Ein Bergler baut Boote


Cédric Bittel (20) restauriert ein Holzboot, das rund 200 Meter tief auf Grund lag. Bild: Caroline Mohnke


Cédric Bittel (20) restauriert ein Holzboot, das rund 200 Meter tief auf Grund lag. Bild: Caroline Mohnke
Leute. Boote in allen Grössen, Formen und Farben stehen vor dem grossen Gebäude, wenn man im Industriequartier Fänn in Küssnacht am Rigi zur Werft «Weiss Yachts» fährt. Der Eingang zur Werft ist etwas versteckt hinter einem grossen Boot.
«Bootbauer ist ein vielseitiger Beruf», erzählt der 20-jährige Cédric Bittel, der zusammen mit einer jüngeren Schwester in Zermatt aufgewachsen ist. Er wohnt abwechselnd in Zermatt bei seinen Eltern und in Schwyz bei der Grossmutter. «Wir arbeiten viel mit Holz, kennen die Holzarten, arbeiten aber auch mit Elektronik und Metall.» Bei jedem Wetter seien sie draussen: «Manchmal holen wir ein Segelboot bei dichtem Nebel.» Diese sind nicht mit einem Nebelhorn ausgerüstet. Da heisst es, das Tempo anpassen und auf Sichtweite fahren. Auch bei Sturm gibt es Einsätze. Doch der gebürtige Walliser ist darin geübt. Für den Lehrabschluss als Bootbauer EFZ braucht es die Segelprüfung und die Motorbootprüfung. Mit etwa 14 Jahren hat ihn sein Vater zum Segeln mitgenommen und an Regatten. «So bekam ich Freude an Booten und am Wassersport und kam auf die Idee, Bootbauer zu lernen.» Nebst Freude am Wassersport brauche es dazu handwerkliches Geschick, technisches Verständnis, genaue Arbeitsweise, räumliches Vorstellungsvermögen und vor allem eine gesunde, kräftige Konstitution und körperliche Beweglichkeit. Lehrstellen für diesen Beruf sind in der Schweiz rar.
Cédric Bittel mag den Winter genauso wie den Sommer: «Im Winter gehe ich jedes Wochenende nach Zermatt zum Skifahren.» Im Sommer bleibt er in der Innerschweiz. Er klettert, schwimmt gerne, fährt Mountainbike und spielt Hockey. Die Innerschweiz empfindet er als ruhig: «In Zermatt ist immer etwas los.» Doch er mag beides. Die strengsten Zeiten im Beruf seien jeweils der Herbst und der Frühling. Die Boote müssen im Herbst ausgewassert werden und im Frühling eingewassert. Der Kundenstamm reiche vom Zugersee über den Vierwaldstättersee bis zum Bodensee. Cédric Bittel arbeitet derzeit an einem Oldtimer und sagt: «Dieses Boot lag 200 Meter tief auf Grund. Die Renovation macht Freude. Da sind unter anderem filigrane Holzarbeiten angesagt. Meine Arbeit besteht hauptsächlich aus Restaurations- und Renovationsarbeiten. Es ist schön, aus etwas Altem etwas Neues zu machen», sagt er und erinnert sich an den Beginn der Lehrzeit: «Während anderthalb Jahren haben wir ein Boot von Grund auf renoviert.» Im vergangenen August hat Bittel die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, und im September holte er an den Schweizer Berufsmeisterschaften «Swiss Skills» in Bern den vierten Platz. An den Swiss Skills in Bern nahmen rund 1100 Berufsleute aus 92 Berufen teil. Er erinnert sich gern an den Wettkampf in Bern: «Es waren vier intensive Tage. Am ersten Tag nahm ich die Leute rundherum noch wahr, an den weiteren drei Tagen war ich so im Arbeitsflow, dass ich nichts mehr um mich herum registrierte», sagt er lachend. Jeder Arbeitsschritt musste sitzen. Er hat ein Carbonschalenboot anfertigen müssen mit einem Holzdeck. «Der Zeitdruck war enorm. Du musst immer ein Tagesziel erreichen.» Cédric Bittel träumt nun davon, irgendwann für eine bis zwei Saisons beim Schweizer Profisegelteam «Black Stars» als Bootbauer anzuheuern.
Veröffentlichung: 02. Februar 2026 / Ausgabe 5/2026
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