Das Wandern ist des Schreiners Lust


Der pensionierte Schreinermeister Johann Schumacher (73) geniesst auf seinen Wanderreisen die Natur und die Erlebnisse mit seinen Wanderkollegen.


Der pensionierte Schreinermeister Johann Schumacher (73) geniesst auf seinen Wanderreisen die Natur und die Erlebnisse mit seinen Wanderkollegen.
«Wenn ich erst einmal pensioniert bin, dann habe ich Zeit, um alles zu machen, wozu ich bisher nicht gekommen bin.» Diese oder ähnliche Aussagen sind immer mal wieder von Leuten zu hören, die mehr oder weniger weit weg von ihrer Pensionierung stehen. Meist bleibt es jedoch beim Vorsatz, und stattdessen heisst es dann, wenn es tatsächlich so weit ist: «Ach, dafür bin ich jetzt doch sowieso zu alt.» Ganz anders ist das bei Johann Schumacher. Der pensionierte Schreinermeister aus Wangs im Kanton St.Gallen ist aktiv wie in seinen jüngeren Jahren und nutzt die zusätzliche Zeit als Pensionär intensiv und ganz bewusst. Hauptsächlich tut er dies mit Wandern. Allerdings handelt es sich dabei nicht um irgendwelche Wanderungen. Schumacher organisiert richtige Wandererlebnisse. Mal ein verlängertes Wochenende, mal eine ganze Woche lang. Je nachdem, mit welcher Gruppe er gerade unterwegs ist. Eine ganz besondere Gruppe ist jene mit Schumachers ehemaligen Schreinermeisterkollegen. «Wir treffen uns jedes Jahr zu einer Wanderwoche», erzählt Schumacher, während er im Fotoalbum der letztjährigen Reise blättert. Damals ging es ins Bergell. «Die Bündner Südtäler sind meine Favoriten», sagt er und schwärmt von den Wandererlebnissen im Puschlav, im Münstertal oder eben im Bergell. Früher sei bei diesen Treffen natürlich noch ausführlich gefachsimpelt worden. Im Laufe der Zeit hätten sich die Themen verändert. Und das sei gut so.
Das Wandern hat Schumacher nicht erst nach seiner Pensionierung entdeckt. Bereits in den Sechzigerjahren hat er in seinem Bekanntenkreis «Gesellschaftsreisen» organisiert, wie er es heute nennt. Und sowieso, Rentner ist der 73-Jährige noch gar nicht so lange. Erst vor vier Jahren hat er den eigenen Schreinerbetrieb seinem Sohn und somit der dritten Generation übergeben. Den Übergang hat Schumacher auf ganz besondere Art und Weise «zelebriert». «Meine Frau Agnes und ich sind sozusagen in die Pensionierung gelaufen», erklärt er lachend. So hätten sie in zwei Etappen à drei respektive vier Wochen den rund 570 Kilometer langen Olavsweg in Norwegen beschritten. «Ein ganz besonderes Erlebnis», sagt Schumacher rückblickend. Die Wanderlust ist jedoch beileibe nicht das Einzige, das Johann Schumacher aktiv hält. Da wäre zum Beispiel noch die Fotografie. Eine Leidenschaft, die er bereits zu Arbeitszeiten für sich entdeckt hat und der er heute ebenfalls immer mehr Zeit zugestehen kann. Besonders Natur- und Landschaftsbilder, Porträts sowie technische Aufnahmen sind es, die es ihm angetan haben. Auf Trab halten ihn auch die zehn – bald schon elf – Enkelkinder. Da sei jedoch seine Frau in der Führungsposition, gesteht Schumacher lachend. Nein, langweilig dürfte es ihm wohl nicht so schnell werden.
«Ich geniesse mein Rentnerleben», sagt Schumacher zufrieden und überlegt bereits wieder, wo ihn die nächsten Wanderreisen wohl hinführen werden. So viel steht jedenfalls schon mal fest: Die nächste Traditionsreise mit seinen ehemaligen Schreinermeisterkollegen kommt bestimmt. Und ja, vielleicht wird dabei auch wieder ein kleines bisschen gefachsimpelt.
Ganz sicher aber verwöhnen die Herren Ex-Schreiner sich selber und die auf diesen Reisen jeweils auch anwesenden Ehefrauen mit ihren Kochkünsten. Eintöpfe aller Art sind dabei die Spezialität von Schumacher. Und gekocht werde in dieser Woche ausschliesslich von den Männern, stellt der sympathische «Jungrentner» klar. «Wir Männer kümmern uns um das Essen und die Frauen dürfen uns dabei für einmal überhaupt nicht reinreden.»
«Meine Frau Agnes und ich sind sozusagen in die Pensionierung gelaufen.»
Veröffentlichung: 15. September 2016 / Ausgabe 37/2016
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