Den ersten Alleinflug vergisst du nie


Dominik Leubin (40) ist Schreiner, lebt aber seinen Traum vom Fliegen als Freelancer am Flughafen Basel-Mulhouse. Bild: Cornelia Thürlemann


Dominik Leubin (40) ist Schreiner, lebt aber seinen Traum vom Fliegen als Freelancer am Flughafen Basel-Mulhouse. Bild: Cornelia Thürlemann
Leute. Fliegen, ob mit einem Flugzeug oder Helikopter, das war schon als Kind der Traum von Dominik Leubin (40). Aufgewachsen ist er in Herznach im Fricktal, doch in seinem Heimatort Schupfart gibt es einen Flughafen. Das Fliegen faszinierte ihn, auch als Erwachsener.
Fünf Jahre nach dem Lehrabschluss als Schreiner bewarb sich Dominik Leubin um einen Ausbildungsplatz als Militärpilot – und verpasste die Aufnahme ganz knapp. Seine Enttäuschung war gross, aber der Traum vom Fliegen blieb. Also absolvierte er die Pilotenausbildung auf privater Basis, in seiner Freizeit, zuerst mit Sportflugzeugen, später mit Helikoptern, dies parallel zu seiner Arbeit als Schreiner bei der Leo Schmid AG in Wittnau. Seit 2014 hat er das Brevet als Berufspilot, später folgte die Ausbildung zum Helikopter-Fluglehrer. «Ich habe einen sehr kulanten Chef, der mir ermöglicht, Hobby und Beruf zu verbinden.»
Durch seine Vereinstätigkeit beim Volleyballclub Frick und bei einer Feuerwehr ist er im Fricktal auch heute stark verwurzelt, aber seinen Wohnort hat er nach Basel verlegt, in die Nähe des Euro-Airports, des Standorts der Firma Helitrans, bei der Leubin als Freelancer-Helikopterpilot und Fluglehrer arbeitet. In blauen Logbüchern ist jeder Flug, den Leubin seit Beginn seiner Pilotenlaufbahn gemacht hat, dokumentiert. Zeile für Zeile sind Start- und Landezeiten, ob er allein oder in Begleitung geflogen ist und vieles mehr eingetragen. Manchmal hat es einen Stempel des Zielflughafens. Heute werden diese Daten auch digital erfasst, aber für ihn sind diese Logbücher wie Fotoalben. Jeder Eintrag erzählt eine Geschichte.
Ein besonderer Flug war jener, als er zum ersten Mal allein im Cockpit sass und die Verantwortung für den Flug bei ihm allein lag. «Das vergisst man nie», sagt Leubin. Auch als Fluglehrer ist es für ihn ein schöner Moment, wenn seine Schüler zum ersten Mal allein vom Boden abheben. «Diese Flüge sind als Überraschung in den Flugunterricht eingebaut.» Ein Flug beginnt nicht erst damit, dass Leubin sich in die Kabine setzt und die Rotorblätter zum Drehen bringt. Jeder Flug ist genau vorbereitet. Zahlreiche Parameter werden berechnet und miteinander in Verbindung gebracht. Strecke, Flughöhe, Temperaturen, Wetterverhältnisse, das Gewicht der Passagiere und des Gepäcks. Heute geschieht dies mit Apps, früher mussten die Piloten die Daten selbst berechnen. «Ich bin Handwerker. Auch Helikopterfliegen ist nach wie vor ein Handwerk, bei dem man jeden Griff beherrschen muss», betont er. «Unsere Helikopter haben keinen Autopiloten. Ich kann und muss mit den Steuerelementen jede Bewegung selbst bestimmen, um das gewünschte Ziel zu erreichen.» Auch wenn ihm sein Beruf als Schreiner sehr gefällt und er sich bei Leo Schmid sehr wohlfühlt, liebäugelt er nach wie vor damit, sein Hobby zum Beruf zu machen. Auch bei der Helitrans fühlt er sich gut aufgehoben. «Wir sind wie eine Familie.»
Als Pilot steht er unter Aufsicht des Bundesamtes für Zivilluftfahrt. Dazu gehören regelmässige Gesundheitschecks, Funk- und Sprachtests, und er muss jährlich eine bestimmte Zahl Flugstunden erreichen, um das Flugbrevet zu behalten. Auch dafür ist seine Arbeit als Freelancer bei Helitrans ein Glück, denn so kann er obligatorische Flugstunden leisten, ohne einen Helikopter mieten zu müssen, denn Fliegen ist ein teures Hobby. «Andere haben sich mit dem Geld, das ich in meine Pilotenausbildung steckte, ein Haus gekauft.» Wenn man ihm zuhört, merkt man aber, dass er seinen Entscheid keine Sekunde bereut.
Cornelia Thürlemann
Veröffentlichung: 22. Juni 2026 / Ausgabe 25/2026
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