Den Zahn der Zeit zurückstellen

Durch eine sehr starke Hitzeeinwirkung kam es zu diesen Spannungsrissen in der Corian-Abdeckung. Bild: Cori-Design AG

Mineralwerkstoffe.  Mit fortlaufender Zeit können Abnutzungsspuren und Schäden entstehen, die entfernt werden müssen. Dies und auch Nutzungsänderungen lassen sich bei Mineralwerkstoffen meistens weitgehend unsichtbar bewerkstelligen.

Bereits 1967 brachte die Firma DuPont einen acrylgebundenen Mineralwerkstoff auf den Markt, der zu einem Drittel aus Polymethylmethacrylat (PMMA) und zwei Drittel aus dem Mineral Aluminiumhydroxid bestand, welches aus Bauxit gewonnen wird. Unter dem Namen «Corian» hat der homogene Verbundwerkstoff seinen festen Platz, beispielsweise im Ladenbau, in Küchen und Bädern gefunden. Er lässt sich zudem einfach verformen und kann fugenlos und mit Schreinerwerkzeugen verarbeitet werden.

Breite Palette an Mineralwerkstoffen

Herausragend war von Beginn weg die Haltbarkeit sowie die ausserordentliche Reparierfähigkeit, da das Material optisch fast unsichtbar verklebt werden kann. Mittlerweile gibt es auch eine ganze Reihe ähnlicher Produkte anderer Hersteller, die sich vor allem durch leichte Unterschiede beim Mischverhältnis unterscheiden. Ausser den acrylgebundenen gibt es auch noch polyestergebundene Mineralwerkstoffe, wie beispielsweise das Produkt «Varicor». Alle diese Verbundwerkstoffe haben sich mit ihrer harten, wasserdichten und lichtbeständigen Oberfläche als ausserordentlich zäh und haltbar erwiesen und lassen sich sehr gut im Bereich der Nasszellen und bei Arbeitsplätzen mit hohen Hygieneanforderungen verwenden. Dünne Platten in hellen Farbtönen sind sogar lichtdurchlässig, und es gibt eine höhere Feuerbeständigkeit bei diesem Materialverbund.

Wissen für Verarbeiter und Kunden

Die Zusammensetzung der Komponenten zeigt schon auf, dass das Endprodukt nicht gegen alle äusseren Einflüsse resistent sein kann. So sind die acrylgebundenen Mineralwerkstoffe beispielsweise unbeständig gegenüber Aceton, chlorhaltigen Lösungsmitteln sowie starken Säuren. Es lohnt sich also, die Vorgaben der Hersteller zu beachten und die technischen Datenblätter zu lesen, um den Endkunden die richtigen Pflegeanweisungen geben zu können und sie darauf hinzuweisen, was sie vor allem nicht tun sollten.

Es ist ein recht weit verbreiteter Irrtum, dass eine Arbeitsfläche aus Mineralwerkstoff als Schneidunterlage keinen Schaden nimmt. Natürlich entstehen dabei Kratzspuren. Auch wer die heissen Pfannen vom Kochfeld direkt auf die Arbeitsfläche stellt, wird keine lange Freude an ihr haben. Acryl- gebundene Mineralwerkstoffe lassen sich bei einer gleichmässigen Durchwärmung von etwa 160 °C verformen. Punktuell vertragen sie sehr kurzzeitig eine Temperatur von maximal etwa 180 °C. Die Gebrauchstemperatur sollte auf Dauer idealerweise 55 °C nicht übersteigen, womit aber ein normaler Gebrauch in Küche und Badezimmer möglich ist. Wird beispielsweise kochendes Wasser in ein solches Becken geschüttet, sollte auch gleichzeitig kaltes Wasser laufen.

Beständig, aber nicht grenzenlos

Das Abstellen einer heissen Pfanne stellt eine hohe thermische Belastung auf einer relativ kleinen Fläche dar, was zu einem gut sichtbaren Hitzering führen kann. Im Extremfall kann das so viel Spannung aufbauen, dass die Mineralwerkstoff-Platte Risse bekommt, denn auch dieses Material muss sich ausdehnen und zusammenziehen. Risse entstehen auch, wenn die Platte nicht plan aufliegt und somit unter Dauerspannung steht. Schliesslich ist das Material hart, schwer und in kaltem Zustand auch brüchig. Wirklich herausragend ist die Reparaturfähigkeit dieser geschlossenporigen Oberfläche mit der Möglichkeit kaum sichtbarer Klebstellen. Die Firma Keller Züberwangen AG in Züberwangen SG verarbeitet schon seit Jahren «Himacs» und muss sich auch immer mal wieder um Gebrauchsspuren kümmern. Der Geschäftsführer Reto Broger weiss daher, wie wichtig eine gute Beratung im Vorfeld ist – angefangen bei der Materialwahl bis hin zur Benutzung und Pflege.

Normale Abnutzungen im Profibereich

Der Importeur von «Himacs», die Kläusler Acrylstein AG in Bassersdorf ZH, bietet ein Pflegeset, mit dem unter Anleitung schon einige lästige Spuren beseitigt werden können. Bei Hitzeringen, Brand- oder Farbflecken und mehr sollte dann aber unbedingt eine ausgewiesene Fachperson hinzugezogen werden. Der Geschäftsleiter Yves Glauser weist auf seine Erfahrungen mit Abdeckungen aus den Bereichen Ladenbau, Gesundheit und Hotel hin. Nach 10 bis 15 Jahren gibt es dort gerne gewisse Abnutzungsspuren, die aber meist mit grossflächigem Schleifen behoben werden können. Damit im Falle von grösseren Schäden noch Material zum Reparieren der Fehlerstelle vorhanden ist, wird bei jedem Auftrag das Produktionslos des Materials vermerkt und dem Kunden auch ein Reststück mitgegeben. Auf diese Weise können später auch Risse und Löcher repariert werden, ohne dass man Farbunterschiede sieht.

Es lässt sich fast alles reparieren

Die Cori-Design AG in Schaffhausen ist auch spezialisiert auf Schadenfälle und Servicearbeiten. Ihr Geschäftsleiter Sascha Löffel betont, dass die verschiedenen Mineralwerkstoffe sehr gute Eigenschaften aufweisen. Dennoch kann es aufgrund unsach- gemässer Handhabung oder Montage zu Schadenfällen kommen. In den meisten Fällen lassen sich diese durch auf Mineralwerkstoff spezialisierte Firmen so reparieren, dass das Produkt wieder wie neu ist. Selbst Ausschnitte in Arbeitsplatten können unsichtbar verschlossen werden.

www.kellerzueberwangen.chwww.himacs.chwww.cori-design.ch

Andreas Brinkmann

Veröffentlichung: 30. Juli 2026 / Ausgabe 31-32/2026

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