Der Wächter der Natur


Der Arbeitsplatz von Claudio Irniger (34) ist die Natur. Seit 2013 ist der gelernte Schreiner Parkwächter des Nationalparks. Bild: Franco Brunner


Der Arbeitsplatz von Claudio Irniger (34) ist die Natur. Seit 2013 ist der gelernte Schreiner Parkwächter des Nationalparks. Bild: Franco Brunner
Wie arbeitet es sich wohl an einem der schönsten Orte der Schweiz? Claudio Irniger kennt die Antwort. Denn seit Sommer 2013 ist der 34-Jährige einer von insgesamt acht Parkwächtern des Schweizer Nationalparks im Engadin und somit Hüter eines der eindrücklichsten Flecken Natur des Landes. Viel Zeit, die landschaftliche Schönheit seines Arbeitsplatzes zu geniessen, bleibt dem gelernten Schreiner jedoch meist nicht. Denn als Nationalparkwächter gibt es immer etwas zu tun. Genau das gefällt Irniger auch an seiner Arbeit. «Der Abwechslungsreichtum und die Vielschichtigkeit in meiner Arbeit sind enorm gross, jeder Tag bringt etwas anderes», erklärt er. Gerade heute steht eine besondere Herausforderung auf dem Programm. Das GPS-Halsband einer Gämse hat sich – nicht ganz planmässig, weil rund ein Jahr später als im Normalfall – von selbst gelöst und muss nun noch vor dem ersten grossen Schneefall aufgespürt werden. «Immerhin kostet so ein Gerät rund 4000 Franken, da würden wir es schon ganz gerne wieder finden», sagt Irniger schmunzelnd. Die Beobachtung der Tiere und die Auseinandersetzung mit ihnen ist derweil nur ein Teil der Arbeit von Irniger und seinen Kollegen. «Jede Jahreszeit stellt ihre eigenen Herausforderungen und Aufgaben und hat somit auch jeweils ihren ganz eigenen Reiz», sagt Irniger, der in der Oberengadiner Gemeinde S-chanf lebt. So müsse man sich im Sommer beispielsweise hauptsächlich um die Parkbesucher kümmern.
Diese Aufgabe reiche vom Beantworten von Fragen über Tier und Natur bis hin zur Bussenverteilung nach Parkregelverstössen der Touristen. Das sind Verstösse wie zum Beispiel das Mitbringen von Hunden oder das Verlassen der Wege. Apropos Wege: Die Parkwächter sind auch für diese beziehungsweise deren Instandsetzung und Unterhalt zuständig. Hauptsächlich in den Frühlingsmonaten, wie Irniger erklärt.
Und im Winter kann der Familienvater dann hie und da auch seiner handwerklichen Passion nachgehen. Dann nämlich werden zum Beispiel für die Ausstellung des Nationalparkmuseums Handwerksarbeiten erledigt – und darunter fallen natürlich auch immer mal wieder Schreinerarbeiten. Ein Glück für Irniger. Denn ein wenig vermisse er die Arbeit mit Holz schon, verrät er. «Wir sind eine richtige Holzfamilie.» Sein Vater habe selber eine Sägerei geführt, und sein Bruder war Zimmermann. Da sei für ihn klar gewesen, dass es etwas mit Holz werden müsse. «Ich habe meinem Grossvater schon als kleiner Junge gesagt, dass ich gerne arbeite – aber nur mit Holz», erinnert er sich lachend. Dass Irniger nicht mehr ganz so oft dazu kommt, Schreinerarbeiten zu erledigen, ist wohl der einzige kleine «Minuspunkt» im Parkwächter-Dasein des sympathischen jungen Mannes. Ansonsten fühlt sich der ausgebildete Langlauflehrer und Feldornithologe in seiner Rolle als Wächter dieses Naturschatzes sichtlich wohl. «Tagtäglich hier in dieser wundervollen Natur sein zu dürfen, am frühen Morgen hinaus an die Beobachtungsposten zu gehen und dann irgendwann von der aufkommenden Sonne gewärmt zu werden, ist wohl etwas vom Schönsten, das man sich vorstellen kann.»
An diesem frühen Mittwochmorgen zeigt sich die Sonne für einmal noch nicht so wirklich. Nichtsdestotrotz heisst es für Claudio Irniger jetzt, Sachen zu packen und sich ins unwegsame Gämsengelände aufzumachen, wo sein Kollege schon auf Unterstützung bei der Halsbandsuche wartet.
«Der Abwechslungsreichtum und die Vielschichtigkeit meiner Arbeit sind enorm gross, jeder Tag bringt etwas anderes.»
Veröffentlichung: 21. Januar 2016 / Ausgabe 3/2016
Leute. «Früher redete ich Berndeutsch», sagt die 31-jährige gelernte Schreinerin Rebekka Christen und lacht. Heute hört man nicht mehr viel davon. Sie ist in Grindelwald und im Zürcher Oberland aufgewachsen, zusammen mit zwei jüngeren Geschwistern.
mehr
Leute. Eingebettet in einer sanften Hügellandschaft liegt sie, wenige Fahrminuten von Menzingen entfernt: die Justizvollzugsanstalt (JVA) Bostadel. Will man in die dortige Schreinerei, muss man mehrere Detektoren und Sicherheitstüren passieren.
mehr
PaidPost. Anlässlich des 150-jährigen Firmenjubiläums bietet die Rudolf Geiser AG Einblick hinter die Kulissen und stellt ein paar der 120 Mitarbeitenden vor. Diese Woche ist dies Thomas Dellenbach, Chauffeur der Geiser Camion-Flotte.
mehr