Für seine Individuelle Praktische Arbeit (IPA) fertigte Leo Wey einen einmaligen Schrank mit Schubladen, integrierter Schnapsbar und Licht, der nun bei ihm zu Hause steht. Wie er den genau fabriziert hat, erzählt der Schreiner im Monatsinterview.
- Wie kamst du auf das Design?
- Leo Wey: Ich wollte meinen alten Ikea-Schrank durch ein selbst entworfenes Möbel ersetzen. Von Anfang an plante ich eine furnierte Front mit Griffmulden sowie eine Holzrahmen-Glasfront mit einer Schnapsbar dahinter.
- Was daran ist dein persönliches Highlight?
- Die Verglasung mit dem Massivholzrahmen. Das war viel Handarbeit und präzise Arbeit an der Kehlmaschine. Auf dieses Detail bin ich besonders stolz, weil es dem Möbel seinen einzigartigen Charakter verleiht.
- Wo lagen die Herausforde- rungen bei diesem Schrank?
- Die grösste Schwierigkeit war das astreiche Holz. Da ich viele Äste herausschneiden musste, blieb kaum Reserve übrig. Entsprechend war der Druck hoch, denn jedes Teil musste auf Anhieb passen.
- Wie anspruchsvoll war die Integration der Beleuchtung?
- Die war für mich nicht besonders anspruchsvoll, weil wir solche Arbeiten regelmässig im Betrieb machen. Es waren eher Details wie Kabelführung und Kabeldurchlässe bei der CNC-Planung, die ich gut planen musste.
- Ist bei der Herstellung etwas schiefgelaufen?
- Ja. Bei den Schubladenböden hatte sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Da sie zu lang waren, musste ich sie nachschneiden. Ansonsten lief das Projekt wie geplant.
- Wie lange brauchtest du dafür?
- Insgesamt 67 Stunden.
- Aus welchen Materialien ist der Schrank?
- Sichtseiten, Front, Rückwand und Deckel bestehen aus Spanplatten und sind mit amerikanischem Nussbaum furniert. Die oberen Glasrahmen sind aus Massivholz. Das Innenleben habe ich mit schwarz beschichteter Spanplatte ausgeführt. Um das Griffmuldenprofil in den Türen ausfräsen zu können, leimte ich dort 50-mm-Kanten an.
- Was macht dir als Schreiner am meisten Freude?
- Am schönsten ist es für mich, die eigenen Fortschritte zu sehen. Mit jeder Aufgabe werde ich selbstständiger und weiss besser, worauf es bei der Arbeit ankommt.
- Welche Überraschung ist dir aus der Lehre geblieben?
- Ich dachte, als Schreiner arbeite man vor allem mit Holz. Dass auch der Unterhalt der Maschinen wie Messerwechsel oder Schmierarbeiten der Maschinen dazugehört, hat mich überrascht.
- Würdest du die Schreinerlehre nochmals wählen?
- Auf jeden Fall! Es ist ein Beruf, der mir wirklich jeden Tag Spass macht.
- Welchen Tipp hast du für Lernende vor ihrem ersten grossen Projekt?
- Bei Unsicherheiten lieber nachfragen. Und das Projekt so gestalten, wie es einem selbst gefällt.
- Wie sieht deine Zukunft aus?
- Anfang nächstes Jahr gehe ich ins Militär. Bis dahin arbeite ich bei der Zurbriggen AG, vorwiegend an der CNC.
Interview mit
Leo Wey aus Siders im Kanton Wallis. Er schloss diesen Sommer seine Lehre als Schreiner EFZ bei der Zurbriggen AG in Visp VS ab. Der 20-Jährige arbeitet nun als CNC-Maschinist dort weiter. In seiner Freizeit fährt der Walliser gerne Ski. Sein grosses Hobby ist der 3D-Druck: Damit fertigt er Teile, die mit elektronischen Komponenten wie Motoren oder Licht kombinierbar sind. Eine weitere grosse Leidenschaft von ihm sind Autos: Gerade büffelt der Schreiner noch für die Theorie. Sein Traumauto ist ein BMW M4 Competition.
Michael Nussbaum
Veröffentlichung: 20. Januar 2026 / Ausgabe 36/2026