Bleibende Werte neu verpackt


Mit einer Renovation kann die Küche ein komplett neues Erscheinungsbild erhalten. Bild: Roland Wildi


Mit einer Renovation kann die Küche ein komplett neues Erscheinungsbild erhalten. Bild: Roland Wildi
Renovation. Viele ältere Küchen sind konstruktiv noch in gutem Zustand, werden aber den gestalterischen und funktionalen Anforderungen nicht mehr gerecht. Statt die gesamte Einrichtung zu ersetzen, kann eine gezielte Renovation eine interessante Alternative sein.
Viele Küchen erfüllen ihren Zweck auch nach Jahren noch zuverlässig. Die Korpusse sind stabil, die Raumaufteilung passt und die Geräte funktionieren weiterhin. Trotzdem entsteht bei manchen Eigentümerinnen und Eigentümern der Wunsch nach Veränderung. Die Küche wirkt optisch nicht mehr zeitgemäss oder einzelne Funktionen entsprechen nicht mehr den heutigen Erwartungen.
Oft wird in solchen Fällen sofort an eine komplett neue Küche gedacht. Doch nicht immer ist dieser Schritt notwendig. In vielen Situationen kann eine gezielte Renovation eine sinnvolle Alternative darstellen. Dabei bleiben grosse Teile der bestehenden Küche erhalten, während einzelne Elemente ersetzt oder modernisiert werden. Für Schreinerbetriebe eröffnet dieser Ansatz interessante Möglichkeiten.
Die Ausgangslage ist klar. Doch ab wann lohnt sich eine Renovation einer Küche? «Dies muss von Fall zu Fall abgewogen werden, und die Kundschaft muss entsprechend beraten sein», sagt Hans-Ulrich Meyer von der Firma Meyer Innenausbau aus Luterbach SO. Meyer führt regelmässig individuelle Projekte im Küchenbereich durch und renoviert auch Küchen, wenn die Voraussetzungen dafür stimmen. Ob eine Küche renoviert werden kann oder vollständig ersetzt werden muss, hängt einerseits vom Zustand der bestehenden Einrichtung und andererseits von den Wünschen der Kundschaft ab.
Der erste Prüfpunkt sind in der Regel die Küchenkorpusse. Sind sie in einem guten Zustand und können weiterhin genutzt werden, dann ist eine wichtige Voraussetzung gegeben, die Substanz ist intakt. Das ganze Drumherum wie Fronten und Sichtteile kann meist ausgetauscht werden, das Innenleben lässt sich mit neuen Beschlägen aufwerten. Für fast alle Fälle gibt es eine Lösung. «Ich habe schon fest verbaute Sockelvorderstücke vor Ort mit der passenden Farbe neu lackiert», sagt Meyer lachend. Ist die Substanz einmal geprüft, rückt der Kundenwunsch in den Fokus.
Wenn die bestehende Küche von der Einteilung und Architektur her auch heute noch gefällt oder schlicht nichts anderes möglich ist, kann eine Renovation eher ins Auge gefasst werden. Wenn aber die Kundschaft grössere Anpassungen an Grundriss und Einteilung wünscht, welche sich mit der Anpassung oder dem Austausch einzelner Möbel nicht umsetzen lassen, ist ein kompletter Ersatz vermutlich sinnvoller.
Oft entscheidet auch das Budget über Ersatz oder Renovation. Eine Renovation kostet je nach Ausführung und Umfang nur ein Viertel einer neuen Küche. Wer ein grosses Budget hat, kann sich einen kompletten Umbau leisten; wer begrenzte Mittel hat, für den kommt eher eine Renovation mit dem Ersatz der Sichtteile infrage. Für die Kundschaft ergibt sich dadurch trotzdem eine attraktive Lösung. Die Küche erhält ein neues Erscheinungsbild und zusätzliche Funktionen, ohne dass hohe Investitionen notwendig sind.
Auch für Schreinereien muss es nicht immer die Herstellung einer neuen Küche sein, auch die Renovation kann als Geschäftsfeld interessant sein. Renovationsarbeiten sind meist überschaubar, sie lassen sich mit geringerem Planungsaufwand und weniger Risiko ausführen als komplette Küchenumbauten, teilweise sogar nach Aufwand. Eine höhere Wertschöpfung und gute Kostendeckung sind möglich. Ebenso lassen sich diese Arbeiten oft innerhalb kurzer Zeit realisieren, was für die Kundschaft weniger Umtriebe mit sich bringt und das Wochenprogramm der Schreinerei nicht stark belastet. Für Schreinereien sind beide Ansätze interessant. «Wichtig ist, dass die Kundschaft zufrieden ist und die Lösung passt», betont Meyer.
Bei Renovationen unterscheidet sich jedes Projekt recht stark vom anderen. Da bewährt sich in der Praxis ein strukturiertes Vorgehen. Das Projekt startet mit der sorgfältigen Analyse der vorhandenen Küche und der fachgerechten Beratung. Der Zustand der Einrichtung in Kombination mit den Wünschen und Anforderungen der Kundschaft ergeben die Möglichkeiten bei der Renovation. Besonders wichtig ist es hier, die Grenzen einer Renovation zu erkennen und aufzuzeigen. Es muss klar sein, ab wann ein Ersatz aufgrund des Zustands der Küche sinnvoller ist. Bei der Auswahl der neuen Materialien, Geräte und Komponenten unterscheidet sich die Renovation nicht wesentlich vom Verkauf einer neuen Küche, nur die Anzahl der zu definierenden Themen ist kleiner. Da die neuen Teile auf ein bestehendes Möbel oder eine bestehende Situation passend hergestellt werden müssen, ist eine saubere Massaufnahme mit aussagekräftigen Fotos Pflicht. Im Gegensatz zum Totalersatz, wo meist die Raumsituation genau ausgemessen werden muss, stehen bei der Renovation die bestehenden Elemente wie Fronten, Möbel und Gerätenischen im Fokus. Jedes Teil muss genau aufgenommen werden, nichts darf vergessen gehen.
Kann die Kundschaft während der Produktion der neuen Teile auf die Sichtteile verzichten, können diese vor Ort beschriftet und in den Betrieb mitgenommen werden. Sie dienen als Muster für die Herstellung der neuen Teile, was im Idealfall die Zeit für die Avor sowie die Fehlerquellen reduziert. Die Entsorgung dieser alten Teile erfolgt erst nach Ausführung der Arbeiten, als letzter Schritt.
Bei der Montage ist sorgfältiges und sauberes Arbeiten besonders wichtig, denn die Arbeiten finden im bewohnten Umfeld statt. Bei der Abnahme mit der Kundschaft lassen sich Funktionen und Pflegehinweise im Gespräch gut vermitteln und nebenbei kann die Qualität der Arbeiten gemeinsam geprüft werden.
Küchenkorpusse bleiben meist über Jahre hinweg stabil und funktionstüchtig. Verschleiss zeigt sich eher bei beweglichen Teilen wie Schubladenauszügen, Scharnieren oder Abfalllösungen, welche das Ende der Lebensdauer früher erreichen und nicht mehr ordnungsgemäss funktionieren. Moderne Beschläge und Ausstattungen sind nicht nur Ersatz, sie bieten zusätzlichen Komfort und neue Möglichkeiten, etwa durch den gedämpften Einzug, passende Schubladeneinsätze oder eine neue Ecklösung. Bestehende Fronten und Sichtseiten zeigen meist deutliche Gebrauchsspuren oder passen optisch nicht mehr zu einer modernen Einrichtung. Ebenso liegt der Fokus oft auf den Küchengeräten. Neue Modelle sind energieeffizienter und bieten viele zusätzliche Funktionen. Ein Wechsel drängt sich daher vor allem bei diesen Komponenten auf. Ein weiteres Thema kann der Ersatz einzelner Möbel sein, etwa wenn neue Beschläge nicht in bestehende Möbel passen oder wenn das Wunschgerät keinen Platz in der alten Nische findet. Ebenso lassen sich Abdeckungen und Küchenrückwände ersetzen, wobei meist auch Spüle und Armatur ausgetauscht werden.
Weitere Arbeiten sind möglich, nur: «Es muss abgeschätzt werden, wo die Grenzen sind und ab wann ein Komplettersatz sinnvoller ist», erklärt Meyer. Arbeiten wie der Ersatz einer Arbeitsplatte können je nach Befestigungs- und Einbausituation heikel sein und Beschädigungen an Möbeln, Mauern oder Rückwänden mit sich bringen, was unvorhergesehene Arbeiten nach sich ziehen kann. Wer mit Erfahrung und guter Beratung den Umfang und die Tragweite der Arbeiten geschickt wählt und wenige, gezielte Eingriffe vornimmt, erreicht einen modernen Eindruck, und eine Küche ist meist nicht wiederzuerkennen. «Die Vorher- und Nachher-Bilder sind bei einem gelungenen Projekt schon echt eindrücklich anzuschauen», sagt Meyer.
Neben wirtschaftlichen Überlegungen gewinnt auch der Nachhaltigkeitsaspekt zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Kundinnen und Kunden achten darauf, Ressourcen möglichst schonend einzusetzen und funktionierende Produkte nicht unnötig zu ersetzen. Diese Argumentation kann im Beratungsgespräch eine wichtige Rolle spielen, denn genau hier kann ein Küchenlifting im Vergleich zum kompletten Ersatz punkten. Im Vergleich zum vollständigen Ersatz reduziert sich der Materialverbrauch deutlich und es fällt weniger Abfall an. Ein überzeugendes Argument und für Schreinereien eine Möglichkeit, aktiv nachhaltige Lösungen anzubieten.
Viele Küchenrenovationen entstehen im direkten Kontakt mit der Kundschaft vor Ort. Oft steht am Anfang eine kleine Servicearbeit wie der Austausch von Topfbändern oder Schubladenauszügen.
In diesem Geschäft ist Massarbeit ein Muss, denn bestehende Küchen sind auf ganz unterschiedliche Arten konstruiert und gebaut. Hier ist die Schreinerei in ihrem Element und kann ihre Stärken ausspielen. Industriell produzierende Mitbewerber, die bei Neubauprojekten mit niedrigen Preisen Druck auf den Markt ausüben, sind in der Regel weniger an Renovationsprojekten interessiert. Daher ist es als Schreinerei tendenziell einfacher, an solche Arbeiten zu gelangen. Kommt dazu: Kunden, die weitere Arbeiten zu vergeben haben, melden sich gern wieder bei bewährten Adressen. Dies sorgt für eine nachhaltige Kundenbeziehung. Im Idealfall ergeben sich auf diese Weise regelmässig Aufträge, ganz ohne aufwendige und teure Marketingmassnahmen.
www.meyer-innenausbau.swissVeröffentlichung: 25. Juni 2026 / Ausgabe 26/2026
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