Die Ideen gehen ihr nie aus

Projektleiterin Rebekka Christen (31) in ihrer Kreativ-Werkstatt Eden in Embrach. Bild: Caroline Mohnke

Leute. «Früher redete ich Berndeutsch», sagt die 31-jährige gelernte Schreinerin Rebekka Christen und lacht. Heute hört man nicht mehr viel davon. Sie ist in Grindelwald und im Zürcher Oberland aufgewachsen, zusammen mit zwei jüngeren Geschwistern.

Christen lebt heute in Embrach ZH. Bereits mit 17 Jahren ist sie von zu Hause ausgezogen. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie mit verschiedenen Praktika – bis zu ihrem Zusammenbruch mit knapp 20. «Neun Monate lang schlief ich fast nur noch», erzählt sie. Zwei Stunden im Tag sei sie wach gewesen. Dank einem Aufbautraining mithilfe der IV konnte sie in einer halbgeschützten Werkstatt eine Schreinerlehre absolvieren. Eine Ausbildung, die ihr sehr gut gefiel. «Der Schreinerberuf deckt so viel ab: Ich mochte das ‹Ruechige›, aber auch die filigranen Arbeiten sowie das Planen und Zeichnen.» Sie bezeichnet den Schreinerberuf noch heute als ihren Traumberuf. Doch das Schicksal hatte wieder etwas anderes vor: Nach der Lehre arbeitete Christen selbstständig, bis sie sich auf einer Baustelle schwer am Handgelenk verletzte. «Es folgte eine Operation, doch das Handgelenk war so unglücklich gebrochen, dass ich bis heute mit Schmerzen lebe und es instabil ist.» Die Zeit war gekommen für eine Neuorientierung, und sie bildete sich zur Projektleiterin weiter. Seit drei Jahren arbeitet sie nun in einem Teilzeitpensum bei der Firma Borm-Informatik AG in Schwyz als CAD-Projektleiterin. «So habe ich immer noch Kontakt mit Schreinerinnen und Schreinern im Berufsalltag.» Sie arbeitet im Homeoffice oder reist zur Kundschaft, manchmal bis nach Graubünden. Vor Ort führt sie Schulungen durch, installiert das Programm und begleitet ihre Kunden bei der Einführung und Personalisierung der Software. «Obwohl ich die Arbeit als Projektleiterin sehr spannend fand, spürte ich, dass da noch mehr ging.»

«Ich mag das Zusammenspiel zwischen dem ‹Ruechigen› und dem Filigranen sowie das Planen und Zeichnen.»

So gründete sie eine Einzelfirma mit dem Namen Kreativ-Werkstatt Eden, die sie in diesem Jahr in eine GmbH umgewandelt und Schritt für Schritt aufgebaut hat. Farbstifte, Bleistifte, Papiere und Couverts, so weit das Auge reicht, finden sich in Rebekka Christens hellem Atelier im Obergeschoss des Hauses, das sie mit ihrem Mann bewohnt, der ebenfalls Schreiner ist. Hier entstehen Hochzeits- und Festplanungen, personalisierte Grusskarten, Dekokonzepte und Dekorationen für Hochzeiten und sonstige Feiern, filigrane Zeichnungen, individualisierte Papeterie, grafische Arbeiten und vieles mehr. «Mein Arbeitsalltag in der Kreativ-Werkstatt ist vielseitig. Ich gehe auf Locationbesichtigung, auf Dekoeinkauf, habe Kundenbesprechungen, zeichne, arbeite am PC und alles, was sonst noch anfällt.» Christen fotografiert auch leidenschaftlich gerne. Vor allem auf Reisen. Auf ihrer Website sind nebst den personalisierten Grusskarten auch ihre Bilder zu sehen und zu erwerben. Freizeit bleibt da nicht viel. «Ich arbeite oft noch am Abend in meiner Werkstatt und am Wochenende.»

Wenn dann doch noch Zeit bleibt, gehe sie gerne mit ihrem Mann wandern, im Sommer rollerbladen oder Velo fahren. «Im Winter sind wir, so oft es geht, auf der Skipiste und kochen gerne zu Hause, im Sommer grillieren wir viel draussen.» Früher habe sie noch Cornet, Klavier und Gitarre gespielt. Doch für alles habe der Tag zu wenig Stunden.

 

Caroline Mohnke

Veröffentlichung: 22. Dezember 2025 / Ausgabe 51-52/2025

Artikel zum Thema

20. April 2026

Werkstatt statt Redaktionsbüro

Leute. Fragen stellen. Das gehörte jahrelang zum Beruf von Nadine Bantli. Als Journalistin der Lokalzeitung «Sarganserländer» fragte sie Menschen aus Politik und Wirtschaft, Pflegefachfrauen, Kindergärtner und Bäuerinnen. Heute stellt sie wieder Fragen, aber andere.

mehr
13. April 2026

Im Reich der Modellflugzeuge

Leute. Im Untergeschoss von Urs Leodolters Einfamilienhaus in Russikon ZH verbirgt sich eine faszinierende Welt: In einem Privatmuseum zeigt er die über hundertjährige Geschichte des Modellflugs. «Ich schätze, dass ich rund 10'000 Exponate in meiner Sammlung habe», sagt Leodolter.

mehr

weitere Artikel zum Thema:

Leute