZB Laser in Schönenwerd SO mit 5-Achs-Technologie perfekt eingerichtet. Eines der ersten Unternehmen, das mittels Sublimation Verlaufsstrukturen in Holz erzeugt hat, war die Schreinerei Strasserthun, die nach dem Verkauf an die Lädrach Holding AG und dem Umzug nach Konolfingen zur Werkvoll AG umfirmiert hat. Ein Teil der Lasertechnologie ist mit umgezogen, ein anderer Teil ist mit Schwander Swiss Solutions und dem früheren Geschäftsführer von Strasserthun neu gestartet. «Das Lasern bringt die interessantesten Ergebnisse. Es ist aber auch aufwendig, immer wieder herausfordernd und am Ende auch hochpreisig und wird damit wohl immer ein Nischenprodukt für den hochstehenden Innenausbau bleiben», sagt Marcel Schwander, der inzwischen über zehn Jahre Erfahrung mit der Technologie hat.
Schwander lasert vor allen Dingen in Holz, meist Dreischichtplatten, und das Relief ist oft relativ tief. Dem Verzug der Platte durch das Lasern, bei dem sich der symmetrische Aufbau zu einem asymmetrischen Aufbau wandelt, wirkt er entgegen, indem auf der Rückseite Entlastungsschnitte in gitterförmiger Rautenstruktur gelasert werden. Ganz gerade sei eine Dreischichtplatte jedoch nie, auch schon ab Werk nicht. Wer damit Fronten machen wolle, müsse entsprechende technische Massnahmen wie Spannvorrichtungen, Gratleisten oder Ähnliches vorsehen, sagt der Experte. Je mehr Material durch das Sublimieren abgetragen wird, desto stärker ist der Effekt des Verziehens. Durch einen asymmetrischen Aufbau einer Dreischichtplatte kann man dies vermeiden.
Beim italienischen Laser-Akteur 4 Elements setzt man auf einen mehrschichtigen Aufbau mit Alpi-Furnieren. Dabei wird die asymmetrische äussere Schicht fast komplett abgetragen, was zur Standfestigkeit des Materials beiträgt. «Wenn man nur im Bereich einer Furnierstärke lasert und MDF als Träger verwendet, dann ist der Verzug kein Problem», weiss Schwander.
Als Dienstleister für Schreiner und Möbelbauer agiert auch Woodcoat in Wil SG mit Laserstrukturen. Die Besonderheit liegt in der Kombination von Lasern und anschliessender Pulverbeschichtung der MDF-Platten. Neu stellt Woodcoat zusätzlich das Fräsen an die erste Stelle und kann so noch mehr Varianten an Mustern und Strukturen umsetzen. Das Verfahren nennt sich kurz FLP. Das F steht dabei für Fräsen, L für Lasern und P entsprechend für Pulvern.
Die Kollektion sei mittlerweile auf über 50 verschiedene Lasertexturen angewachsen, wobei die Struktur individuell auf einer Front platziert werden kann. «Mit der Laseranlage können wir theoretisch auch individuelle Texturwünsche umsetzen. Die Herausforderung liegt dabei in der Aufbereitung der Texturen. Beispielsweise sollen bei flächigen Mustern keine Wiederholungen erkennbar sein», erklärt Serge Eggler, Geschäftsleiter von Woodcoat. Diese Vorarbeit sei aufwendig und benötige entsprechend Zeit. Deshalb setzt man auch im Hinblick auf die Prozesssicherheit lieber auf eine Kollektion von Mustern und Texturen.
Die Kollektion werde im Austausch mit der Kundschaft permanent erweitert. «Individuelle Muster mit Potenzial nehmen wir deshalb laufend in unsere Kollektion auf», erklärt Eggler.
Inzwischen ist das Feld der Anbieter von Holz und Holzwerkstoffen mit strukturierten Oberflächen deutlich angewachsen. Einige davon bieten auch verschiedene Techniken und damit Werkstoffe an. Hier eine Liste von Herstellern auf dem Markt, die teilweise auch Schweizer Handels- betriebe beliefern.
www.schwander.swisswww.stile.comwww.werkvollag.chwww.zanat.orgwww.itlas.comwww.latho.itwww.gizia.itwww.mille997.comwww.florianinc.comwww.edillegnotranciati.itwww.vd-holzinform.dewww.woodcoat.chVeröffentlichung: 29. Oktober 2026 / Ausgabe 44/2026
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