Der Zusammenarbeit gehört die Zukunft

Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion vermissen klare Prioritäten in der neuen Wald- und Holzstrategie 2050 des Bundes. Bild: PD

Brünig Forum 2026.  Kooperation darf keine Parole bleiben – sie ist die zentrale Arbeitsweise, um die Herausforderungen zu meistern – dies ist der Tenor des Forums «Wald, Holz und Wirtschaft» mit 120 Fachpersonen aus Praxis, Politik, Forschung und Architektur in Langnau BE.

Der Vormittag des diesjährigen Brünig Forums, das in Langnau BE stattfand, stand im Zeichen der Fachkräftesicherung. Daniel Landolt, Fachbereichsleiter Umwelt und Energie bei Interface Politikstudien Forschung Beratung AG, eröffnete mit einem Realitätscheck aus der Waldpraxis: Der Fachkräftemangel ist regional unterschiedlich, aber überall spürbar – mit Ursachen, die von hohen Belastungen über tiefe Löhne bis zu mangelnden Entwicklungsperspektiven reichen. Sein Appell lautete: «Weiterbildung muss sich lohnen, und bessere Arbeitsbedingungen sind ein entscheidender Hebel, um Fachkräfte zu binden.»

Der Berufsbildungs-Tausendsassa Michael Raaflaub zeigte, wie stark Sichtbarkeit und digitale Suchmechanismen heute das Berufswahlverhalten prägen. Wer junge Menschen für einen Wald- oder einen Holzberuf gewinnen will, muss präsent sein, einfach kommunizieren und dort auftreten, wo die Zielgruppen unterwegs sind. Wie effektiv gemeinsame Auftritte sein können, verdeutlichte Fabienne Wey von Lignum Zentralschweiz am Beispiel des geglückten Auftritts von Wald und Holz an der Zentralschweizer Bildungsmesse.

Holz als identitätsstiftendes Element

Am Nachmittag sprach Unternehmer Peter Jakob, Präsident der SCL Tigers, über Unternehmenskultur, Verantwortung und Mut zu neuen Wegen. In den Fachreferaten führten Architekt Michael Rolli und Holzbauer Markus Gerber (Kühni AG) vor Augen, wie Holzbau heute funktioniert: als Verbindung von Region, Architektur und Zusammenarbeit. Rolli zeigte am Beispiel der Ilfishalle, wie Holz räumliche Identität erzeugt und wie Kooperationen – etwa im Sponsoring oder in der Zwischennutzung – kreative Lösungen ermöglichen. Gerber legte dar, weshalb Projekte frühzeitige und transparente Zusammenarbeit erfordern, mit klaren Rollen und Respekt für Expertisen.

Kritik an der Wald- und Holzstrategie

Ein Höhepunkt des Forums war der politische Austausch mit Bundesrat Albert Rösti und dem Obwaldner Baudepartementsvorsteher Josef Hess. Rösti führte aus, welche Bedeutung die Wald- und Holzstrategie 2050 für die Anpassung an den Klimawandel, für Versorgungssicherheit und nachhaltige Ressourcennutzung hat. Hess betonte den langen Prozess der Erarbeitung und die Wichtigkeit der Massnahmen, die eine Strategie erst im Alltag integrieren.

Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass die neue Wald- und Holzstrategie zwar breit angelegt ist, in der Umsetzung jedoch an fehlenden Prioritäten leidet. Mehrere Teilnehmende wiesen darauf hin, dass der Anspruch, die Leistungsfähigkeit des Waldes zu steigern, in Widerspruch zu Massnahmen stehe, die ohne klare Gewichtung teilweise kontraproduktiv wirkten. Die Strategie vereine zwar Biodiversität, Schutzwald und Holzproduktion, aber es fehlten die nötigen Ansätze für eine wirksame Umsetzung. Regierungsrat Hess bestätigte, dass eine Priorisierung politisch nicht erreichbar gewesen war. Aus Sicht der Industrie besteht die grösste Dringlichkeit klar darin, die Holzproduktion zu stärken. Da die Waldwirtschaft vielerorts defizitär ist, müsse die wirtschaftliche Nutzung im Zentrum stehen. Das Herzstück der Strategie, der sogenannte Handlungsspielraum 1, müsse deshalb gezielt weiterentwickelt werden, etwa bei Erschliessungen oder beim Einsatz klimatoleranter Arten. Nur so könne verhindert werden, dass Holz zum Koppelprodukt degradiert wird.

Herausforderungen nicht isoliert lösen

Das Forum 2026 hat gezeigt, dass die Herausforderungen der Branche nicht isoliert gelöst werden können. Nachwuchsgewinnung braucht gemeinsame Sichtbarkeit, Innovationskraft braucht vertrauensvolle Räume, und Wettbewerbsfähigkeit entsteht dort, wo Akteure ihre Stärken verbinden. Als Kernaussage des Forums formulierte Moderatorin Sonja Geier daher treffend: «Kooperation ist keine Parole, sondern die zentrale Arbeitsweise für die Zukunft.»

www.bruenigforum.ch

SZ

Veröffentlichung: 05. Februar 2026 / Ausgabe 6/2026

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