Die Sitzfläche wuchs als Pilz heran


Bild: Alice Eichenberger


Bild: Alice Eichenberger
Alice Eichenberger ist 25 Jahre alt und wohnt in Basel. Sie ist im dritten Lehrjahr bei der Bard International AG in Allschwil BL.
Alice eichenberger: Ich habe am Lehrlingswettbewerb der VSSM-Sektionen Basel-Stadt und Baselland teilgenommen. Dafür wollte ich ein biologisch abbaubares Möbel herstellen. Der Hocker kommt ohne Leim und Schrauben aus, er ist nur gesteckt.
Vor Jahren habe ich ein Titelbild von «20 Minuten» gesehen, das mich fasziniert hat. Ein Designer hatte einen Stuhl gemacht, aus dem Pilze wuchsen. Pilze sind ein interessantes Baumaterial, auf das ich hinweisen wollte. Sie sind leicht, biologisch, brandhemmend, tragen einiges an Gewicht und wachsen in jede Form hinein. Das macht sie auch für die Schreiner- und die Baubranche interessant. Ich habe viel über Pilze gelernt. Zuerst wollte ich den Pilz selber züchten, doch ich habe nicht die nötige Qualität hingekriegt. Viele der Pilze sind verschimmelt oder wurden nicht fest genug. Also habe ich den nun verwendeten Pilz bestellt – als bereits mit Pilz besiedelte Holzspäne, die ich in meine Form füllte.
Nein, ich fand Pilze zu züchten faszinierend. Ich musste steril arbeiten, sodass keine Keime in den Pilz gelangten. Trotzdem weiss man nie, wie es herauskommt. Der Pilz ist ein Lebewesen, und ich musste mich oft nach ihm richten. Er hat nicht immer gemacht, was ich wollte. Pilzzucht ist eine komplizierte Sache.
Nein. Mein Hocker ist aus einem Speisepilz. Zudem besteht die Sitzfläche nur aus dem Wurzelwerk und hat keine Fruchtkörper. Diese sind das, was man normalerweise als Pilze kennt. Sie sind es, die die Pilzsporen verbreiten. Das kann bei meinem Hocker nicht passieren. Zudem habe ich den Pilz sicherheitshalber abgetötet und ihn im Ofen bei 90 Grad Celsius erhitzt.
Das erfahre ich erst bei der Prämierung Mitte Oktober.
Ich finde es super. Ich habe bereits die Matura und dann ein Studium gemacht. Ich habe den Bachelor in Fran- zösisch und Medienwissenschaften. Doch das ist mir verleidet. Ich wollte raus aus dem Büroalltag.
Veröffentlichung: 01. Oktober 2020 / Ausgabe 40/2020
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