Eine sichere Sache vom Schreiner


Die Holzwände mit dem vielen Glas und den geschlossenen Türblättern stammen von der Robert Fehr AG und verfügen über ein Brandschutzzertifikat. Bild: Robert Fehr AG


Die Holzwände mit dem vielen Glas und den geschlossenen Türblättern stammen von der Robert Fehr AG und verfügen über ein Brandschutzzertifikat. Bild: Robert Fehr AG
Brandschutz. Durchgänge, die sich so verschliessen lassen, dass sie auch Feuer und Rauch zurückhalten, benötigen technisch anspruchsvolle Türen. Das muss eine Schreinerei aber nicht davon abhalten, solche anbieten zu können und bei dem lukrativen Geschäft mitzumischen.
Eine Brandmauer ist durchgehend und trennt zwei Häuser, nach vorgegebenem Feuerwiderstand, so voneinander, dass praktisch eines abbrennen könnte, ohne dass das andere zu brennen beginnt.
Eine Brandschutztür ist keine Brandmauer. Sie muss nur eine vorgegebene Zeit lang ein Feuer, das auf der einen Seite der Tür wütet, daran hindern, auf die andere Seite überzugreifen. In dieser Zeit soll es möglich sein, dass sich Personen, die sich in diesem Gebäude aufhalten, in Sicherheit bringen können – mehr nicht.
Was gegenüber einer Brandmauer bescheiden wirkt, erfordert einen enormen Mehraufwand, da die Wand aus einem lückenfreien, konstanten und feuerfesten Material besteht, während die Tür sehr vielteilig sowie im Verhältnis dünn ist und einen Durchgang freigibt und wieder verschliesst. Geschlossen muss sie im Brandfall, über eine vorgegebene Zeit, absolut dicht bezüglich Flammen und Rauch sein – auch noch viele Jahre nach der Montage.
Das Türblatt mit seinen Kanten sowie der Rahmen dürfen, wenn, dann nur sehr langsam abbrennen, wobei eine allenfalls entstehende Verkohlung auch wieder schützen kann. Damit es zu keinem vorzeitigen Durchbrand kommt, muss auch der vorgegebene Befestigungsabstand der Montageschrauben eingehalten wie auch die zugelassenen Beschlägeteile verwendet werden. Überhaupt müssen bei allen Anschlüssen und Übergängen jegliche Schlitze und Löcher feuerfest geschlossen sein. Zudem muss sichergestellt werden, dass die Tür über die ganze Zeit hinweg sicher gehalten wird, was durch die Beschläge und Befestigungen sowie durch aufschäumende Streifen möglich wird. Glasfüllungen müssen als Elemente tauglich sein und auch bezüglich ihrer Übergänge beim Glasfalz und der Glasleiste den Anforderungen genügen. Auch wenn eine gestemmte Tür mit Holzfüllungen verlangt wird, braucht es die richtigen, konstruktiven Lösungen. Nur schon diese noch sehr grobe Aufstellung zeigt, dass äusserst detailliert und mit viel Fachwissen geplant und dann auch ausgeführt werden muss. Ganz nebenbei müssen solche Türen auch noch die sonst üblichen Anforderungen, etwa bezüglich des Schallschutzes, erfüllen.
So wie Autos mit versteiften Fahrgastzellen, Knautschzonen und diversen Airbags ausgestattet sind, müssen auch Gebäude für den schlechtest möglichen Fall ausgerüstet sein, um die Bewohnerinnen und Bewohner zu schützen. Es werden Fluchtwege eingeplant, die im Brandfall sicherstellen, dass sie alle einen sicheren Weg nach draussen haben. Dazu werden Brandschutztüren mit ganz klar definierten Anforderungen eingeplant. Damit man sicher sein kann, dass diese Türen die vorgegebenen Anforderungen auch erfüllen, müssen sie geprüft und zertifiziert sein. Die eingebauten Türen müssen in allen Kriterien diesem Zertifikat exakt entsprechen – sonst macht dieses gar keinen Sinn.
Der VSSM hat viele Zertifikate für ganz unterschiedliche Brandschutztüren erarbeitet und bietet diese Schreinereien mit Türproduktionen in Lizenz an. Elvedin Bahonjic ist im Bereich Technik und Betriebswirtschaft für die Erlangung solcher Zertifikate zuständig und gibt einen Einblick, was dafür erforderlich ist:
Bei einer Brandprüfung wird ein Türprototyp in den auf Mass gefertigten Ausschnitt einer feuerfesten Wand des Prüfofens so montiert, wie das später auch sein soll, und dann einseitig starkem Feuer ausgesetzt. Die Zeitmessung beginnt. Sobald auch nur eine kleine Flamme irgendwo hindurchkommt, stellt die Anlage ab. Wurde die vorgegebene Zeit nicht erreicht, müssen alle erkannten Schwachstellen überdacht und konstruktiv verbessert werden. Auch Material-Alterungen sollten berücksichtigt werden. Dann wird ein neuer Prototyp gebaut, und der ganze Prozess beginnt wieder von vorne. «Nur schon die Benutzung eines Prüfofens inklusive Prüfbericht kostet pro Mal rund 20 000 Franken und mehr», sagt Elvedin Bahonjic. Für eine Prüfung mit allem Drum und Dran rechnet er für den VSSM von zirka 50 000 Franken an aufwärts, da die Herstellung an Betriebe ausserhalb vergeben werden muss.
Auch der Faktor Zeit muss berücksichtigt werden: Mit der Konzepterstellung und allen Warte-, Erhebungs-, Planungs- und Zulassungszeiten braucht es von der Türidee bis zur Anerkennung und Zertifizierung durch die Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen (VKF) etwa drei bis vier Jahre. Erst dann können Lizenznehmer mit dem Angebot und der Produktion einer Brandschutztür überhaupt starten.
Bei der Schreinerei Robert Fehr AG in Andelfingen ZH ist die eigene Unabhängigkeit sehr wichtig, was auch für ihre Türproduktion gilt. 2003 hat die Firma begonnen, eigene Brandschutztüren zu entwickeln und prüfen zu lassen – 100 Prozent Eigenfertigung mit der vollen Wertschöpfung. Die kurzen, einfacheren internen Wege bei der Entwicklung und dem Prototypenbau halten die Kosten relativ tief. Dennoch muss der Inhaber Robert Fehr mit einem finanziellen Aufwand pro Zertifikat von mindestens 35 000 Franken rechnen.
Aktuell hält die Firma 34 Zertifikate. Robert Fehr erzählt vom Start mit kleinen Formaten, Misserfolgen, Korrekturen und Erfolgen. «Man muss immer dranbleiben, Erfahrungen sammeln und sich neuen Marktbedürfnissen mit immer grösseren Formaten anpassen», sagt er. Durch die hohe Stückzahl an jährlich selbst vermarkteten, gefertigten und montierten Türen rechnet sich der hohe Aufwand durch den guten Ertrag.
Bei der Adam Schreinerei AG aus Oberdorf SO hat man sich seit der Verschärfung der Brandschutzvorschriften für Brandschutztüren als Lizenznehmer entschieden und somit eine Chance genutzt. Denn die aufwendige Umstellung wollten viele Schreinereien aus ihrer Region nicht mehr mitmachen. Auch als Lizenznehmer muss das fachliche Wissen von Beginn an sehr hoch sein und zwingend laufend mit Kursen erweitert werden. Dafür hält sich der Aufwand in überschaubaren Grenzen.
Für Adam ist die Rechnung aufgegangen. Da sich die Firma in einem Bereich mit wenigen Mitbewerbern bewegt, ist der Ertrag recht gross. «Grossen Erfolg haben wir mit den Lizenzen der Fenstertüren- und Abschlussfronten mit schmalen Friesen und verschiedenen Holzarten», sagt Mitinhaber Ruedi Adam.
www.vssm.ch/lizenzproduktewww.r-fehrag.chwww.adam-schreinerei.ch
Veröffentlichung: 19. Februar 2026 / Ausgabe 8/2026
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