Authentische Dekore mit Tiefgang


Die Synchronporen-Technologie verleiht den modernen Holz-dekoren eine täuschend echte Optik und Haptik. Bild: Swiss Krono Group


Die Synchronporen-Technologie verleiht den modernen Holz-dekoren eine täuschend echte Optik und Haptik. Bild: Swiss Krono Group
Synchronporen. Dank synchroner Porenstrukturen kommen Holzdekore ihren natürlichen Vorbildern zuweilen fast schon erschreckend nahe. Die Schreinerzeitung wollte von den Holzwerkstoffherstellern wissen, was die perfekte Synchronpore ausmacht.
Wer hätte es gedacht: Ein wesentliches Qualitätsmerkmal der Synchronporen ist deren Synchronität. Zugegebenermassen legt der Begriff einen gewissen Zusammenhang natürlich nahe. Denn Ausdrücke wie «Synchronporen» oder «Synchronstrukturen» kommen letztendlich auch daher, dass bei diesem Verfahren der Dekorherstellung das Dekorbild und die Porenstruktur exakt oder eben synchron aufeinander abgestimmt werden. Auf diese Weise können Oberflächen geschaffen werden, die ihrem natürlichen Vorbild zum Verwechseln ähnlich sehen.
Damit die Nachbildung einer Holz- oder auch einer Steinoberfläche möglichst authentisch ist, müssen die Poren und Vertiefungen auch wirklich dort geprägt sein, wo sie visuell sichtbar sind. Was simpel klingt, ist in der Praxis nicht ganz so einfach umzusetzen. «Synchron heisst nun mal direkt und ohne Abweichungen», sagt Stefan Göldner, Leiter Marketingkommunikation bei der Pfleiderer Deutschland GmbH. Abweichungen im Mikrometer-Bereich würden zwar kaum auffallen, aber ein halber Millimeter Differenz habe durchaus einen negativen Einfluss auf die Authentizität der Oberfläche. «Das Dekor und die Struktur sind dann vielleicht noch parallel, aber eben nicht mehr synchron», sagt Göldner. Um dies zu vermeiden, braucht es spezielle, für die Herstellung von Synchronporen ausgerüstete Pressen. Mithilfe von Kamerasystemen und Lesemarken werden die bedruckten und imprägnierten Dekorpapiere dann vor dem Verpressen mit der Trägerplatte exakt auf die Strukturbleche ausgerichtet.
Die Synchronität von Dekorbild und Porenstruktur ist aber nicht der einzige Aspekt, der für ein authentisches Gesamtbild einer Synchronpore relevant ist. Es handle sich laut Matthias Wombacher und Klaus Monhoff von der Egger Gruppe um ein hochkomplexes Produkt, bei dem eine grosse Anzahl von Parametern berücksichtigt werden müsse. Die beiden sind für Design- und Dekormanagement des österreichischen Holzwerkstoffherstellers zuständig und haben die Fragen der Schreinerzeitung schriftlich beantwortet. Ein weiterer und wichtiger Faktor sei beispielsweise auch die Ausarbeitung der Porenstruktur. Entscheidend dabei sei, dass die Kunden etwas spüren können und die Poren daher eine entsprechende Tiefe haben, wie die beiden Experten betonen.
Je tiefer die Pore, desto grösser die Gefahr, dass das Imprägnat, also das Dekorpapier, beim Verpressen bricht. In einem solchen Fall könnten etwa Weissbruchränder im Oberflächenbild entstehen, oder das Trägermaterial würde gar durchscheinen.
Daher sind nebst der Architektur der Poren und dem eingesetzten Harz die Qualität sowie die Grammatur – also das Flächengewicht – des Papiers weitere Faktoren, die für die Güteklasse eines Dekors relevant sind. «Die nötige Schichtstärke kann aber auch mit einem Mehrblattaufbau erreicht werden», erklärt Göldner. Dabei wird unter das Dekorpapier ein zusätzliches Barrierepapier gelegt und verpresst. Bei Egger setze man etwa ausschliesslich auf einen solchen Doppelaufbau bei den Synchronporen-Dekoren, wie das Unternehmen schreibt. Und auch die Swiss Krono Group hat für ihre Synchronporen-Kollektion «sensesation» einen Zweiblatt-Aufbau gewählt. Das zusätzliche «Fleisch am Knochen» bei der Dekorschicht habe ausserdem Vorteile beim Bekanten, wie Elias Huber, Verantwortlicher des Dekor- und Papiermanagements beim Schweizer Holzwerkstoffhersteller, erklärt. «Die Klebestelle zwischen Dekorschicht und Kante ist dadurch etwas grösser und somit auch die Barriere gegenüber einem Feuchtigkeitseintritt», sagt Huber.
Der richtige Aufbau der Dekorschicht ist demnach ausschlaggebend, damit die Porenstruktur in der nötigen Tiefe geprägt werden kann. Für ein wirklich authentisches Holzdekor dürfen die Poren aber nicht nur gleichmässig tief sein, sondern müssen eine gewisse Abwechslung bieten, wie Göldner sagt. Ebenso, wie es auch bei einer echten Holzoberfläche der Fall ist.
Besonders bei einem entsprechenden Lichteinfall zeigt sich, wie wichtig diese Höhenunterschiede und die Rauheit der Oberfläche sind – und wie dadurch der Matt-Glanz-Effekt in der Porenstruktur zum Tragen kommt (Bilder unten).
Apropos Matt-Glanz: Der aktuelle Trend nach matten Oberflächen ist gleichermassen bei den Synchronporen zu beobachten. So setzen die Hersteller auch hier vermehrt auf matte Dekore, die sich etwa an der Optik und Haptik einer geölten Holzoberfläche orientieren.
In den letzten Jahren seien die Synchronporen nochmals authentischer geworden, wie Wombacher und Monhoff von der Egger Gruppe ausführen. Durch die weitreichenden Erfahrungen aller Beteiligten, sprich der Papierhersteller, Dekordruck-Unternehmen und der Holzwerkstoffhersteller konnte sowohl bei der Genauigkeit als auch bei der fühlbaren Wertigkeit der Oberflächen viel nach vorn gebracht werden, erklären die beiden Experten. Man beobachte, dass die Synchronporen-Oberflächen immer häufiger Echthölzern und furnierten Platten vorgezogen werden. Deshalb werden die Synchronporen und deren Entwicklung auch zukünftig ein wichtiges Thema für den österreichischen Holzwerkstoffhersteller sein.
Auch bei Pfleiderer setzt man sich jüngst intensiv mit dem Thema auseinander, nachdem man sich vor rund 15 Jahren, als die Synchronporen aufkamen, bewusst dagegen entschieden hat, auf den Zug aufzuspringen. «Denn eine für viele Dekore geeignete Universalstruktur zu marktgerechten Preisen hat uns damals mehr Freiheit in der Dekorstrukturkombination ermöglicht, bei gleichzeitig reduzierter Komplexität», erklärt Stefan Göldner. Inzwischen sei aber der Wunsch nach Individualisierung und Authentizität beim Endkonsumenten gestiegen, weshalb man die Synchronporen nun auch ins Sortiment aufnehmen möchte.
Zurzeit steht man bei Pfleiderer in den letzten Zügen der Lancierung der neuen Kollektion. Wann genau die neuen Synchronporen-Dekore auf den Markt kommen, ist allerdings noch nicht bekannt. «Unsere Kunden dürfen von einem Termin Anfang Juni ausgehen», sagt Göldner. So bedürfen die Pressbleche für das Plattenformat 2800 Millimeter noch etwas an Nachbearbeitung.
Generell sei die Entwicklung dieser Pressbleche ein filigraner und komplexer Prozess. Schliesslich wird damit die Struktur geprägt, die so wichtig für das authentische Erscheinungsbild der Nachbildung ist. Da die Struktur der Pressbleche exakt mit dem Bild der Dekorpapiere harmonisieren muss, sind die Entwicklung und die Herstellung aufwendig und entsprechend teuer. Für die Holzwerkstoffhersteller bedeutet dies gut und gerne eine Investition eines fünf- bis sechsstelligen Betrages pro Satz Pressbleche. Deshalb ist die Neuentwicklung eines Synchronporen-Dekors durchaus auch mit einem wirtschaftlichen Risiko verbunden, und es gilt sorgfältig abzuschätzen, ob das Dekor auch den aktuellen Zeitgeist trifft.
Einen Weg, die Herstellung eines Synchronporen-Dekors wirtschaftlicher zu machen, hat etwa die Swiss Krono Group bei ihren «sensesation»-Oberflächen gefunden. So ist es bei der Kollektion gelungen, drei verschiedene Holzarten mit nur einer Porenstruktur in Einklang zu bringen. Die Basis dafür bildete ein ausgewählter Eichenstamm, dessen Oberfläche für die Entwicklung des Dekorbildes und der Strukturbleche gescannt wurde. «Danach haben wir nach anderen Holzarten und Stämmen gesucht, die dem Bild dieser Eiche möglichst nahekommen», sagt Huber. Mit der Ulme habe man relativ schnell eine weitere Vorlage für das Dekor gefunden. «Unser Wunschkandidat wäre eigentlich der Nussbaum gewesen, aber die Holzart sieht nun mal ganz anders aus als eine Eiche oder eine Ulme – besonders wenn die Oberfläche gebürstet wird», erklärt Huber. Schliesslich habe sich überraschend die Erle als beste Wahl für die dritte Holzart in der Kollektion herausgestellt. «Wir haben einen Erlenstamm gefunden, der einen sehr ähnlichen Aufbau hatte wie jener der Eiche und der Ulme», sagt Huber.
Die Struktur und das Bild der drei Holzarten seien natürlich nicht hundertprozentig deckungsgleich gewesen, wie Huber anfügt. Aber man habe die gescannten Bilder der Ulme und der Erle so weit an die Eiche anpassen können, dass die Porenstrukturen übereinstimmen und der Charakter der einzelnen Holzarten dennoch erhalten bleibt. Mit drei verschiedenen Farbtönen pro Holzart umfasst die Kollektion nun insgesamt neun Dekore. «Dass wir bei diesen neun Dekoren mit demselben Satz Pressblechen arbeiten können und ein ständiger Wechsel entfällt, bedeutet für uns in der Herstellung einen grossen Vorteil in Bezug auf die Effizienz und die Flexibilität», sagt der Verantwortliche des Dekor- und Papiermanagements bei der Swiss Krono Group.
Mit einem Blick in die Zukunft darf man gespannt sein, wie sich die Holzdekore und vor allem die Synchronporen in den nächsten Jahren noch weiterentwickeln werden. Bereits jetzt sind die Nachbildungen auf den ersten Blick kaum mehr von echtem Holz zu unterscheiden. Bei Egger zeigt man sich überzeugt, dass die Dekoroberflächen in Zukunft nochmals wertiger werden. Auch das Thema «Synchronporen auf anderen Materialien» werde aus Sicht des Unternehmens eine Rolle spielen. So sei man zum Beispiel bestrebt, die eigene Kollektion an hochwertigen Steinreproduktionen weiterzuentwickeln.
Veröffentlichung: 26. März 2026 / Ausgabe 13/2026
Akustikpaneele. Vom günstigen Baumarktpaneel bis hin zum hochwertigen Akustikelement aus Massivholz und recycelten Materialien: Das Trendprodukt mit seinem prägnanten Design gibt es in so einigen spannenden Variationen – inklusive passendem Zubehör.
mehr
PaidPost. Der erste Argolite Montage-Leitfaden ist da. Mit dessen Hilfe können Schreinerinnen und Schreiner individuelle Wandverkleidungen im Badezimmer spielend leicht realisieren.
mehr