Denken mit den Händen


Willy Guhl im Unterricht mit der Fachklasse für Innenausbau 1951. Bild: Erben von Willy Guhl


Willy Guhl im Unterricht mit der Fachklasse für Innenausbau 1951. Bild: Erben von Willy Guhl
Ausstellung. Das Museum für Gestaltung Zürich zeigt bis zum 26. März 2023 die Ausstellung «Willy Guhl - Denken mit den Händen». Damit wird ein Gestalter geehrt, der einen besonderen Platz in der Historie des Schweizer Designs einnimmt.
Das direkte Ausprobieren und Begreifen über alle Sinne durch die Hände als Werkzeug war dem Schweizer Designer Willy Guhl (1915-2004) besonders eigen. Er setzte und legte sich schon Mal auf formbares Material wie Gips, um die optimale, dem Menschen bequeme Form zu finden. Folgerichtig ehrt ihn nun das Museum für Gestaltung in Zürich mit dem treffenden Titel «Denken mit den Händen».
Willy Guhl hat im Laufe der Zeit viele bleibende Stücke gestaltet. Trotzdem gehört er nicht zu jenen, die man so einfach mit einer Arbeit verbindet, auch wenn der Strandstuhl für die Eternit AG recht bekannt wurde. 1948 lancierte das Museum of Modern Art in New York einen Designwettbewerb für preisgünstige Möbel. Zusammen mit seinem Bruder Emil reichte Willy Guhl eine Arbeit dreier Stühle mit neuartigen Sitzschalen ein. Sie waren aus menschlichen Körperabdrücken ermittelt und basierten auf unterschiedlichen Sitzpositionen. Die drei Gipsmodelle waren die Grundlage für Stuhlentwürfe aus unterschiedlichen Materialien, die zwei Jahre später im Kunstgewerbemuseum Zürich gezeigt wurden. Die ursprüngliche Idee, eine zweifach gekrümmte Sitzschale aus Kunststoff seriell herzustellen, konnte ein Jahr später umgesetzt werden. Zusammen mit der Firma Scott Bader realisierte Guhl so den ersten Schalenstuhl aus Kunststoff in Europa. Später entwarf er auch Stühle und ein ganzes Möbelprogramm für die Dietiker AG. Für den Landmaschinenhersteller Aebi arbeitete Guhl genauso wie für kleine Handwerksbetriebe.
Noch während des zweiten Weltkrieges entwarf der gelernte Schreiner Kleinmöbel, die er in der väterlichen Werkstatt in Stein am Rhein SH herstellte. Darunter auch sogenanntes Notmobiliar aus Hartfaserplatten für den Wiederaufbau Europas. Er liess sich auch eine Textilverbindung patentieren und achtete bei den Entwürfen auf einfachen Selbstaufbau. Materialien waren knapp. Die Spanplatte war zwar schon erfunden, aber noch nicht in Produktion. Möbel in Flatpacks entwarf Guhl trotzdem als einer der ersten Designer.
Sein ganzheitlich praxisorientiertes Wissen und seine auf den Menschen fokussierte Herangehensweise gab Guhl an Generationen von Gestalterinnen und Gestaltern weiter. Unter seiner Leitung wurde die Fachklasse Innenausbau an der Kunstgewerbeschule Zürich, die er selbst in den 1930er Jahren besucht hatte zu «Innenarchitektur und Produktgestaltung» der späteren ZHdK.
In der Ausstellung des Museums für Gestaltung werden deshalb auch viele Arbeiten von Schülerinnen und Schülern Guhls gezeigt. Als Lehrer hat er die Schweizer Produktkultur massgeblich mitgeprägt. 13 ehemalige Studierende erinnern sich in Filmdokumenten an ihren Lehrer. Ihnen vermittelte er nicht nur den Entwurf am Zeichenbrett, sondern auch in der Werkstatt, wo Modelle entstanden, um die Ideen überprüfen zu können. Das direkte Ausprobieren im Material, dem Entwerfen im Machen ist eine eigene Denkart, die nun durch die sehr gelunge Ausstellung «Denken mit den Händen» in vielen unterschiedlichen Facetten gezeigt wird.
Die Ausstellung im Museum für Gestaltung in der Ausstellungsstrasse in Zürich läuft bis zum 26. März 2023 und ist dienstags und mittwochs von 10 bis 17 Uhr, donnerstags 20 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung ist auch die begleitende Publikation vom Museum für Gestaltung «Willy Guhl – Denken mit den Händen» erschienen.Christian Härtel
Veröffentlichung: 21. Dezember 2022
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