Begeistert für Berge und Bilder

Mit seiner Kamera fängt der gelernte Schreiner Diego Schläppi (24) authentische Momente in der Bergwelt ein. Bild: Diego Schläppi

Leute. Technik hat Diego Schläppi schon immer interessiert. Als Junge baute er komplizierte Lego-Sets zusammen und tüftelte später dann im Selbststudium seine Kameras aus.

Eigentlich hätte es ihm auch gefallen, seine Lehre bei den Seilbahnen zu absolvieren, aber Holz war ihm immer angenehmer in der Hand als Metall. Der Zugang zum Holz war einfach, weil auch sein Vater gelernter Schreiner ist. «Holz war immer da», sagt Schläppi mit einem Lachen. Aufgewachsen ist er mit zwei älteren Schwestern in Guttannen BE. Schon früh trat er der Jugendorganisation (JO) des Schweizer Alpen-Clubs (SAC) bei. Die SAC-Sektion Oberhasli hatte damals die schweizweit aktivste JO und bot den bergbegeisterten Kindern und Jugendlichen ein abwechslungsreiches Programm. Schläppi war entsprechend viel und gerne in der Natur und in den Bergen unterwegs. Nach der Lehre schloss er die Berufsmatur ab und leistete anschliessend im Freilichtmuseum Ballenberg Zivildienst. In der Sportmittelschule in Engelberg hat er zudem Schülerinnen und Schüler unterstützt, Nachhilfe erteilt und beim Neubau mitgeholfen sowie Hauswartarbeiten übernommen.

«Für meine erste eigene Kamera habe ich die ersten sechs Lehrlingslöhne als Schreiner investiert.»

Schon während der Schulzeit ist ihm eine digitale Kamera in die Hände geraten. Die Faszination hat ihn seither nie mehr losgelassen. «Für die erste eigene Kamera habe ich meine ersten sechs Lehrlingslöhne investiert.» Zuerst waren es vor allem Landschaftsbilder, später hatte er seine Kamera immer öfter dabei, wenn er mit seinen Freunden in den Bergen beim Bergsteigen, Biken, Klettern, auf Skitouren und später auch beim Gleitschirmfliegen war. Das Gleitschirmbrevet hatte er mit 17 Jahren in der Tasche. «Und war die nächsten zwölf Lehrlingslöhne los», sagt der Schreiner mit einem Schmunzeln. Bald erhielt er die ersten Aufträge. Sein erstes Geld als Fotograf verdiente er in Saas-Fee beim Eiskletter-Weltcup. Danach hat sich eins zum andern gefügt, und er ist nun sehr vielseitig unterwegs. Mit seiner Kamera fängt Schläppi authentische Momente ein. Dabei kommt ihm seine Geduld, sein technisches Wissen, sein gutes Auge und sein Wille entgegen, auch unter teilweise schwierigen Bedingungen am Berg das Beste herauszuholen. Richtungsweisend ist seine langjährige Freundschaft mit dem Profi-Alpinisten und Bergführer Yannick Glatthard. Gemeinsam bilden sie unterdessen ein eingespieltes Team. Schläppi hielt einige von Glatthards spektakulären Touren und Begehungen fest. Darunter 2023 die erste freie Begehung der «Hall of Fame» in Kandersteg, der möglicherweise anspruchsvollsten alpinen Mixed-Route der Welt. Die Route erstreckt sich über rund 400 Meter und kombiniert extrem anspruchsvolle gemischte Kletterpassagen in Fels und Eis, einen Überhang von 30 Metern und eine Eiskerze, die 15 Meter frei hängt. Schläppis visuelle Arbeit liefert dabei einen direkten Blick in das Herz dieses alpinistischen Ausnahmeprojekts.

Diese Wintersaison verbringt er in Saas-Fee als Skilehrer. Seit 2018 ist er als Fotograf und Filmer teilweise selbstständig. Schläppi ist ein Macher, präzise, zuverlässig und ohne Angst. «Mit meiner Ausbildung als Schreiner werde ich immer Geld verdienen können», ist er überzeugt.

Fränzi Hurni

Veröffentlichung: 26. Januar 2026 / Ausgabe 4/2026

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