Die Kunst der unsichtbaren Verbindung


Winkelsauger und eine korrekt platzierte UV-Lampe sind bei der Glasverklebung unverzichtbar. Bild: Michi Läuchli


Winkelsauger und eine korrekt platzierte UV-Lampe sind bei der Glasverklebung unverzichtbar. Bild: Michi Läuchli
Uv-kleben. Präzise Glasverklebungen mit UV-Kleber gelingen nur mit der richtigen Vorbereitung, einer spannungsfreien Konstruktion und gezielter Aushärtung. Fehler verzeiht das Verfahren dabei kaum.
Schreinerinnen und Schreiner arbeiten mühelos mit den unterschiedlichsten Materialien, darunter auch Glas. Für Vitrinen im Ladenbau, Duschkabinen und Spiegelschränke im Bad ist der transparente Werkstoff unverzichtbar. Konventionell werden Glas-Glas- respektive Glas-Metall-Verbindungen mittels UV-Kleben realisiert. Die Methode gilt als präzise und optisch hochwertig. Der Kleber ist klar wie Glas selbst und nach der Aushärtung extrem hart. Gleichzeitig ist es ein Verfahren, das wenig Fehler verzeiht und ein sauberes, kontrolliertes Vorgehen verlangt. Wer Glas mit UV-Klebstoffen verarbeitet, braucht deshalb ein klares Verständnis für Material und Prozess. «Man kann jede Menge falsch machen, daher ist sorgfältiges Arbeiten und strukturiertes Vorgehen so wichtig», sagt Dieter Biolik. Er arbeitet seit über 18 Jahren als Anwendungstechniker bei der Bohle AG, einem spezialisierten Hersteller von Produkten für die Glasverarbeitung in Haan (D).
Trotz der Komplexität lässt sich das Thema gemäss Biolik auf drei zentrale Grundsätze reduzieren:
Um das Klebeverfahren zu verstehen und praktisch zu erleben, nahm die Schreinerzeitung bei der Glaswerk AG in Wittenbach SG einen Augenschein. Die Firma ist auf die Montage von Bürotrennwänden, Wintergärten, Vordächern sowie Duschverglasungen spezialisiert. Dort erklärt Mitinhaber Sandro Mazenauer die Technik des UV-Klebens anhand zweier Musterbeispiele: einerseits eine Glas-Glas-Verklebung mit UV-Aushärtung. Und andererseits eine Glas-Metall-Verklebung, bei der statt UV-Strahlen ein Aktivator für Haftung sorgt.
Zunächst geht es um die Sauberkeit der zu verklebenden Glasfläche. Der erste Grundsatz ist einfach und sollte eigentlich jedem bekannt sein, denn er ist entscheidend für die Haftung, wird aber in der Praxis dennoch oft unterschätzt. «Selbst frisch geliefertes Glas ist nicht automatisch sauber. Es wurde transportiert, gelagert und angefasst – der Oberflächenzustand ist also unbekannt», sagt Mazenauer. Wer zuverlässig kleben will, muss Glas also aktiv vorbereiten. Die Reinigung erfolgt idealerweise mit geeigneten Spezialreinigern. Dabei entsteht ein oft übersehener Effekt: Durch die Verdunstung kühlt die Oberfläche ab. Diese Abkühlung kann dazu führen, dass sich Feuchtigkeit aus der Luft als Kondensat auf dem Glas niederschlägt. «Diese dünne, unsichtbare Schicht wirkt wie eine Trennschicht. Wird darauf geklebt, fehlt später die direkte Verbindung zum Material, und die Klebung versagt», erklärt Biolik. Um das zu verhindern, wird die Oberfläche nach der Reinigung mit einer Heissluftpistole leicht erwärmt. Dadurch verdunstet die Restfeuchte, und Staubpartikel werden entfernt. Dieser Schritt ist in der Praxis entscheidend, wird aber häufig ausgelassen – mit entsprechenden Folgen.
Beim zweiten Grundsatz und gleichzeitig nächsten Schritt geht es um die Konstruktion: Die Bauteile müssen spannungsfrei zusammengefügt werden. «Was im Holzbau mit Zwingen üblich ist, kann beim Glas problematisch sein. Klemmkräfte erzeugen Spannungen im Material und beeinträchtigen die Klebefuge», sagt Biolik. Werden Bauteile unter Druck gefügt, entstehen innere Kräfte, die sich später negativ auf die Klebung auswirken können. Entscheidend ist deshalb eine präzise Passung der Teile. UV-Klebstoffe gleichen keine Ungenauigkeiten aus und sind keine Spaltfüller. Sie verbinden nur das, was korrekt zusammenpasst. Die optimale Schichtdicke liegt im Bereich von wenigen Zehntelmillimetern. Ist die Schicht zu dick, verliert der Klebstoff an innerer Festigkeit. Die Verbindung versagt dann im Klebstoff selbst. «Kleben wir zum Beispiel eine Vitrine, geben wir bei der Bestellung explizit an, wie genau die Masse sein müssen, sonst haben wir keine Chance, die Teile miteinander zu verkleben», sagt Mazenauer. Wird Glas-Glas geklebt, müssen die Teile so fixiert werden, wie sie später zu stehen kommen.
Das Sortiment an UV-Klebstoffen ist relativ gross, folglich müssen vor der Wahl des Klebstoffs die Eigenschaften des zu verklebenden Materials und die Anforderungen an die Verbindung abgeklärt werden. Bei Verbundsicherheitsglas etwa ist ein UV- und lichthärtender Klebstoff erforderlich, da die Folie zwischen den Scheiben das UV-Licht teilweise blockiert.
Für das Musterbeispiel verleimt Mazenauer zwei normale Floatgläser, die er mittels Winkelsauger präzise miteinander fixiert und ausrichtet. Anschliessend appliziert er den Klebstoff mit der Dosiernadel entlang der Kante, woraufhin dieser dank der Kapillarwirkung selbst in die Fuge einzieht. Für eine ordentliche Verklebung wird eine gleichmässige Fuge ohne direkte Kontaktstellen vorausgesetzt. Diese sind mit dem Auge kaum sichtbar, können aber später zu Problemen führen, weil der Klebstoff das Glas nicht anheben kann und sich einfach verläuft. «Beim Aushärten schrumpft der Klebstoff leicht. Um das zu kompensieren, zieht er frisches Material von der Fase nach, wo Material angegeben wurde. Von der Gegenseite ist dies nicht möglich, weil er nur von Anfang der Fase her kapelliert. «So kann es passieren, dass sich der Klebstoff auf der Gegenseite zurückzieht und sogenannte Hungerblasen entstehen», erklärt Dieter Biolik. «Plötzlich sieht man eine Blase, obwohl vorher alles perfekt war.» Das lässt sich vermeiden, indem man den Unterdruck beim unteren Sauger wegnimmt; damit entspannt sich der O-Ring der Fixierhilfe und hebt das Glas eine Winzigkeit an, und der Klebstoff kann sich besser verteilen. «Deswegen soll genügend Klebstoff appliziert werden, grundsätzlich einseitig von einer Seite, um ebenfalls das Einschliessen von Luft zu verhindern.» Bei der Musterverklebung von Mazenauer funktioniert die Klebstoffverteilung problemlos ohne das Lösen des Saugers.
Der dritte Grundsatz ist spezifisch für UV-Klebstoffe: «Die Klebstoffschicht muss in allen drei Dimensionen gleichmässig ausgehärtet werden», sagt Biolik. Anders als klassische Leime reagiert UV-Kleber nicht von selbst, sondern erst unter gezielter Bestrahlung mit Licht. Das bringt einen grossen Vorteil: eine praktisch unbegrenzte offene Zeit. «Ich kann den Klebstoff wochenlang flüssig lassen. Er reagiert erst, wenn ich es will.» Nach dem Klebstoffauftrag nimmt Mazenauer nun die UV-Lampe und richtet sie an den vorbereiteten Glaswinkel. Für eine erste Fixierung der Verbindung sind lediglich ein paar Sekunden gezielte Lichtbehandlung nötig, eine zweite wenige Minuten lange Nachbehandlung genügt für die Aushärtung. Überschüssiges Material kann schliesslich einfach mit einem Reinigungsschaber entfernt werden.
Diese Vorteile gelten jedoch nicht uneingeschränkt für alle Anwendungen. Sobald beispielsweise Grundplatten aus Metall an Spiegel geklebt werden müssen, wie beim zweiten Musterbeispiel, stösst das Verfahren an seine Grenzen, weil das UV-Licht die Klebefuge nicht richtig oder nur bedingt erreicht und die Aushärtung nicht gewährleistet ist. Dann kommen andere Systeme zum Einsatz, meist Zweikomponentenkleber, die chemisch und ohne UV aushärten. Metalle lassen sich zwar grundsätzlich mit Glas verkleben, benötigen jedoch eine angepasste Vorbehandlung. «Aluminium ist besonders anspruchsvoll, da es sofort eine Oxidschicht bildet, die die Haftung beeinflusst», sagt Biolik. Eine bewährte Methode ist das patentgeschützte Pyrosil-Verfahren. Dabei wird die Oberfläche zunächst mit einer Flamme behandelt, wodurch eine reaktive Schicht entsteht. Anschliessend wird ein Aktivator aufgetragen. Diese Kombination verbessert die Haftung deutlich und erhöht die Beständigkeit der Verbindung gegenüber Feuchtigkeit. «Grundsätzlich sind Klebeverbindungen immer empfindlich gegenüber eindringender Feuchtigkeit», sagt Alexander Schilling, der bei dem Glas verarbeitenden Betrieb Galvolux AG in Bioggio TI in der Forschung und Entwicklung tätig ist. «Doch Zink-Druckgusslegierungen, etwa Zamak, sowie vernickelte Oberflächen zeigen in der Praxis gute Ergebnisse, wenn sie korrekt vorbereitet werden.» Wo direkter Wasserkontakt besteht, raten die Fachleute jedoch von UV-Verklebungen ab.
Für Beispiel zwei nimmt Mazenauer nun die Metallplatte, putzt diese mit dem Spezialmittel und appliziert dann den Aktivator. Anschliessend trägt er den Klebstoff auf die Platte auf und positioniert den Beschlag auf der Glasscheibe. «Weil die Aushärtung relativ rasch erfolgt, ist eine gute Vorbereitung wichtig», sagt Matzenauer. Um die Grundplatte am gewünschten Ort zu positionieren, hat er zwei Metallstreichmasse eingestellt und platziert. Nach dem Festhalten bindet der Klebstoff innert ein paar Minuten ab, und das überstehende Material lässt sich einfach entfernen.
Die Zeit nach dem Kleben ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Viele Klebstoffe erreichen bereits nach wenigen Stunden einen grossen Teil ihrer Endfestigkeit. Das bedeutet, dass die Bauteile vorsichtig gehandhabt oder transportiert werden können. Die vollständige Aushärtung erfolgt jedoch erst nach etwa 24 Stunden. Erst dann ist die maximale Festigkeit erreicht. In dieser Zeit sollte auf starke Belastungen verzichtet werden, um die Verbindung nicht zu gefährden.
In Bezug auf die mechanische Belastbarkeit zeigen korrekt ausgeführte Verklebungen sehr hohe Werte. «Je nach Verklebung liegen die gemessenen Drehmomente deutlich über 150 Newtonmetern», sagt Alexander Schilling. Damit ist die Klebeverbindung in der Regel nicht der Schwachpunkt des Systems. Vielmehr sind es die Beschläge und Scharniere, die die Belastungsgrenze bestimmen. Deshalb ist die richtige Dimensionierung der Beschläge entscheidend. «Je nach Grösse und Gewicht der Konstruktion empfehlen wir Kunden, mehrere Scharniere einzusetzen, um die Kräfte gleichmässig zu verteilen», sagt Schilling.
Ein weiterer Punkt betrifft Reparaturen oder Korrekturen von Verklebungen. Während sich einzelne geklebte Komponenten, etwa Grundplatten auf Spiegeln, unter Umständen mit Wärme wieder lösen lassen, ist dies bei komplexeren Konstruktionen wie Glasvitrinen kaum möglich. Man kann versuchen, die Gläser respektive die Klebefuge mittels Heissluftföhn zu erweichen und die Fuge zu lösen. «Bei Glasvitrinen würde ich dies aber nicht empfehlen, da das in etwa 90 Prozent der Fälle nicht funktioniert und die Gläser kaputtgehen», sagt Schilling.
Veröffentlichung: 02. April 2026 / Ausgabe 14/2026
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