Die Sicherung im täglichen Aufstieg

Bild: Odermatt Holzprofile AG

Handläufe.  Ob repräsentativ oder eher dezent, Handläufe müssen dem Treppenlauf exakt folgen, ergonomisch passen und Sicherheit bieten. Mit deren Herstellung befassen sich entsprechend spezialisierte Firmen, mit denen Schreiner auch in Absprache zusammenarbeiten können.

Jeder, der eine Treppe benutzt und gerade nicht ganz sicher auf den Beinen ist oder gerne eine haptische Führung hat, ist dankbar, wenn es einen griffigen Handlauf gibt, der exakt im konstanten Abstand dem Verlauf der Stufen folgt. Ja, und auch wer stolpert, freut sich über eine Rettungsmöglichkeit.

Spezialisierte Handlaufhersteller

Je mehr schon eine Treppe als eigentliche Raumskulptur wahrgenommen wird, desto anspruchsvoller ist die Formfindung und dann auch die Herstellung des dazu passenden Handlaufs, was dann oft ein Fall für Spezialisten ist. Selbst bei geraden Treppen, die von Podest zu Podest führen, wird eine visuell und auch haptisch ansprechende sowie griffige Wirkung erwartet.

Die Stahel + König AG aus Hinwil ZH bietet beispielsweise ein grosses Angebot an geraden Handlauf-Standardprofilen, die bis zu 4800 mm und optional sogar 6000 mm lang sein können. Die Möglichkeit, auf über 35 Holzarten zugreifen zu können, und dass auf Wunsch auch individuelle Spezialanfertigungen machbar sind, öffnet dem Kunden ein breites Feld an Lösungen.

Auch Unmögliches hat eine Chance

Auch die Woodwork AG aus Huttwil BE ist auf gerade Handlaufprofile spezialisiert. Die Profilfräsautomaten arbeiten im Durchlauf mit bis zu 13 Spindeln. Bei grösseren Profilquerschnitten oder wenn eine einwandfreie Geradlinigkeit gewünscht wird, hilft die Hochfrequenz-Verleimtechnologie der Firma, die Lamellen fast unsichtbar zu verleimen. Die Fräs- und Leimverfahren zusammen ermöglichen dann auch, dass vermeintlich unmögliche Querschnitte reproduzierbar sind und effizient hergestellt werden können.

Besonders die Anfragen nach individuellen Profilquerschnitten beschäftigen auch die Odermatt Holzprofile AG in Ennetbürgen NW. Wie die beiden vorgenannten Betriebe fertigt die Firma gerade Profile im Durchlauf und auf Wunsch mit allen zusätzlichen Bearbeitungen an, inklusive Beschichtung, und verfügt ebenso über eine eigene Werkzeugherstellung. Die Schaffung eigener Spezialwerkzeuge für Sonderprofile erlaubt, praktisch jeden Wunsch innert nützlicher Frist exakt umsetzen zu können. Nur, erfüllt auch jeder neue Profilentwurf, der beispielsweise von einem Architekten entworfen wurde, alle gestellten Ansprüche? Neue Werkzeuge kosten schnell weit über 1000 Franken und dann muss damit erst noch ein Prototyp hergestellt werden.

Damit Profile schnell überprüft und optimiert werden können, arbeitet die Odermatt Holzprofile AG im Planungsbereich mit einem 3D-Drucker. Damit lassen sich für meistens unter 150 Franken kurze Handlaufsegmente herstellen, womit der Kunde eine grosse Planungssicherheit erhält.

Einfache Pläne können genügen

Für gerade Handläufe genügen zweidimensionale Pläne und selbst Skizzen. Auch Fotos vom Einbauort können hilfreich sein. Allenfalls müssen vom Hersteller dann noch die Querschnitte leicht angepasst werden, damit diese technisch sinnvoll und wirtschaftlich produzierbar sind.

Das Aufmass erfolgt in der Regel durch den Schreiner, welcher auch den gewünschten Fertigungsgrad vorgibt. Konventionelle Messmethoden führen aber bei fortlaufenden Elementen schnell einmal zu Ungenauigkeiten. Simon Odermatt von der Odermatt Holzprofile AG macht daher darauf aufmerksam: «Je nach Eckdetails der Montage ist eine bauseitige Anpassung durch den Schreiner-Monteur bei durchlaufenden Handlaufprofilen unumgänglich.»

Um enge Kurven muss gefräst werden

Besonders in öffentlich zugänglichen Bauten benötigen in der Regel auch gerade Handläufe an ihren Enden und bei den Übergängen der Treppenelemente Krümmlinge, damit diese schon auf den Podesten ergriffen werden können. Diese Segmente werden dann aus Vollholz passend zu den Profilen gefräst.

Die R. König Holz GmbH in Wil SG fertigt als Drechslerei nicht nur die Geländerstaketen, sondern auch die Handlaufkrümmlinge. Dank CNC-Frästechnik ist eine durchgängige Genauigkeit von der Planung am Computer und dem digitalen Aufmass bis zum Endprodukt möglich, was somit auch eine hohe Wiederholgenauigkeit garantiert. Es versteht sich von selbst, dass angelieferte Daten dem entsprechen müssen. Ansonsten bietet der Hersteller die Möglichkeit, eigene Messungen in 3D vorzunehmen oder, bei historischen Elementen, diese einzuscannen.

Formverleimt um steigende Kurven

Digitale Daten werden mittlerweile in allen Handlaufbereichen gefordert, wenn diese um grössere oder kleinere Kurven gehen sollen. Das erlaubt wesentlich schnellere und genauere Arbeiten. Während über einem Podest der Bogen rein horizontal verläuft, was auch mit konventionellen Methoden noch gut machbar ist, kommt im Stufenbereich noch die Steigung dazu.

Bei der Bachmann Holz in Form GmbH in Uznach SG werden unter anderem solche Handläufe aus Lamellen formverleimt. Anspruchsvoll ist dann auch die anschlies- sende Fräsung des gewünschten Profils. Lamellenverleimte Elemente eignen sich für Bögen ab 300 mm Radius und sind oft bei Wendeltreppen anzutreffen.

Der Vorteil solcher Produkte liegt in der gleichmässig durchlaufenden Holzstruktur und der hohen Stabilität, die sich mit der Formverleimung ergeben. Wie weit die Leistung der Firma geht, hängt dann stark von den Wünschen und Möglichkeiten des Auftraggebers ab. Grundsätzlich ist ein Gesamtpaket erhältlich, das mit der Massaufnahme mit Scanner beginnt, die vollständige Herstellung mit Bearbeitungen und Beschichtung enthält und auch die Montage vor Ort beinhaltet.

Wie auf Mass gewachsen

Wenn es dann um den absoluten Premiumbereich geht, müssen Handläufe mit dampfgebogenem Holz gefertigt werden. Nur so sind Holmen mit perfekt durchlaufenden Fasern ohne Leimfugen möglich.

Die Winkler Holzbiegewerk AG in Felsenau AG beschäftigt sich schon seit 20 Jahren tiefer mit geschwungenen Massivholz-Handläufen. Erst nach 2 bis 3 m ist bei solchen Handlaufholmen wieder eine Stossfuge nötig.

Der Firmeninhaber Roman Winkler stellt fest, dass die Nachfrage nach Handläufen für Spindel- oder Wendeltreppen stark zugenommen hat. Es besteht ein Wunsch nach dem nachhaltigen, warmen Werkstoff Holz und dessen besonderer Haptik. Entsprechend wird die Oberfläche meistens geölt. Oft geht es auch um den Ersatz alter Handläufe aus Metall oder mit Kunststoffauflage. Das momentan bevorzugte Profil ist bei allen Herstellern rund und hat einen Durchmesser von 40 mm.

Für eine Offerte reichen zunächst vermasste Pläne und Fotos. Sobald es dann aber ernst wird, werden 3D-Daten benötigt – zum Biegen, dem allfälligen Anfertigen von Schablonen sowie zum anschliessenden Fräsen der vielleicht auch sehr komplexen Profile. Der Hersteller bietet daher ein digitales Aufmass an.

Es gibt noch eine einfachere Lösung

Nicht in jedem Fall muss für einen durchlaufenden, gebogenen Holzhandlauf die- ser Aufwand betrieben werden. Für eine ganz normale Wendeltreppensituation mit 40-mm-Rundprofilen gibt es laut Roman Winkler keine rationellere Technik als «Bendywood». Das ist ein Patent-Biegeholz, welches in der Länge zusammengestaucht wurde und bei dem sich beim konkreten, einmaligen Biegen die entsprechenden Holzfasern wieder auseinanderziehen. Die Methode eignet sich vor allem für Rundprofile.

Nach dem Setzen der Konsolen wird der Handlauf vor Ort gebogen und provisorisch mit Kabelbindern befestigt. Es braucht etwas Zeit, bis sich das Holz in der neuen Form verfestigt. Da es sich dabei etwas zusammenzieht, müssen das Ablängen, die Abschlüsse, die Oberflächenbehandlung und die Befestigung noch etwas warten. Das wird dann gerne von den Schreinern selbst gemacht.

www.st-k.chwww.woodwork.chwww.odermatt.chwww.rkholz.chwww.holzinform.comwww.holzbiegen.ch

Andreas Brinkmann

Veröffentlichung: 29. Januar 2026 / Ausgabe 5/2026

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