Ein doppelter Meister der Handarbeit


Schreinermeister Peter Hürlimann (67) freut sich darauf, wieder in der Werkstatt zu stehen und Aufträge auszuführen. Bild: Cornelia Thürlemann


Schreinermeister Peter Hürlimann (67) freut sich darauf, wieder in der Werkstatt zu stehen und Aufträge auszuführen. Bild: Cornelia Thürlemann
Leute. Handball und Handwerk bestimmen das Leben von Peter Hürlimann aus Arisdorf BL. In den 1980er- und -90er-Jahren war «Pfupf» als Goalie eine der Stützen der Schweizer Nati. Als Schreinermeister wirkt der heute 67-Jährige noch immer gern in der Werkstatt.
Einen Eintrag in der deutschen Wikipedia hat Peter Hürlimann (67) noch keinen. Doch der Schreinermeister aus Arisdorf BL und frühere Handball-Natigoalie ist bekannt wie ein bunter Hund. «Pfupf», wie er genannt wird, gilt als Legende des Schweizer Handballsports. Mit ihm erreichte die Schweizer Nati an der Olympiade 1984 in Los Angeles den siebten Platz. Er wurde zum Handballer und Handballgoalie des Jahres gekürt und 2017 in die «Swiss Handball Hall of Fame» aufgenommen. Seine Sportkarriere hatte durch einen Zufall begonnen. Hürlimann, aufgewachsen im Johannsquartier in Basel, schaute beim Pestalozzi-Schulhaus regelmässig den Handballern beim Training zu. Da wurde er von einem Spieler angesprochen, ob er mitmachen wolle. Er entgegnete, dass er eigentlich Fussballgoalie werden wollte, aber keinen Platz erhalten habe.
«Ich wollte immer Goalie werden, nicht Spieler», sagt er noch heute. Im Handball fand er rasch seinen Platz als Goalie. Und es ging rasant aufwärts. Hürlimann wurde von den Spitzenclubs des Handballs angefragt, etwa vom Grasshopper Club Zürich. «Mein Ziel war es, den Ball zu halten. Nichts anderes. Ich hatte keine Vorbilder, ich wollte einfach ‹hebe›.» Dafür studierte er Technik und Beweglichkeit der gegnerischen Spieler, ob sie Rechts- oder Linkshänder waren, von welcher Seite und Höhe mit dem Ball zu rechnen war. Hürlimann überliess das Gewinnen nicht dem Zufall. «Ich bin ungeheuer ehrgeizig», betont er, «nicht nur im Handball, sondern auch als Schreinermeister.»
Durch Zufall gelangte er auch zum Schreinerberuf. «In der zweiten Klasse der Primarschule besuchten wir die Freizeitwerkstatt im Quartier. Als wir in der Schreinerei waren, wusste ich, das ist der Beruf, den ich einmal lernen möchte.» Hürlimann machte bei einer Kleinbasler Schreinerei die Lehre, schloss die Ausbildung zum Schreinermeister an und führte im Leimental eine eigene Schreinerei. Dies alles neben seiner Sportkarriere als Handballer – bis der Vermieter der Werkstatt Eigenbedarf anmeldete. Hürlimann suchte nach einem neuen Standort und fand ihn im ehemaligen Von-Roll-Areal in Klus/Balsthal.
«Ich bin ungeheuer ehrgeizig, nicht nur im Handball, auch als Schreinermeister.»
Hier hat er nun die Werkstatt seines Einmannbetriebes eingerichtet. «Ich bin ein Einzelkämpfer und mache gerne alles selbst, von der Planung bis zum Schluss.» Eine Eigenschaft, die er auch als Goalie brauchte. Er liebt den Schreinerberuf, bis heute. Er legt grossen Wert auf exzellente Verarbeitung und hohe Qualität der Materialien. Er fertigt ein Möbelstück von Anfang bis Schluss selbst, kauft keine Bretter, sondern den Stamm. «Bei der Planung sehe ich genau vor mir, wie das Möbelstück entsteht.»
Hürlimann verbringt wenig Zeit vor dem Computer, dafür umso mehr in der Werkstatt. Wie beim Handball überlegt er sich, wie die einzelnen Teile zusammenpassen, welche Eigenschaften und Aufgabe jedes Element hat. Er mag modernes Design und besucht regelmässig den Salone del Mobile in Mailand. Mit seiner Frau Sibylle Hartmann, einer selbstständigen Architektin, realisiert er immer wieder gemeinsame Projekte. Vor einiger Zeit restaurierten sie in Basel ein Stadthaus von 1892. «Ein Blickfang», schwärmt er. Nach einer schweren Erkrankung Anfang Jahr ist Peter Hürlimann auf dem Weg zur Genesung und freut sich, wieder in der Werkstatt zu stehen und endlich wieder Schreinerarbeiten auszuführen.
Veröffentlichung: 27. August 2026 / Ausgabe 34/2026
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