Neues Gewand für die Mutter des Waldes


Nein, keine neue Holzart: Den grauen Farbton erhält das Buchenholz durch die Imprägnierung mit einer Eisensulfatlösung. Bild: Fagusnoir AG


Nein, keine neue Holzart: Den grauen Farbton erhält das Buchenholz durch die Imprägnierung mit einer Eisensulfatlösung. Bild: Fagusnoir AG
Vergrauen. Obwohl die Buche die häufigste Laubbaumart in den Schweizer Wäldern ist, wird ihr Holz im modernen Innenausbau vergleichsweise selten verwendet. Ein Umstand, den zwei Holz- ingenieure der Berner Fachhochschule mit einem eigens entwickelten Verfahren ändern wollen.
In der Schweiz bedeckt der Wald rund 1,3 Millionen Hektaren oder knapp ein Drittel der gesamten Landesfläche. Dabei ist die am weitesten verbreitete Baumart nach wie vor die Fichte mit einem Anteil von 42 % am gesamten Holzvorrat, wie aus dem Wald- bericht 2025 des Bundesamtes für Umwelt Bafu hervorgeht. Während die im Möbel- und Innenausbau allgegenwärtige Eiche lediglich knapp 2 % der hiesigen Baumartenstruktur ausmacht, verzeichnet die Buche mit rund 18 % den zweithöchsten Vorratsanteil nach der Fichte. Dennoch kommt das Holz der «Mutter des Waldes», wie die Rotbuche auch bezeichnet wird, im modernen Innenausbau wenig zum Einsatz. Vielmehr wird ein grosser Teil des Schweizer Buchenholzes als Energieholz, sprich als Brennholz, verwendet.
Was die Attraktivität des Holzbildes anbelangt, hat die Buche gegenüber der Eiche freilich keinen leichten Stand. Die grosse Beliebtheit verdankt das Eichenholz nicht zuletzt seiner markanten und harmonischen Maserung und seiner hellbeigen bis goldbraunen Färbung. Die Buche ist mit ihrer homogenen und schlichten Maserung sowie der blassen, grau-rosa bis gelblichen Färbung im unbehandelten Zustand zweifellos um einiges zurückhaltender im Erscheinungsbild.
Ein Umstand, den zwei Holzingenieure der Berner Fachhochschule BFH und Absolventen der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel vor rund fünf Jahren als Ausgangslage für ihre Masterarbeit genommen haben. Inzwischen sind aus dem Projekt eine eigene Marke sowie ein Unternehmen entstanden. «Wir wollten die Wertschöpfungskette der heimischen Buche stärken, indem wir das Oberflächenbild der Holzart optisch attraktiver machen», sagt Lars Zinniker, Schreiner und Co-Founder der Fagusnoir AG in Biel BE. Der Name des jungen Unternehmens hat seinen Ursprung im Forschungsprojekt, das Zinniker zusammen mit seinem jetzigen Geschäftspartner und ehemaligen Studiumskollegen Gabriel Köferli im Rahmen der Masterarbeit durchgeführt hat. «Der Name leitet sich von der lateinischen Bezeichnung für die Rotbuche (Fagus sylvatica) und dem französischen Wort ‹noir› für die dunkle Farbgebung ab», erklärt Köferli, Mitbegründer der Fagusnoir AG und gelernter Zimmermann. Eine dunkle Farbgebung, die charakteristisch ist für das Verfahren, das die beiden Holzingenieure und Designer am holztechnologischen Institut der BFH entwickelt haben. So wird das Buchenholz dabei durch eine chemische Reaktion über die gesamte Querschnittstiefe in Grautönen gefärbt.
Wer schon mal einen alten Nagel aus einem Eichenbalken entfernt hat, weiss, dass die Gerbstoffe in der Eiche mit dem Eisen reagieren und sich das Holz intensiv dunkel verfärbt. Im Vergleich zur Eiche ist das Buchenholz allerdings sehr gerbstoffarm. «Uns war aber bekannt, dass es möglich ist, Buchenfurnier durch diese chemische Reaktion grau zu färben», sagt Zinniker. Deshalb habe man dort angesetzt und erste Versuche mit Buchenwürfeln, Wasser und Eisenspänen gemacht. «Wir orientierten uns auch an anderen Verfahren, die es bereits gab», sagt Köferli. So habe man sich etwa über den aktuellen Stand der Technik bei der Kesseldruckimprägnierung informiert und geschaut, wo dort die Herausforderungen liegen und wie man dieses Verfahren für die eigenen Zwecke anpassen könnte. Ein grundlegender Teil des Forschungsprojektes sei auch gewesen, zu schauen, wie genau die Reaktion zwischen dem Eisen und den Gerbstoffen auf chemischer Ebene abläuft.
Über mehrere Monate haben Zinniker und Köferli zahlreiche Testversuche durchgeführt und ausgewertet. «Grundsätzlich war die Buche eine dankbare Holzart für unser Vorhaben», sagt Zinniker, «denn ihr Aufbau und die Porenstruktur gewährleisten einen guten Wassertransport.» Aber dass sich das Buchenholz auch bei grösseren Querschnitten wirklich durchgehend und gleichmässig verfärbt, sei dennoch nicht einfach zu erreichen gewesen.
Zwischendurch habe man damit experimentiert, das Holz zuerst mit Tanninen (Gerbstoffen) zu imprägnieren und erst danach die Reaktion mit dem Eisen zu provozieren. Die Wirkung sei aber überschaubar gewesen. «Zudem wurde die Oberfläche dadurch unregelmässiger», sagt Köferli, und Zinniker ergänzt: «Die Poren waren durch die Tannine teilweise schon gesättigt, weshalb das Holz die Eisenlösung gar nicht mehr aufnehmen konnte.»
Anders als bei anderen wissenschaftlichen Untersuchungen sei es bei dem Forschungsprojekt der beiden Holzingenieure nicht primär um technische Parameter gegangen, die es zu erreichen galt. Vielmehr stand die Optik der Holzoberfläche im Fokus, und das finale Korrektiv sei das Auge gewesen. «Unser Ziel war es auch nicht, einen bestimmten Farbton hinzubekommen, sondern mit möglichst wenig zusätzlichen Ressourcen eine optische Verbesserung zu erreichen», erklärt Köferli. Einige Ziele auf technischer Ebene habe es dennoch gegeben. So wollte man das Verfahren so weit entwickeln, dass Querschnitte bis 50 mm oder mehr eingefärbt werden können und der Prozess wiederholgenau funktioniert. «Da das Holz das Wasser am besten in Faserlängsrichtung transportiert, haben wir Prüfkörper mit versiegelter Stirnseite getestet», sagt Zinniker. So konnte man sichergehen, dass das Verfahren nicht nur im kleinen Massstab funktioniert, sondern auch bei ganzen Klotzbrettern sowie in grossen Autoklaven, den Druckbehältern für die Kesseldruckimprägnierung.
Für die ersten Gehversuche im grossen Massstab haben Zinniker und Köferli mit der Imprägnierwerk AG Willisau im Kanton Luzern zusammengearbeitet. «Die Hochskalierung von der kleinen Infrastruktur des BFH-Labors auf die grossen Anlagen des Imprägnierwerkes hat gut funktioniert», sagt Köferli. Im Prinzip unterscheide sich der Prozess nicht sonderlich von herkömmlichen Druckimprägnierungen. In einem Autoklaven wird unter Druck eine Imprägnierlösung in die Holzporen gepresst. Für das «Fagusnoir»-Verfahren, das inzwischen als Marke im Schweizer Markenregister eingetragen ist, setzt sich die Imprägnierlösung lediglich aus Wasser und einem Eisenpräparat zusammen. Entscheidend seien aber der passende Druck und die richtige Dauer, die die Klotzbretter im Autoklaven verbringen. Die Eisensulfatlösung kann dabei – bis auf einen gewissen Verlust, der während des Prozesses entsteht – immer wieder verwendet werden.
Während das Einfärben auch im grossen Massstab quasi auf Anhieb funktionierte, entpuppte sich jedoch die anschliessende Trocknung als Herausforderung. Da das Holz nach der Druckimprägnierung über den Fasersättigungsbereich hinaus nass ist, sei eine äusserst schonende Trocknung unumgänglich. «Die Lufttrocknung an einem heissen Sommertag kann bereits zu feinen Rissen im Holz führen, wie wir lernen mussten», sagt Zinniker. «Indem wir dem Holz das freie Wasser in den Zellhohlräumen nach dem Imprägnieren aber noch unter Vakuum entziehen, konnten wir dieses Problem lösen.» Bisher haben die beiden Holzingenieure ihr Verfahren mit Klotzbrettern bis 80 mm Stärke erprobt. «Mit grösseren Querschnitten haben wir noch nicht experimentiert, da wir damit den Bereich Innenausbau mehrheitlich abdecken können», sagt Köferli.
An den mechanischen Eigenschaften des Buchenholzes ändert sich durch die Modifizierung nichts. Auch bearbeitet oder behandelt werden kann das vergraute Holz wie gehabt. Durch die Vergrauung verstärkt sich jedoch der Kontrast des Holzbildes, wodurch das Buchenholz mehr Charakter erhält. «Das Oberflächenbild ähnelt im Prinzip dem nach einer chemischen Beize, die auch das positive Farbbild übernimmt», erklärt Köferli. Nur eben, dass die Färbung durch den ganzen Holzquerschnitt gleichmässig vorhanden ist und das Holz wirkt, als wäre es in der Farbe gewachsen.
Eine Ausnahme bilden Stellen, wo die Buche einen fakultativen Farbkern gebildet hat. «Dort verschliesst der Baum die Zellen, weshalb die Imprägnierlösung dort nicht ins Holz gelangen kann», sagt Zinniker. Das Resultat ist ein starker Kontrast zwischen dem ungefärbten, rötlichen Kernholz und den Grautönen der restlichen Holzoberfläche. Ein Kontrast, den die beiden Holzingenieure bei ihren Möbeln aus dem veredelten Buchenholz bewusst und auch sehr gerne zeigen.
Apropos Möbel: Eine besondere Zusammenarbeit entwickelte sich mit der Stuhl- und Tischmanufaktur Horgenglarus in Glarus. Daraus ist inzwischen eine Sonderedition des Stuhls «Classic 1-383» im Farbton «Fagusnoir» entstanden. Bereits während der Masterarbeit habe man sich darüber Gedanken gemacht, wo das modifizierte Buchenholz gut zur Geltung kommen würde. «Da Horgenglarus seit eh und je viel mit Buchenholz arbeitet, sind wir auf sie zugegangen», sagt Köferli. Die beiden Prototypen des Stuhls fungierten sodann auch als Härtetest für das Material. «Wir dachten uns, wenn das veredelte Holz durch die anspruchsvollen Prozesse der Stuhlproduk- tion kommt, funktioniert es auch bei allen anderen Möbeln.» So habe die Zusammenarbeit geholfen, kleine Kinderkrankheiten des Verfahrens zu erkennen und auszumerzen. Zum Beispiel offenbarten sich beim Biegen der Stuhllehnen schnell einmal die anfänglichen Probleme mit der Trocknung.
In einem nächsten Schritt möchten die beiden Holzingenieure die Herstellungskette für das veredelte Buchenholz optimieren. «Bisher fungierten wir quasi als Holzlieferanten und haben den Transport vom Holzhändler zum Imprägnierwerk und weiter zu Horgenglarus oder den Schreinereien übernommen», sagt Zinniker.
Im besten Fall werde das Holz aber dort imprägniert und getrocknet, wo es herkommt. «Zu diesem Zweck sind wir in Kontakt mit der Group Corbat im Jura.» Mit der Infrastruktur der Laubholzsägerei sollten alle nötigen Arbeitsschritte an einem Standort möglich sein – und ausserdem das Buchenholz aus der Region Jura genutzt werden können. Dafür müssten die Imprägnieranlagen der Corbat Group aber zunächst noch ein wenig umgerüstet werden. «Es ist noch nicht alles in Stein gemeisselt, aber wir sind zuversichtlich, dass wir das veredelte Buchenholz im Verlauf des nächsten Jahres in grösseren Mengen anbieten können», erklärt Köferli.
Zurzeit bewegt sich das Preisniveau für das veredelte Buchenholz noch irgendwo zwischen dem für Eichen- und Nussbaumholz. Mit der Produktion an einem Standort sowie in grösseren Mengen sollten die Kosten aber noch deutlich gesenkt werden können, wie sich Köferli und Zinniker überzeugt zeigen.
www.fagusnoir.chwww.bfh.chwww.horgenglarus.ch
Natürlich vergraute Furniere
Im Jahr 2022 wurde die Furnierlinie «Stone» der Roser AG in Birsfelden BL beim HWS Innovationspreis mit dem zweiten Rang gewürdigt. Nach zweijähriger Forschung und in Zusammenarbeit mit der Berner Fachhochschule ist es dem Unternehmen gelungen, ein Verfahren zur Marktreife zu bringen, um Holzfurniere und Parkettlamellen dauerhaft zu modifizieren. Gerbsäurehaltige Hölzer werden dabei auf natürliche Weise mittels Oxidation vergraut. Das Verfahren, bei dem die im Holz vorhandene Gerbsäure mit Metallionen reagiert, kommt ohne Chemie oder zusätzliche Pigmente aus.
Die vergrauten Furniere zeigen eine silbergraue bis dunkelgraue Tönung, die dauerhaft und farbstabil ist. Die «Stone»-Edition umfasst zehn Varianten, darunter Holzarten wie Eiche, Ulme, Kastanie, Eukalyptus, und Hagebuche.
www.roser-swiss.comVeröffentlichung: 29. Oktober 2026 / Ausgabe 44/2026
Strukturen. Wo man auch hinschaut, wird derzeit in das Material Holz hineingearbeitet. Kein Wunder, denn Oberflächenstrukturen als Akzente zu sonst einfach glatten Flächen gefallen, und die technischen Möglichkeiten der Umsetzung sind inzwischen vielseitig.
mehr
Effekte. Die Zeiten, als ausschliesslich lackbasierte Beschichtungen Veredelungen mit Effekten auf Holzoberflächen zuliessen, sind vorbei. Die Möglichkeiten, besondere Effekte mit Öl- und Wachsoberflächen zu erzeugen, haben markant zugenommen.
mehr
PaidPost. Beim traditionsreichen Unternehmen Gross Fenster + Türen GmbH in Salzweg bei Passau (D) hat Range + Heine aus Winnenden (D) kürzlich die horizontale Flutanlage für die Grund- und Zwischenbeschichtung von Holzteilen modernisiert und erweitert.
mehr