Ganz schön schräg!


1 Souveräne Schieflage: Die selbst gebaute Ständerbohrmaschine lässt sich von –10 bis +47 Grad schwenken. Bild: Sven Bürki


1 Souveräne Schieflage: Die selbst gebaute Ständerbohrmaschine lässt sich von –10 bis +47 Grad schwenken. Bild: Sven Bürki
In der Werkstatt mit Sven Bürki Nebst der Arbeit mit dem schönsten Werkstoff der Welt gehören das Optimieren und Tüfteln an Werkzeugen sowie Maschinen zu den liebsten Tätigkeiten von Fachredaktor Sven Bürki, wenn er in seiner Werkstatt steht. Dabei kann auch gleich mal eine völlig neue Maschine entstehen, wie das Beispiel der DIY-Ständerbohrmaschine in diesem Beitrag zeigt.
Zu behaupten, dass ich bei diesem Projekt immer davon überzeugt war, dass das Ganze am Ende auch funktionieren wird, wäre wohl gelogen. Tatsächlich habe ich während des Bauprozesses die Machbarkeit meiner unausgegorenen Ideen das eine oder andere Mal hinterfragt. Vielleicht hat mir meine, zugegebenermassen, doch recht planlose Herangehensweise aber gerade dabei geholfen, das Projekt auch wirklich fertigzustellen. Denn wenn mir der Aufwand im Vorfeld schon bewusst gewesen wäre, hätte ich wahrscheinlich gar nie damit begonnen. Dabei bin ich rückblickend, und nachdem meine DIY-Ständerbohrmaschine nun schon seit rund acht Jahren zuverlässig ihren Dienst tut, wirklich froh darüber, dass ich es getan habe.
Anstoss für das Projekt war der Umstand, dass ich damals keine Ständerbohrmaschine gefunden habe, die meinen Ansprüchen und Wünschen entsprach und die zu den Gegebenheiten in meiner Werkstatt beziehungsweise in mein damaliges Budget passte.
Eine Anforderung an die Maschine war für mich zu der Zeit klar gesetzt: So soll mit ihr auch mal eine Topfbandbohrung an einer Hochschrankfront gemacht werden können – und zwar einigermassen bequem und ohne grosse Umbauarbeiten oder unter Zuhilfenahme von Werkstattböcken. Deshalb schieden für mich alle Ständerbohrmaschinen, bei denen nur ein kleiner Bohrtisch als Auflage für das Werkstück dient, schon mal aus. Anscheinend hat sich diese Bauweise aber als Standard etabliert, weshalb es sehr schwer ist, eine Maschine zu finden, bei welcher der Maschinentisch als Fixpunkt dient und der Bohrhub in der Spindel oder dem Antriebsblock integriert ist. Radialbohrmaschinen oder Bohr-Fräsmaschinen aus dem Metallbereich hätten zwar die meisten meiner Anforderungen erfüllt, kosten allerdings schnell einmal mehrere Tausend Franken, was mein Budget zu der Zeit definitiv gesprengt hätte. Den letzten Anstoss zu meinem Eigenbau gab schliesslich ein Ricardo-Fundstück. Ein grosser Bohrständer von Fein schien mir eine Erfolg versprechende Grundlage für mein Projekt zu bieten. Eigentlich für den Einsatz einer Handbohrmaschine ausgelegt, sind solche Bohrständer normalerweise nur in überschaubarer Grösse zu finden. Mein erstandenes Exemplar brachte für mein Vorhaben aber mehr als ausreichende Dimensionen mit sich.
Mit dem Bohrständer alleine sind natürlich noch keine Löcher gebohrt. So stellte sich noch die Frage nach der Elektronik. Die offensichtlich einfachste und günstigste Lösung wäre natürlich die Verwendung einer Handbohrmaschine gewesen. Was einfach klingt, stellte sich in der Praxis jedoch als weniger einfach heraus. Tatsächlich scheiterte diese Variante daran, eine Maschine zu finden, die über dem Bohrfutter ausreichend Platz für die Manschette des grossen Bohrständers bietet. Vermutlich war dieser Bohrständer ursprünglich für die Verwendung mit einer Viergang-Bohrmaschine von Fein oder einer ähnlichen Maschine konzipiert. Allerdings hätte eine solche Bohrmaschine ebenfalls mit über tausend Franken zu Buche geschlagen, und die verfügbaren Drehzahleinstellungen waren für das Bohren in Holz im Übrigen auch ungeeignet. Auf meiner Suche nach möglichen Alternativen stolperte ich letztlich über die Ständerbohrmaschine «PBD 40» von Bosch. Mit 710 Watt Leistungsaufnahme, Zweiganggetriebe, LED-Beleuchtung, digitaler Tiefen- sowie Drehzahlanzeige und einem Positionslaser bot die Maschine ausreichend Leistung für meine Zwecke und gleichzeitig einige praktische, zusätzliche Funktionen. Einzig die grüne Farbe der Maschine machte mir etwas Sorge. Schliesslich steht das Grün für die Heimwerker-Linie von Bosch, was bei mir einige Bedenken bezüglich der Qualität und Langlebigkeit der Bauteile auslöste.
Letztlich waren für mich aber die geringe Baugrösse sowie der Preis ausschlaggebend, denn für die etwas über 300 Franken, welche die Maschine damals kostete, hatte ich einen funktionierenden Antrieb und alle nötigen Bedienelemente – inklusive eines Notausschalters. Ausserdem war ich einigermassen zuversichtlich, dass sich alle Komponenten auch wieder funktionsfähig in meinen Eigenbau unterbringen lassen.
Spätestens als ich die «PBD 40» komplett in ihre Einzelteile zerlegt hatte, stellte ich das ganze Projekt aber nochmals stark infrage. Glücklicherweise ging es trotzdem laufend in kleinen Schritten voran, und ich konnte alle Probleme und Herausforderungen, die während des Bauprozesses auftraten, auf die eine oder andere Weise lösen. Zugegeben, zuweilen etwas improvisiert, aber bei einem solchen Projekt geht das wohl auch nicht ohne Improvisation.
Die Elektronik der «PBD 40» liess sich gut zwischen den Auslegern des Fein-Bohrständers unterbringen. Anders als beim Original, bei dem das Bohrfutter direkt auf der Motorwelle sitzt, wählte ich die Übertragung per Zahnrad auf eine separate Welle (auf Bild Nr. 4 zu sehen). Diese habe ich mir von einem befreundeten Polymechaniker drehen lassen.
Durch den grossen Abstand zwischen den beiden Auslegern des Bohrständers bzw. zwischen den beiden Lagerpunkten der Welle verfügt die Maschine nun über eine tolle Rundlaufgenauigkeit. Allerdings habe ich das Bohrfutter der «PBD 40» bald einmal durch ein neues ersetzt, da die Präzision des Futters nicht mit derjenigen der Welle mithalten konnte. Die Bedienelemente der Ständerbohrmaschine konnte ich alle übernehmen und somit auch die zusätzlichen Funktionen weiterhin nutzen. Einzig bei der digitalen Messung der Bohrtiefe ist es mir nicht gelungen, diese funktionsfähig in meinen Eigenbau zu integrieren. Damit die Bohrtiefe dennoch einfach und schnell eingestellt werden kann, habe ich ein Segment eines Doppelmeters zweckentfremdet (siehe Bild Nr. 4). Eine Manschette an der Säule des Bohrständers sorgt für die Tiefenbegrenzung, welche sich dank einer Rändelschraube erfreulich präzise einstellen lässt (siehe Bild Nr. 9).
Bei den Überlegungen zur Montage des Bohrständers an der Wand tauchte irgendwann die Idee auf, das Ganze schwenkbar auszuführen. Die Möglichkeit, Löcher in einem beliebigen Winkel zu bohren, würde die Flexibilität der Maschine zusätzlich erhöhen, so mein Gedanke. Diese Umsetzung war für einmal recht simpel. So ist der Bohrständer auf einer Platte befestigt, welche unten drehbar gelagert ist und sich dank einer T-Nutschiene und Klemmhebeln in jedem gewünschten Winkel zwischen –10 und +47 Grad arretieren lässt. Durch die Konstruktion konnte ich zudem nochmals einige Zentimeter an Ausladung herausholen, womit für Werkstücke mit bis zu 35 Millimeter Stärke rund 470 Millimeter an Ausladung zur Verfügung stehen. Ausserdem ist das Bohren von Löchern in grossformatigen Werkstücken dank der grossen Arbeitsplatte, die sich die Ständerbohrmaschine mit meiner Kappsäge teilt, auch ohne zusätzliche Auflagen kein Problem.
Eine Grenze setzte mir der Bohrständer bei der Bohrhöhe. Wollte ich mit einem kurzen Bohrer oder einem Kegelsenker auch dünne Werkstücke erreichen, war ein Abstand von 305 mm zwischen Arbeitsplatte und Bohrfutter aufgrund der Säulenlänge des Bohrständers das mögliche Maximum. In den acht Jahren seit der Fertigstellung war dies aber nur einmal nicht ausreichend.
Damit sich die Höhe einfach verstellen lässt und die Maschine auf der runden Säule in Position bleibt, habe ich die Konstruktion an einer Gewindestange geführt (siehe Bild Nr. 8). Mithilfe einer Übersetzung sowie eines Winkelgetriebes erfolgt die Höhenverstellung nun bequem per Handkurbel. Die ganze Mechanik hat bis heute problemlos funktioniert. Allerdings würde ich rückblickend keine Gewindekomponenten aus Edelstahl mehr verwenden. Das Material neigt zum Festfressen, wenn zu viel Belastung auf das Gewinde wirkt. Dieser Umstand war mir damals nicht bekannt, und so hoffe ich, dass regelmässiges Schmieren einem Festsetzen der Komponenten auch weiterhin entgegenwirken kann.
So aufwendig und kompliziert das Projekt zuweilen auch war, so sehr freue ich mich auch heute noch über die Möglichkeiten, die mir meine DIY-Ständerbohrmaschine bietet. Über die Jahre hat sich lediglich einmal eine Madenschraube beim Antriebszahnrad gelöst, ansonsten hatte ich bisher keine Defekte oder Probleme.
Zu einem runden Gesamtpaket tragen auch die Absauglösung bei, mit welcher der Staub und die Späne direkt beim Entstehen abgesaugt werden können, sowie das Anschlagsystem mit integrierten Massskalen.
So macht das Arbeiten Spass.
Veröffentlichung: 15. Oktober 2026 / Ausgabe 42/2026
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