Ein Kämpfer mit Torinstinkt

Als gelernter Schreiner passt Daniel Steiner (35) seinen Stock gleich selbst seinen Bedürfnissen an.

Es ist eine Saison zum Vergessen für den EHC Biel. Nachdem die Seeländer vor Jahresfrist in den Playoff-Viertelfinals gestanden und die ZSC-Lions an den Rand einer Niederlage gebracht hatten, sind sie nun als Schlusslicht in der NLA-Tabelle zu finden. «Es fehlt an allen Ecken und Enden», konstatiert Daniel Steiner, der seit dieser Saison als Stürmer beim EHC Biel unter Vertrag steht. «Die Defensive ist löchrig und die Offensive schiesst zu wenig Tore. Wenn die Rädchen nicht ineinandergreifen, läuft gar nichts.» Doch der Kampfgeist des gelernten Schreiners ist ungebrochen. Und genau dieser Kampfgeist zeichnet ihn aus: «Ich habe eine extrem hohe Frustrationstoleranz», erklärt der 35-Jährige. Er könne huntertmal «uf d’Schnure gheie» und stehe immer wieder auf. So ist es ihm allen Zweiflern zum Trotz gelungen, Schreinerlehre und Hockeykarriere unter einen Hut zu bringen. Es sei eine harte Zeit gewesen, sagt er. «In der Lehre wird dir nichts geschenkt.» Doch das stärke den Charakter. Direkt nach der Ausbildung unterschreibt Steiner bei den SCL Tigers seinen ersten Profivertrag und etabliert sich in der obersten Liga. «Mit zunehmender Routine habe ich gelernt, mich ein wenig zurückzunehmen und meinen Ehrgeiz zu kanalisieren.» Zuvor sei er jeweils mit dem «Gring» durch die Wand gegangen: «Mich musste man immer eher bremsen als ‹i ds Füdle stüpfe›.» Diese Eigenschaft hat ihn weit gebracht und hat ihm auch in der schwierigsten Zeit seiner sportlichen Karriere geholfen. Damals, im Jahr 2006, als er eine schwere Hirnerschütterung erleidet, beinahe ein Jahr pausieren und um die Fortsetzung seiner Karriere bangen muss. Doch Steiner kommt zurück und wagt 2009 gar den Sprung nach Amerika. «Ich wollte das Ortsschild einmal von aussen sehen, die Komfortzone verlassen und etwas riskieren.»

Der Stürmer schafft es zwar nicht in die NHL, die höchste nordamerikanische Liga, sammelt dafür aber in der AHL, der zweithöchsten Liga, wertvolle Erfahrungen. Er habe in Amerika ein spannendes Jahr erlebt und eine andere Eishockeykultur kennengelernt, sagt er. «Hätte ich den Sprung ins Ungewisse nicht gewagt, hätte ich das später bereut.» Steiner hat bei vielen Clubs gespielt, doch eines war überall gleich: sein bedingungsloser Einsatz für das Team. «Hockey ist mein Lebensinhalt Nummer eins», erklärt er seine Leidenschaft. Der Sport hat bei Steiner bereits in der Kindheit eine grosse Rolle gespielt. «Ich habe alles ausprobiert.» Als 8-Jähriger ist der gebürtige Kirchberger dem EHC Burgdorf beigetreten. «Meine Mutter war nicht begeistert», erinnert er sich. Aber er habe so lange «gschtürmt», bis sie nachgegeben habe. «Ich hatte da schon meinen Kopf», sagt er. Nun, 27 Jahre später, beginnt Steiner über die Zeit nach der Karriere nachzudenken. Gerne würde er im Sportbereich tätig bleiben, allenfalls in Verknüpfung mit der Ernährung. Er sei der «Chörnlipicker» im Team, erklärt er lachend.

Solange der Stürmer auf dem Toplevel spielen kann, will er sich bezüglich seiner Zukunft aber nicht festlegen. «Wenn du immer alles bis ins letzte Detail planst, baust du dir eine Wand im Kopf», meint er.

Über die Jahre hinweg hat sich Steiner sowohl im Sport als auch im Privatleben vom «jungen Wilden», zum ruhenden Pol gewandelt. Doch auf dem Eis gibt er noch immer Gas: «Vielleicht bin ich nicht der talentierteste Spieler, aber ich habe einen guten Schuss und weiss, wo das Tor steht», sagt er. Die richtigen Voraussetzungen also, um sein Team, das aktuell einen Aufwärtstrend zeigt, vor dem Abstieg zu bewahren.

«Ich wollte das Ortsschild einmal von aussen sehen, die Komfortzone verlassen und etwas riskieren.»

mh

Veröffentlichung: 11. Februar 2016 / Ausgabe 6/2016

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