Dabei wollte er Koch werden


Aus Familientradition lernte Josef Haus (73) Schreiner. In Bad Zurzach kennt man ihn vor allem für sein vielfältiges Engagement zugunsten der Allgemeinheit. Bild: Cornelia Thürlemann


Aus Familientradition lernte Josef Haus (73) Schreiner. In Bad Zurzach kennt man ihn vor allem für sein vielfältiges Engagement zugunsten der Allgemeinheit. Bild: Cornelia Thürlemann
Josef Haus (73) ist in einer Familie mit acht Kindern im Marktflecken Bad Zurzach aufgewachsen – «im Fläcke», wie die Einheimischen sagen. Als Kind konnte er über die Gasse hüpfen und war bei seinen Gspänli, den Kindern der Schreinerei Fischer. «Mein Vater und mein Grossvater waren Schreiner, heute ist auch einer meiner Söhne Schreiner», erzählt Haus. Es war naheliegend, dass er in die Fussstapfen seiner Vorfahren trat. Aber der 15-Jährige hatte einen anderen Traum: «Ich wollte Koch werden.» Warum gerade Koch? «Als Kind habe ich gerne meiner Mutter beim Kochen zugeschaut. In einer Familie mit acht Kindern halfen wir in der Küche mit, und wir hatten einen riesigen Garten mit Gemüse, Obst und Beeren.» Als niemand Gehör für seinen Traum fand, machte er die Lehre bei der Schreinerei Fischer vis-à-vis. Damals half er auch mit, die Innenausstattung des modernen Thermalbades zu bauen, die dunklen Teakbalken und die Möbel in den Hallen und Garderoben. Mit dem Zusatzverdienst von Wochenendjobs lud er seine Mutter, die früh Witwe geworden war, schon als Lehrling in gute Restaurants ein. «Wir waren uns einfache Gerichte gewohnt, nun assen wir Chateaubriand und andere Köstlichkeiten.» Der Mutter gefiel es, dem Sohn auch.
Die Menschen zusammen an einen Tisch zu bringen, das macht Josef Haus zeit seines Lebens. So organisierte er von 2014 bis 2019 in Bad Zurzach viermal eine Tavolata. Lange Tische zogen sich durch den «Fläcke». Firmen, Familien, Vereine, Freunde und Private reservierten Tische. «Die Leute fragen mich heute noch, wann es wieder eine Tavolata gibt.» Selbst Städte wie Luzern, St. Moritz und Davos fragten nach, wie sie das gemacht hätten. «Mir liegt es am Herzen, Leben in den ‹Fläcke› zu bringen», betont Haus. So organisiert er seit Jahrzehnten auch das Drehorgeltreffen mit Floh- und Antiquitätenmarkt, er verwaltet die Minigolfanlage und die Vermietung des Bohrturms, eines Eventlokals im Besitz der Gemeinde, und organisierte früher auch den Weihnachtsmarkt. Hinzu kommen Festanlässe wie jüngst das 150-Jahr-Jubiläum der Rheintalbahn Winterthur-Koblenz. Einmal pro Woche sammelt er übrig gebliebene Nahrungsmittel in den Läden und Bäckereien der Region und bringt sie in die gemeinnützige Abgabestelle in Bad Zurzach. Nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges rief er zu einer Spendenaktion auf und organisierte Hilfstransporte mit Nahrungs- und Hilfsmitteln sowie Kleidern. Sein Berufsweg führte Haus zwar weg vom Schreinerberuf und durch die ganze Schweiz, aber nie weg aus Bad Zurzach. Nach der Lehre stieg er in den Lederwaren-Grosshandel ein und gründete mit 25 Jahren ein eigenes Geschäft. Er schuf Kollektionen, vergab Heimarbeiten für die Anfertigung von Lederwaren, belieferte Lederwarengeschäfte in der Schweiz und führte selbst mehrere Fachgeschäfte. Als er mit 70 in Pension ging, stieg er im Cateringbetrieb seiner Partnerin ein. Hier kann er endlich seine Leidenschaft, das Kochen, ausleben.
Bei all diesen Anlässen bringt er sein handwerkliches Geschick, sein Organisationstalent, sein grosses Netzwerk, aber auch seine kaufmännische Erfahrung ein. «All dies könnte ich nicht machen, hätte ich zu Beginn meines Berufslebens nicht Schreiner gelernt», sagt Josef Haus. Morgen Freitag wird der Schreiner mit den vielen Talenten mit dem «Krug von Bad Zurzach» ausgezeichnet. Seit 2002 verleiht eine Stiftung diesen Preis an Organisationen oder Personen aus der Region, die sich besonders für das Wohl der Allgemeinheit eingesetzt haben.
«All dies könnte ich nicht machen, hätte ich zu Beginn meines Berufslebens nicht Schreiner gelernt.»
Veröffentlichung: 24. September 2026 / Ausgabe 39/2026
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