Aus dem Kantholz kommt die Kuh

Der gelernte Schreiner Dominic Bösch (30) betreibt das Chüelischnitzen als ambitioniertes Hobby. Bild: Ruedi Roth

Leute. Der Bauernbub Dominic Bösch wuchs mit zwei Schwestern in Jakobsbad AI auf einem Bauernhof auf. Seine Eltern bewirtschaften dort den Bauernbetrieb des Klosters. Er habe in Feld und Stall gerne mitgeholfen. «Trotzdem war das ‹Puure› nicht mein Wunschberuf, und ich bin froh, dass die Eltern uns Kindern freie Wahl liessen.»

Eine Woche Schnupperlehre bei einem Schreiner, und dem drahtigen Appenzeller gefiel diese Arbeit auf Anhieb. Bei einer Schreinerei in Steinegg absolvierte er die Berufslehre erfolgreich. Das Schreinern von Küchen verlangt nach Genauigkeit – eine Eigenschaft, die der 30-Jährige auch ausstrahlt. Seine Wanderjahre führten ihn in eine Schreinerei mit Zimmerei in Appenzell, wo er momentan mit einem Pensum von 90 Prozent angestellt ist. Die restliche Zeit und mehr verbringt Bösch aber seit sechs Jahren im Atelier in Gontenbad AI. Innert weniger Jahre hat er es geschafft, für seine Holzkühe Anerkennung zu finden. Mit Holzkühen zu spielen, war auch in seiner Kinderstube präsent. Doch erst als Erwachsener betrachtete er die Holztiere genauer. Exemplare, die ihm sein Grossvater schenkte, spornten ihn an, selbst Kühe zu schnitzen. Kurzerhand wandte er sich an den erfahrenen Schnitzer Armon Gerber in Reichenburg SZ. Wie geht man mit welchem Holz und welchem Werkzeug am besten vor? «Bei ihm lernte ich, dass sich neben Lindenholz auch Arvenholz sehr gut eignet», erzählt Bösch. Drei Messer in geeigneter Grös-se schaffte er sich an und startete. Aus einem Holzstück in angemessener Grösse entstand bald eine erste Kuh. Eine zweite folgte und bald schon die dritte. Der selbstkritische Innerrhoder zeigte sich zufrieden. «Diese Holztiere waren keine Wunderwerke. Aber der sichtbare Fortschritt spornte mich an.» Mit grossem Eifer wurde die Produktion fortgesetzt. Jetzt sprach sich das Talent von Dominic Bösch herum.

«Die ersten Schnitzarbeiten finden hinten an der Kuh statt. Von dort geht es fliessend nach vorne und zuletzt kommt der Kopf dran.»

Von Appenzellerland Tourismus angefragt, nahm Chüelischnitzer Bösch an einer mehrtägigen Gewerbe- und Landwirtschaftsausstellung in Langnau BE teil. Die beiden Appenzell waren dort zu Gast. «Das Interesse der Besucher war gross, und vor lauter Gesprächen kam ich kaum zum Schnitzen», sagt Bösch und schmunzelt. Bestellungen trudelten in der Folge ein, etwa ein Alpaufzug, bei dem die Kühe Glocken (wie im Bernbiet) statt Schellen (wie im Appenzellerland) tragen. Ein Kunde wollte seine Initialen in den Schellenriemen eingeritzt haben. Bösch freut sich, denn er betreibt sein Hobby mit grosser Leidenschaft. Das für eine Kuh vorgesehene Kantholz sei jeweils nur wenige Millimeter breiter und höher als das Endprodukt, erläutert er. Zuerst zeichne er dort das Tier mit Bleistift in gewünschter Position. Welches Vorderbein soll angehoben sein zum Schritt, wohin soll der Kopf seinen Blick richten? Diese und andere Vorstellungen müssten jetzt sichtbar werden. «Die ersten Schnitzarbeiten finden hinten an der Kuh statt. Von dort geht es fliessend nach vorne, und zuletzt kommt der Kopf dran», erklärt er seine Vorgehensweise.

In den Anfängen sei ihm der Kuhkopf oft etwas zu gross geraten. Auch sei es von Vorteil, wenn man den Kuhschwanz mit dem Hinterbein verbinde, um einen Bruch zu verhindern. Böschs Kühe sind oft mit Senntumschellen versehen, weil ihm diese am besten gefielen. Vor allem aber haben seine Tiere Ausstrahlung. Ihr Blick und ihr Gang sind lebhaft. Gesunder Ehrgeiz, Selbstkritik und immens viel Freude haben aus dem jungen Schreiner Dominic Bösch einen angesehenen Schnitzer werden lassen.


Ruedi Roth

Veröffentlichung: 12. Oktober 2026 / Ausgabe 41/2026

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