Das Geheimnis steckt in der Kulisse

Von Grau-Gelb zu Schwarz-Weiss: Die neue Schrankfront verschwindet in der Wand und bringt so Leichtigkeit in die Anmutung der neuen Küche. Bild: Schreinerei Binz

Umbau.  Eine Küchenfront, eingepasst in eine Wand, ist das Herzstück einer neuen Küche in Ueberstorf FR. Das Projekt der Binz Schreinerei in Schmitten entstand in enger Zusammenarbeit mit dem Bauherren, welcher Chef und Eigentümer eines Maler-Gipsergeschäfts ist.

Schwarz-Weiss: Wie das Kantonswappen und traditionell auch die Kühe draussen auf der Weide, so ist auch die neue Küche von Claudia und Matthias Schaller in Ueberstorf im Kanton Freiburg. Und nicht nur das: Beim Umbau ihres knapp 25-jährigen Einfamilienhauses geben Weiss und Schwarz den Ton an. «Wir haben auch die Pfosten der Geländer schwarz gestrichen und alle Steckdosen und Schalter durch schwarze ersetzt», sagt Matthias Schaller. Der gelernte Maler und Kaufmann führt ein Maler-Gipsergeschäft mit 20 Beschäftigten im nahen Schmitten. Dort ist auch die Schreinerei von Manuel Binz beheimatet, der den Küchenumbau realisiert hat. Die Küche ist nun knapp zweijährig. Die Fragen, ob eigens vor dem Besuch des Journalisten aufgeräumt wurde, verneint Schaller. «Wir haben einfach gerne Ordnung im Haus», sagt er. Die neue Küche biete deutlich mehr Stauraum als die alte. «Schau, ich muss dir etwas zeigen», sagt er zu Manuel Binz und zieht eine der vielen Schubladen auf – und die ist tatsächlich noch total leer.

Der Fussboden gab den Anstoss

Da die erste Küche nicht einmal 25 Jahre auf dem Buckel gehabt hat, stellt sich die Frage, warum sie überhaupt ersetzt worden ist. «Daran ist der Küchenboden schuld», sagt Schaller überraschend. Der Feinstein sei schwierig zu reinigen und einfach nicht mehr schön gewesen. So habe eines das andere ergeben. «Matthias hat mich angerufen, ich solle mal vorbeischauen wegen einer neuen Küche», berichtet Schreiner Manuel Binz. Schon nach kurzen Gesprächen stand das Vorhaben. Die beiden Handwerker kennen sich, haben auch anderweitig schon zusammengearbeitet. «Wir haben ein gutes Vertrauensverhältnis», sagen sie.

Eine falsche Wand mit Wirkung

Klar war von Anfang an, dass die Küche mit Kochinsel dort bleibt, wo sie war. «Die L-förmige Geometrie war gegeben», sagt Binz. Ins Auge fällt nebst der monochromen Farbgebung zunächst die Schrankfront zur rechten Seite. Diese scheint in eine Wand eingebaut zu sein und wie zu schweben. Die Wirkung ist beabsichtigt. «Es sollte möglichst wenig Küche zu sehen sein», sagt Schaller. Um diese optische Leichtigkeit zu erzielen, haben Manuel Binz und sein Team die bestehende tragende Wand mit einer Art Kulisse aus Holz verbreitert, worin dann die Front der Küche gesetzt wurde. Die Front schaut nur wenige Zentimeter aus der Wand heraus. Die Einbauten ziehen sich bis fast unter die Decke, was gegenüber früher mehr Stauraum schaffte.

Die neue Kochinsel wurde leicht verschmälert, damit es rundherum etwas mehr Platz gibt. Das Kochfeld ist mit einem Bora-Abzug gegen unten ausgerüstet, sodass das Gehänge über dem Herd entfällt. Der Abluftkanal verblieb in der Decke. «Den Kanal haben wir gründlich gereinigt. Man glaubt gar nicht, was sich da alles in mehr als 20 Jahren ansammelt», sagt Schaller.

Die neue Küchenzeile unter dem Fenster entspricht im Wesentlichen der früheren, ausser, dass der Hochschrank auf der linken Seite weggefallen ist, was hier mehr Ruhe in die Sache brachte. Die Armatur beim nun einzigen Spülbecken ist überraschend einfach. Es gibt auch keinen Quooker oder Ähnliches. «Wir wollten auch nach dem Umbau das Fenster dort öffnen können, daher haben wir hier eine einfachere Lösung gewählt», sagt Schaller.

Und wie sieht es bei der toten Ecke hinten rechts aus? Hier heisst die Lösung «Magic Corner» von Peka. Manuel Binz führt die Lösung gleich vor und zeigt, was hier buchstäblich im Handumdrehen aus dem Versteckten zum Vorschein kommt. Gleich oberhalb findet sich rechts die einzige Öffnung der Küchenfront, worin sich die Kaffeemaschine befindet, die auf einem Schlitten nach vorne gezogen werden kann. Die Küche macht einen gediegenen und harmonischen Eindruck, und wirkt trotz der dunklen Optik nicht schwerfällig oder gar trist. Das hängt auch mit dem vielen Tageslicht zusammen, das an diesem Tag von der nahen Terrasse hereinfällt.

Ein mobiler Treffpunkt

Dann ist da augenfällig das neue Eichenparkett, das sich als Bodenbelag von der Küche bis in den angrenzenden Ess- und Wohnbereich zieht und für eine wohnliche Atmosphäre sorgt. Aus massiver Eiche ist auch der Stehtisch am Kopfende der Kochinsel. Der Clou dabei: Das Element ist beweglich und lässt sich einfach anderswo im Raum aufstellen oder auf die Terrasse befördern, etwa für einen Apéro. «Dieser Tisch war eine von Manuels Ideen», sagt Matthias Schaller. Das Möbel ist der Ersatz für die Bar aus Metall und Glas an der alten Kochinsel. «Unsere Küche war schon immer ein Treffpunkt für Familie, Freunde und Gäste», sagt Schaller. Und nun ist dieser Treffpunkt sogar noch mobil.

«Nero assoluto» und Fenix

Bei der Abdeckung entschied man sich für einen «Nero assoluto» in der satinierten Version. Der Naturstein mit der Herkunft Simbabwe in Afrika passt bestens ins Konzept. Die Küchenmöbel sind durchwegs in «Supermatt Fenix» von Formex ausgeführt. Schwarz ist auch im Innern der Schubladen zu finden. Bei den Einsätzen in den Schubladen, etwa für Besteck oder Gewürze, setzt wiederum Eiche einen wohltuenden Akzent. Die Schreinerei Binz bezieht die fertig belegten Platten, schneidet sie zu und leimt die Kanten ab. Bohrungen und Fräsungen übernimmt die CNC.

Die Beschläge bezieht Binz grossmehrheitlich von Hettich. Bei den Schubladen kam das System «Avantech You» zum Einsatz. Überzeugt haben die Bauherrschaft die Innenschubladen in den Schubladen, die den Raum optimal ausnützen.

Und wie sieht es mit der Anti-Fingerprint-Funktion von «Fenix» aus? Matthias Schaller zögert mit der Antwort. «Grundsätzlich stimmt es ja. Wenn allerdings jemand mit dem Handballen draufkommt, gibt es halt doch Spuren», lautet seine Erfahrung. Mit dem Bora-Abzug ist er fast vollständig zufrieden, wie er sagt. «Der Filter lässt sich wirklich einfach im Geschirrspüler reinigen. Die Abzugsleistung könnte aber doch etwas stärker sein», sagt Schaller. Alles in allem sei die neue Küche rundum gelungen, findet er. «Der Freund einer unserer beiden Töchter ist Schreiner. Und sogar ihm gefällt sie», sagt Schaller.

Ein ärgerliches Detail

Dennoch gibt es etwas, das ihn ärgert, und Schreiner Manuel Binz pflichtet ihm bei. Die metallenen Griffmulden in den Schubladen sind zwar auch schwarz. Doch an den seitlichen Schnittkanten blinkt es mit der Zeit metallisch durch. «Das stört uns wirklich», sagt Schaller. Doch ein Blick auf die grossflächige, mit einer Blume bedruckte textile Tapete vis-à-vis der Küche dürfte über diesen Umstand hinwegtrösten.

www.binz.swisswww.malereischaller.ch

Stefan Hilzinger

Veröffentlichung: 25. Juni 2026 / Ausgabe 26/2026

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