Ein Hölziger und das liebe Federvieh

Christian Muheim (51) bei den Truthähnen, die tagsüber auf der Weide freien Auslauf haben. Bild: Caroline Mohnke

Leute. «Als ich noch ein Kind war, hatten wir zwei ‹Färli› auf dem Hof», erzählt Christian Muheim am Esstisch seiner Küche in Greppen LU mit einem prächtigen Blick auf den Pilatus, den Vierwaldstättersee und die schneebedeckten Alpen.

Da das Fleisch von Ferkeln sehr fetthaltig sei, habe seine Mutter vor etwas mehr als 40 Jahren mit der Trutenzucht begonnen. «Damals hielten wir Gänse und Truten für die Selbstversorgung.» Muheim ist mit vier Schwestern und zwei Brüdern auf dem Bühlhof, am Fuss der Rigi aufgewachsen. «Mein Grossvater, ein Urner aus Unterschächen, kam vor 82 Jahren mit der Familie hierher, da war mein Vater einjährig.» Heute lebt Muheim mit seiner Frau und den drei Söhnen auf dem Hof und führt den Betrieb in dritter Generation. Begonnen hatte er seine berufliche Laufbahn mit der Kantonsschule, entschied sich aber nach drei Jahren für eine Schreinerlehre. Danach folgte die RS und dann ein Bauernlehrjahr. Die Muheims halten elf Milchkühe. Im Sommer sind die Kühe auf der Alp Surenen im Urnerland. Auf dem Bühlhof gibt es auch Beeren: Himbeeren, Brombeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren und Jostabeeren. «Im Hofladen sind die Beeren als Brotaufstriche, Sirup und Likör erhältlich.» Seit einigen Jahren fänden sogar Kunden aus Ländern wie Kuwait seinen Hof, sagt er lachend. «Dank der Beerentafel an der Hauptstrasse nach Weggis.»

Nach Abschuss der Beerensaison Ende September dreht sich dann fast alles um die Truthähne. Die Nachfrage sei gross. «Heute habe ich rund dreimal mehr Bestellungen als noch vor zehn Jahren, auch wegen des Erntedankfestes der Kanadier und US-Amerikaner.» So schätzen nebst der Schweizer Kundschaft auch Truthahnliebhaber aus Kanada, England, Mexiko und den USA sein Geflügel. Auf Wunsch liefert Muheim auch ganze Vögel. Denn der «Turkey», der in den USA und in Kanada an Thanksgiving und an Weihnachten längst Tradition ist, gelange nun auch in der Schweiz an Weihnachten vermehrt auf den Tisch.

Dass er eine Schreinerlehre gemacht habe, kommt ihm immer wieder zugute: «Beim Anbau an unserem Haus habe ich die Holzarbeiten gemacht.» Schon während der Lehrzeit hat er sich eine alte Olma-Kehlmaschine ersteigert. «Ab und zu kommt sie noch zum Einsatz», erzählt der 51-Jährige. An der Sennenchilbi Weggis ersteigerte er einmal den Kletterbaum. «Dieser kam direkt in die Sägerei; daraus fertige ich die Holzkistchen für die Wellnessprodukte von ‹Natur Rigi›, die es in unserem Hofladen gibt.» Seine Eltern, die im Dorf wohnen, helfen immer noch mit. «Mein inzwischen 83-jähriger Vater schaut regelmässig zu den Geissen und den Kühen, die Mutter hilft bei der Fleischverarbeitung.» Der grösste Teil des Trutenfleischs gehe an Privathaushalte. «Wir beliefern aber auch Restaurants in der Region.»

«Seit meine Mutter ein amerikanisches Rezept ausprobiert hat, kommt immer mal wieder ein gefüllter Truthahn auf den Tisch.»

Auf die Frage, was bei ihnen an Weihnachten auf den Tisch kommt, antwortet Christian Muheim: «Auch auf dem Bühlhof gibt es zwischendurch mal wieder einen gefüllten Truthahn, seit meine Mutter ein amerikanisches Rezept ausprobiert hat und es allen geschmeckt hat.» Wird es dann wieder ruhiger auf dem Bühlhof, nimmt sich der 51-Jährige wieder Zeit für seine anderen Leidenschaften: So ist er in der Trachtentanzgruppe Weggis aktiv, spielt Kontrabass und erklimmt gerne Berggipfel: «Nichts Verrücktes», sagt er mit einem Lachen.

Caroline Mohnke

Veröffentlichung: 05. Mai 2025 / Ausgabe 18/2025

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