Die Arbeit mit Holz erdet ihn


Daniel Erismann (53) in seiner offenen Werkstatt in Blockbauweise, die der gelernte Zimmermann selbst gebaut hat. Bild: Caroline Mohnke


Daniel Erismann (53) in seiner offenen Werkstatt in Blockbauweise, die der gelernte Zimmermann selbst gebaut hat. Bild: Caroline Mohnke
Leute. Seit rund vier Jahren fliegen bei Daniel Erismann die Sägespäne. Der gelernte Landwirt hat viele Talente. Eines davon ist das kunstvolle Schnitzen von Holzskulpturen mit der Motorsäge.
«Forstwart, Zimmermann oder Landwirt stand auf meiner Wunschliste in der Berufswahl», erzählt Daniel Erismann in seiner offenen, selbst gebauten Blockhütten-Werkstatt vor dem Einfamilienhaus im Menziken AG. Er habe sich für Landwirt entschieden.
Einen Bezug zu Wald und Holz hatte er schon als Kind, denn er ist auf einem Bauernhof aufgewachsen mit zwei jüngeren Geschwistern. «Wir spielten viel in der Natur, und ich interessierte mich schon früh für die verschiedenen Bäume und Sträucher», sagt er lachend. Sein Lieblingsfach sei Werken gewesen. Nach seiner Lehre als Landwirt machte er eine Zweitausbildung als Zimmermann und bildete sich weiter zum Holzbaupolier. Doch die Arbeit im Büro und die wachsende Auftragslage setzten ihm zu – und er vermisste das Handwerkliche. «Ich war nahe an einem Burnout», berichtet er. In seiner späteren Anstellung als Hauswart und Sigrist hatte der 53-jährige Vater zweier Töchter die Gelegenheit, wieder mit Holz zu arbeiten. Und er besuchte einen einwöchigen Blockbaukurs. «Mein Traum wäre schon, nach Kanada auszuwandern und dort selbst ein Blockhaus zu bauen», sagt er mit einem Lachen. Doch seine Frau möge die Abgeschiedenheit weniger.
Heute arbeitet Erismann als Eismeister in Sursee. Er ist zuständig für die richtige Hallentemperatur, die Reinigung, die Garderoben und für die sanitären Anlagen. «Hockeyspieler spüren nur schon ein halbes Grad Temperaturunterschied», erzählt er. Auch seine beiden Töchter spielen Eishockey. Im Winter mag er den Schichtbetrieb, wenn die Arbeit um 16 Uhr beginnt und um Mitternacht endet. Dann habe er tagsüber Zeit für seine Holzskulpturen. Denn er arbeitet auch im Winter draussen in der offenen Werkstatt in Blockbauweise. «Die Schlitzschutzhose gibt genug warm», sagt er. Und wenn der Wind weht, fliegt der Staub besser weg. «Das Arbeiten mit Holz erdet mich.» Zum Carving, wie die Schnitzkunst auch genannt wird, sei er nach einer Waldbegehung gekommen. «Mein bester Freund ist Forstwart, und einmal auf dem Heimweg dachte ich mir: Ich nehme mal die Kettensäge zur Hand und schaue, was dabei herauskommt.» Seither entstehen Skulpturen und Projekte, für die er ausschliesslich Schweizer Holz aus der Region verwendet. «Ich biete auch Carving vor Ort an. Wenn jemand einen Baum im Garten hat, der weg muss, kann das eine emotionale Angelegenheit sein. So kann ich daraus eine Skulptur schnitzen, die noch lange Freude macht.» Unter seinen Skulpturen gibt es unter anderem Adler, Eichhörnchen, Bären, Hunde, Katzen und sogar Menschen.
Am Handwerkermarkt anlässlich des Trachtenchorfestes in Sursee stellte er seine Carving-Kunst live vor. «Ich schnitze auch an Geburtstagen, Hochzeiten oder Firmenanlässen.» Das Herausforderndste an diesem Handwerk sei, die richtigen Proportionen zu treffen und die genauen Details hervorzuheben. Diese Kunstform hat ihren Ursprung in Nordamerika. Nebst Kreativität braucht es räumliches Vorstellungsvermögen, Geduld und Präzision. «Auch einen sicheren Umgang mit Werkzeugen und Materialkenntnisse sind wichtig», sagt Erismann.
Caroline Mohnke
Veröffentlichung: 17. August 2026 / Ausgabe 33/2026
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