Der erste Eindruck ist oft entscheidend


Junge Frauen und Männer, die ihre erste Begegnung mit einem Lehrbetrieb in guter Erinnerung haben, ent-scheiden sich eher für den Schreinerberuf. Bild: Reto Schlatter


Junge Frauen und Männer, die ihre erste Begegnung mit einem Lehrbetrieb in guter Erinnerung haben, ent-scheiden sich eher für den Schreinerberuf. Bild: Reto Schlatter
SCHREINERLEHRE. Der Nationale Zukunftstag vom 13. November 2014 bietet eine gute Gelegenheit, den Schreinerberuf bei den Jugendlichen bekannt zu machen. Präsentieren sich die Schreinereien in einem guten Licht, können sie später bei der Vergabe der Lehrstellen profitieren.
Das Schreinerhandwerk ist ein vielseitiger Beruf mit spannenden Entwicklungsmöglichkeiten. «Für uns ist der Beruf heute attraktiver denn je», sagt Adrian Röthlisberger, Geschäftsleiter Finanzen und Verwaltung der Grossschreinerei Röthlisberger AG im bernischen Schüpbach. Die Vielfalt der Materialien und der technische Fortschritt, von der Massaufnahme über die Planung und Produktion bis hin zur Montage seien enorm. Zudem biete der Beruf attraktive Weiterbildungsmöglichkeiten und sei eine solide Grundausbildung für einen zweiten Bildungsweg in Richtung Innenarchitektur und Design. «Aus der Optik des Endproduktes hat der Schreiner immer noch den Edelberuf unter den Handwerkern.» Aber auch Röthlisberger macht die Erfahrung, dass die Schreinerlehre bei Schulabgängern nicht zuoberst auf der Wunschliste steht. Deshalb sollte den Kindern vermehrt durch die Eltern und in der Schule durch die Lehrerinnen und Lehrer die Freude an technischen und handwerklichen Berufen vermittelt werden. «Wir nehmen jede Gelegenheit wahr, unseren Beruf und unseren Betrieb bei Schülern, Eltern und Lehrpersonen bekannt zu machen», sagt Röthlisberger. Das geschehe etwa durch die Teilnahme an Lehrstellenbörsen, an Ausstellungen, durch die Veranstaltung eines Lehrlingstages und das Anbieten von Schnupperlehren. «Zudem bieten wir die Möglichkeit, dass motivierte Lehrlinge die Berufsmittelschule besuchen können.» Im Weiteren habe die Firma ein finanzielles Belohnungssystem für gute Noten eingeführt – «als Anerkennung für die schulischen Leistungen».
Auch Martin Wagner bezeichnet den Schreinerberuf als attraktiv. Er führt in Räterschen bei Winterthur einen Betrieb mit zehn Mitarbeitern und ist LAP-Obmann im Prüfungskreis Winterthur. Der Beruf biete gute Gestaltungsmöglichkeiten und eine spannende Arbeit mit modernen, computergesteuerten Maschinen. Seinen Nachwuchs findet Wagner in erster Linie durch die Mitwirkung am gemeindeinternen Berufswahlparcours im zweiten Oberstufenschuljahr, durch Schnuppertage, durch einwöchige Schnupperlehren und durch betriebsinterne Schnupperarbeiten.
Junge Frauen und Männer, die sich gerne handwerklich betätigen, fänden im Schreinerberuf ihre Erfüllung, sagt auch Daniel Schnyder, Abteilungsleiter Marketing beim Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten (VSSM). Problematisch werde es indes, wenn man sich das Umfeld ansehe. «Die klassischen Lehrberufe stehen vermehrt in Konkurrenz zum akademischen Bildungsweg. Deshalb müssen wir interessierten Jugendlichen aufzeigen, dass angehende Schreinerinnen und Schreiner nach der Grundausbildung sehr gute Entwicklungsperspektiven haben.»
Der VSSM belässt es nicht bei schönen Worten, sondern will bei der Rekrutierung von Lernenden eine aktive Rolle spielen. Einbezogen werden insbesondere Eltern, Lehrer und Ausbildungsbetriebe. Sie sollen den Jugendlichen den Schreinerberuf mit all seinen Facetten und Perspektiven nahebringen. Die Zahlen der Schulabgänger, die sich für den Beruf entscheiden, seien stagnierend oder sogar leicht rückläufig, stellt Schnyder fest. Die Tendenz zum akademischen Bildungsweg, das Handwerkerimage und die Zurückhaltung der Ausbildungsbetriebe gegenüber der Berufsmaturität beeinflussten diese Entwicklung. Erst kürzlich hat der VSSM eine neue Imagekampagne für die Zielgruppe Eltern lanciert (siehe SZ-Nr. 38/2014, Seite 2).
Eine spannende Plattform zur Nachwuchswerbung bietet auch der jährlich stattfindende Nationale Zukunftstag, der am 13. November wieder ansteht (siehe Box). Clevere Ausbildungsbetriebe könnten diese Gelegenheit für einen Erstkontakt zu künftigen Lernenden nutzen, sagt Schnyder, denn der erste Eindruck sei oft entscheidend. «Umfragen zeigen, dass Jugendliche ihre Lehrstelle vor allem nach menschlichen Kriterien aussuchen.» Stimme der Teamgeist, der Umgangston im Betrieb und seien Sympathien zum Lehrmeister vorhanden, so sei der Schritt zum Lehrvertrag meist nicht mehr weit. Der VSSM unterstützt die Schreinerbetriebe, die am Nationalen Zukunftstag teilnehmen.
Wichtig für die Rekrutierung ist laut Schnyder darüber hinaus die Präsenz an Berufs- und Bildungsmessen. Der VSSM selber steht Ausbildungsbetrieben unter anderem mit umfangreichem Informationsmaterial zur Seite, das bei Messen, Ausstellungen und Tagen der offenen Tür eingesetzt werden kann.
Gefordert sind aber auch Berufsberater und Lehrpersonen an der Oberstufe. Sie können dem potenziellen Nachwuchs aufzeigen, dass der Schreinerberuf eine gute Grundausbildung mit vielen Chancen bietet. In der Volksschule werden die Jugendlichen mit Unterstützung der Lehrkräfte auf ihre Berufswahl vorbereitet. «Jugendliche, die sich für den Schreinerberuf entscheiden, erhalten umfassende Kenntnisse über ihren Wunschberuf», sagt Erwin Sommer, Vorsteher des Amts für Kindergarten, Volksschule und Beratung des Kantons Bern.
Eine wichtige Rolle spielen auch die Ausbildungszentren. Im Ausbildungszentrum Schreiner Oberohringen (AZO) bei Winterthur absolvieren jährlich rund 350 Lernende die überbetrieblichen Kurse. Als Einstieg ins Berufsleben empfiehlt Werner Graf ein geeignetes Tagespraktikum und in einem zweiten Schritt eine Schnupperwoche in einem Schreinerbetrieb. Graf ist Schreinermeister, Kursleiter im AZO und stellvertretender Prüfungsobmann. «Während der Schreinerausbildung können angehende Berufsleute ihr Handwerk von der Pike auf lernen und Freude am Beruf entwickeln.»
Weitere Akteure sind auch Höhere Fachschulen, wie das Ausbildungszentrum Bürgenstock des VSSM und Fachhochschulen. Mit einem Bachelorstudium in Holztechnik eröffnet sich der Schreinerin und dem Schreiner zum Beispiel eine Weiterbildungsmöglichkeit mit interessanten beruflichen Perspektiven. Nebst einer Fach- oder Führungsposition in einer Schreinerei kommt auch ein anschliessendes Masterstudium infrage. «Es gilt, solche Anschlussmöglichkeiten an eine Berufslehre jungen Leuten und ihren Eltern bereits früh aufzuzeigen», sagt Andreas Hurst, Leiter Abteilung Bachelor Holz an der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau.
www.nationalerzukunftstag.chwww.traumjob-schreiner.chwww.schreiner-karriere.chwww.hfb.chEin Kernstück der VSSM-Nachwuchskampagne ist der Nationale Zukunftstag am 13. November. Gemäss VSSM ist er eine ideale Plattform, um bereits Kinder und Jugendliche vor der Berufswahl mit dem Schreinerberuf bekannt zu machen. In enger Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben möchte der VSSM diesen Tag dazu nutzen, den Nachwuchs zum Besuch einer Schreinerei zu motivieren. Die Kinder sollen den Beruf vor Ort kennenlernen und etwas «Werkstattluft schnuppern». Dabei sollen auch Mädchen angesprochen werden.
Auch die Berner Fachhochschule in Biel (BFH) engagiert sich am Nationalen Zukunftstag. Sie bietet ein spannendes Programm mit eigens dafür konzipierten Workshops an. Sie sollen einen Eindruck vermitteln von den vielfältigen beruflichen Wegen, die Jugendlichen heute offenstehen. Zum Beispiel erfahren diese, wie moderne Technik beim Bau von Möbeln eingesetzt wird: Sie steuern einen Roboter und stapeln mit ihm Möbelteile oder testen Schubladen. Auch die BFH will insbesondere Frauen für technische Ausbildungen sensibilisieren.
www.ahb.bfh.chVeröffentlichung: 16. Oktober 2014 / Ausgabe 41/2014
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