Die Kunden von der Strasse holen

Geschäftsleiter Fabian Tschümperlin im Gespräch mit Kundinnen im Laden in Schwyz. Bild: Wohnform Tschümperlin AG

Ladenlokal.  Manche Schreinereien stellen Produkte her, die sie über Händler in deren Läden verkaufen. Doch eigene Produkte können auch Türöffner sein für weitere Aufträge. Daher führen einige Betriebe eigene Läden, um direkt an potenzielle Kunden heranzukommen.

Fast in jedem Gebäude, in das man hineingeht, sind diverse Dinge anzutreffen und auch zu benutzen, die von Schreinern gefertigt und eingebaut wurden – eine Selbstverständlichkeit, die in ihrem Zusammenhang für potenzielle Kunden nicht immer erkennbar ist. Schreinerarbeiten werden individuell, entsprechend den Kundenanforderungen entworfen, geplant und ausgeführt, wozu es im Vorfeld Gespräche zwischen potenzieller Kundschaft und Vertretern der Schreinerei braucht. Dazu müssen die Leute aber erst einmal auf diese Schreinerei aufmerksam werden – etwa durch ein eigenes Ladenlokal.

Die Firma Hobel ist eine genossenschaftlich organisierte Schreinerei für Möbel, Innenausbau sowie Handel und liegt mit ihrem Standort im Randbereich von Zürich-Altstetten weit weg vom Stadtzentrum und damit ausserhalb der Aufmerksamkeit einer solventen Kundschaft.

Um die Firma im Stadtzentrum mit Eigenprodukten und ausgewählter Handelsware sichtbar zu machen, hat Hobel schon 1959 am Neumarkt im Zürcher Niederdorf einen Laden eröffnet. Neben dem Innenausbau gehören massgefertigte Tische zu den Kernkompetenzen von Hobel. Stühle werden keine hergestellt, aber als langjähriger Vertriebspartner von beispielsweise Horgen-glarus-Stühlen kann ein Esszimmer durchaus komplett ausgestattet werden. Angeboten wird im Laden vieles, was zum Essen und Trinken in einem gediegenen Rahmen gehört: Porzellan, Gläser, Besteck, Tischtextilien, Stühle, Schneidbretter – und Tische aus eigener Fertigung. Diese Konzentration bestimmter Produkte hat dem Laden ein klares Profil gegeben.

Eigenständig und sehr persönlich

«Wir konkurrieren mit Möbelhäusern über unsere Gestaltung, Tradition und gezielten Mitteleinsatz», sagt Geschäftsführer Lutz Kögler. «Preislich können und wollen wir uns als handwerklicher Betrieb nicht messen.» Der Laden dient als Plattform, um mit Kunden ein erstes Gespräch zu führen. Wichtig seien gute, eigenständige Lösungen bei Eigenprodukten und die kompetente, persönliche Beratung durch das langjährig tätige Verkaufspersonal. Es könne sogar passieren, dass Kunden für die Auffrischung ihres einst gekauften Möbels nach vielen Jahren wieder von der gleichen Verkaufsperson bedient werden.

Mit den Kompetenzen wachsend

Während die Gründer der Genossenschaft Hobel schon 1951 von der «Kunst, mit wenig Mitteln schön zu wohnen» sprachen, bildete sich die Affinität zur Gestaltung beim Familienunternehmen Wohnform Tschümperlin AG mit der Firmenentwicklung über Generationen heraus. 1962 brachte der damalige Inhabersohn mit seinem Innenarchitekturstudium einen neuen Blick auf Gestaltung, Innenräume und Einrichtung in den Familienbetrieb.

Aus dem klassischen Schreinerbetrieb entstand Schritt für Schritt ein Unternehmen, das Handwerk und Gestaltung miteinander verband. Neun Jahre später wurde direkt neben den Produktionsräumen an der Käs- kuchengasse in Schwyz ein Möbelladen mit Geschenkboutique eröffnet. Neben der Schreinerei kamen damit der Möbelverkauf, Wohnaccessoires und Geschenkartikel als weitere Standbeine hinzu.

Mitte der Achtzigerjahre folgte, mit einem Innendekorateur in der Familie, noch das Handwerk der Polsterei. «Die Kombination aus handwerklichem Können, Innenarchitektur, Möbeln und persönlicher Beratung legte den Grundstein für das Konzept, für das unsere Firma bis heute steht», sagt Geschäftsleiter Fabian Tschümperlin. Er führt den Betrieb jetzt in der fünften Generation. Vergangenes Jahr feierte die Schwyzer Firma ihr 150-jähriges Bestehen.

Noch näher bei den Kunden

In Braunau im Thurgau gibt es seit 1984 die Schreinerei Hugentobler AG, die in den Bereichen Küche, Bad und Wohnen ihren festen Platz hat. Die Firma hat sich über die Jahre immer weiterentwickelt und verfügt inhouse über eine grosse, vielseitig ausgestattete Ausstellung. Die etwas dezentrale Lage der Firma bewog die Inhaber, an der Toggenburgerstrasse in der nahen Stadt Wil SG ein Ladenlokal zu übernehmen und als Showroom auszustatten.

Im März 2019 konnte die Vertretung in der Stadt eröffnet werden, was die Schreinerei näher an ihre Kunden bringen soll. «Hier präsentieren wir kreative Ideen, aktuelle Trends und individuelle Lösungen rund um Küche, Bad und Wohnen und bieten Raum für persönliche Beratung und Inspiration», sagt Geschäftsführer Tobias Hugentobler. Ziel ist es, Wohnideen erlebbar zu machen und den persönlichen Kontakt zur Kundschaft zu stärken. So wird die Showküche auch für Kochevents genutzt, bei denen Teilnehmer die Küche in einer besonderen Atmosphäre nutzen können.

Ein Laden sollte selbsttragend sein

Über den Nutzen des Verkaufsgeschäfts im Niederdorf sagt Lutz Kögler von Hobel: «Der Laden leistet viel für unsere Bekanntheit und Positionierung – etwas, das sich kaum exakt messen lässt – und bietet auch grosses Potenzial als Treffpunkt.» Trotzdem gelte eine klare wirtschaftliche Voraussetzung: Der Laden muss sich selbst tragen. Das sei heute erfüllt. «Wir können und wollen uns keinen repräsentativen Standort in der Altstadt ohne eigene Wertschöpfung leisten.»

Ohne klare Vorstellungen gehts nicht

Schreinern, die auch einen Laden eröffnen wollen, empfiehlt er das nur, wenn sie die Arbeit auch wirklich machen wollen. Es braucht eine klare Vorstellung davon, wie das Team den Menschen dort begegnen soll – eine Vorstellung, die einen selbst begeistert.

www.hobel.chwww.wohn-form.chwww.schreiner-hugentobler.ch

Andreas Brinkmann

Veröffentlichung: 15. Oktober 2026 / Ausgabe 42/2026

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