Aus gutem Holz

Daniel Züger (63) bei sich zu Hause in Melchnau BE mit einem «Thronfolger»-Hocker. Bild: Stefan Hilzinger

Leute. Wo fühlt sich ein Schreiner wohl, wenn nicht inmitten von Holz? Davon hat es in dem umgebauten alten Bauernhaus in Melchnau BE mehr als genug. Hier, an der Grenze zwischen dem Oberaargau und dem Emmental, wohnt Schreiner Daniel Züger mit seiner Lebenspartnerin, umgeben von seinem Lieblingswerkstoff.

«Schon mein Vater war Schreiner mit einem eigenen Werkstättli. Anschläger sagte man damals, heute heisst es Monteur.» Kindheit und Jugend verbrachte er in Erschwil im Solothurner Jura. Der heutige Kanton Jura, das Laufental und auch Frankreich sind nicht weit. Nicht nur das Schreinerhandwerk prägt ihn, sondern auch der Korbballsport. Der Turnverein Erschwil ist der beste Korbballclub der Schweiz mit total 36 Schweizermeistertiteln und vier eidgenössischen Festsiegen. Bei vier dieser Meistertitel steht auch Züger für Erschwil auf dem Feld. Nach der Schreinerlehre zieht es ihn jedoch weg aus dem beschaulichen Schwarzbubenland. «Ich wollte Französisch lernen und trat eine Stelle in Le Landeron am Bielersee an», sagt er. Allerdings habe er dort mehrheitlich mit Deutschschweizern zusammengearbeitet. So wechselt er nach Biel, wo das mit dem Französischlernen zwar auch nicht wirklich klappt. «Aber an einem Rock’n’Roll-Tanzkurs lernte ich meine Frau kennen», sagt er.

«Ich merkte, ich muss raus aus dem Hamsterrad.»

Schnell stellt sich Nachwuchs ein, und es kommt die Zeit, den väterlichen Betrieb zu übernehmen. Das war 1988. Sein erfolgreiches Einzelunternehmen «Edelswiss Daniel Züger» in Zwingen BL verkauft er 2019 an einen ehemaligen Lehrling. Nach dem tragischen Tod seiner Ehefrau einige Jahre zuvor, beschliesst Daniel Züger, seinem Leben nochmal eine andere Richtung zu geben.

«Ich merkte, ich muss raus aus dem Hamsterrad», sagt der Vater dreier Kinder, der inzwischen auch Grossvater ist. Anstellen lassen will er sich zwar nicht, aber als Freelancer-Schreiner mit Begeisterung und Flair für Massivholz findet er rasch wieder sinnvolle Beschäftigung. Weil die Suva interveniert, ist er zuletzt doch bei einer Schreinerei in Langenthal BE Teilzeit angestellt – bis er kürzlich dort kündigte. Denn da ist ja noch Zügers Herzensprojekt, das Holzarten-Museum, das im Februar in Thun seine Türen öffnen wird. Aus Leidenschaft und Liebe zur Materie sammelt er seit Beginn seines Berufslebens besondere Hölzer, Gebrauchsgegenstände, Möbelstücke und Rohmaterial aus vielen verschiedenen Holzarten. «Warum nicht ein Museum einrichten, das speziell auf Holzarten eingeht? Etwas Vergleichbares gibt es meines Wissens noch nicht», sagt Züger. Ein Probelauf mit einer Ausstellung über den Jahreswechsel 2023/24 in der früheren Porzellanfabrik Langenthal verläuft vielversprechend. «Es war gut besucht, und ich hatte motivierende Rückmeldungen», berichtet er. Manche Besucher hätten sogar Gegenstände aus Holz vorbeigebracht. Nun ist er daran, das Museum definitiv zu machen. Mit Glück fand er beim Bahnhof Thun eine Lokalität zu guten Konditionen.

Zu sehen sind dort faszinierende Muster aus Rohmaterial, Hölzer mit besonderen Merkmalen, Einzelstücke von Schreinern und Künstlern, Drechselkunst, Instrumente, Spielzeug, Schachbretter, Pfeffermühlen und sogar fahrtüchtige Holzvelos. Zudem gibt es interaktive Angebote zum Holzwissen und einen Barfussweg.

Noch sucht er per Crowdfunding auf «Wemakeit.com» Unterstützung. Ganz der Schreiner-Macher hat er aber bereits ein erstes Produkt für den Museumsshop entwickelt. Inspiriert von der Lektüre des Bestsellers «Darm mit Charme» entstand der «Thronfolger», ein leimfreier Hocker aus Massivholz fürs WC. «Jedes Stück ist ein Unikat», sagt Züger.

Stefan Hilzinger

Veröffentlichung: 02. Dezember 2024 / Ausgabe 48/2024

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