Modular verriegelt


Auch in die Jahre gekommene Türen können mit modularen Systemen ertüchtigt werden. Bild: Gretsch-Unitas AG


Auch in die Jahre gekommene Türen können mit modularen Systemen ertüchtigt werden. Bild: Gretsch-Unitas AG
Variable Schlösser. Das Nachrüsten von Schlössern an bestehenden Türen ist meist mit erheblichem Aufwand verbunden. Modulare Schlosssysteme können den Umbau einfacher und damit wirtschaftlicher machen.
Wer regelmässig Türen plant und herstellt, weiss, dass diese heute weit mehr Aufgaben erfüllen müssen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Nebst Funktion und Gestaltung stehen Sicherheit, Komfort und Konformität mit geltenden Normen wie Brand-, Einbruch- und Personenschutz im Fokus. Aufgrund des hohen Bestands an älteren Liegenschaften verschiebt sich zudem der Markt vom Neubau weg hin zu Umbauten, Sanierungen und Servicearbeiten im Bereich bestehender Liegenschaften. Die Tür als zentrales Objekt für Gebäudezutritt und Raumabschluss steht dabei rasch im Fokus, denn hier wünschen die Bewohner vielleicht mehr Sicherheit oder eine andere Bedienung, als zu Beginn der Nutzung vorgesehen oder technisch machbar war. Viele ältere Haus- oder Wohnungseingangstüren sind konstruktiv noch in gutem Zustand, erfüllen jedoch die heutigen Anforderungen nicht mehr. Die bestehende Tür soll also erhalten bleiben, während Funktion und Sicherheit verbessert oder angepasst werden müssen. Hier kommt die Schreinerei rasch als flexible Dienstleisterin vor Ort ins Spiel. Für viele Betriebe sind Servicearbeiten ein attraktiver Tätigkeitsbereich, welcher interessante Aufträge mit sich bringt. Professionell ausgeführt und nach Aufwand abgerechnet, sind diese Arbeiten wirtschaftlich attraktiv und binden zudem die Kundschaft in besonderem Masse. Denn wer mit einer Servicearbeit zufrieden ist, meldet sich mit hoher Wahrscheinlichkeit für die nächste grosse Schreinerarbeit bei demjenigen Partner wieder, mit dem er bereits gute Erfahrungen gemacht hat.
Wenn Servicearbeiten an Türen ausgeführt werden, steht vielfach das Schloss als zentrales Element im Fokus, denn dieses Herzstück entscheidet meist in besonderem Masse über Sicherheit und Funktion einer Tür. Wer Sicherheit oder Bedienung verbessern will, muss hier Anpassungen vornehmen. Oft muss das bestehende Schloss durch ein neues Modell ausgetauscht werden, beispielsweise, um einen alten Mehrpunktverschluss mit Schliesszapfen auf ein neues Modell mit Schliessbolzen und damit höherer Sicherheit aufzurüsten. Die Massaufnahme vor Ort und das anschliessende Bestimmen und Bestellen des neuen Schlosses sind dabei die erste, komplexe Angelegenheit.
Meist lässt sich kein exakt passendes Fabrikat finden, denn viele Eigenschaften wie Stulpbreite und -form, Verriegelungsart, Höhensitz des Drückers und der Verschlusspunkte etc. sind zu vergleichen und passen am Ende meist nicht auf die bestehende Situation. Als Nächstes ist der Servicemonteur bei der Ausführung entsprechend gefordert. Aufwendige Fräsungen an Türblatt und Rahmen sind oft notwendig, und diese lassen sich nicht immer vor Ort ausführen. So muss das Türblatt in vielen Fällen demontiert und in den Betrieb transportiert werden, um hier die nötigen Arbeiten sauber auszuführen. Viele Arbeitsstunden und mehrere Fahrten zum Objekt und wieder zurück in den Betrieb können die Folge sein. Der Aufwand steht dabei häufig in keinem Verhältnis zum eigentlichen Eingriff, und das Ergebnis kann wegen Qualitätsmängeln nicht immer ganz überzeugen. Der Grund ist klar. Klassische, einteilige Schlosstypen sind in der Regel auf eine klar definierte Einbausituation ausgelegt, Anpassungen sind nicht vorgesehen. Der Einsatzzweck passt also meist nicht zum verbauten Produkt! Für solche Situationen können modular aufgebaute Schlosssysteme eine grosse Erleichterung bringen. Einige Hersteller haben das Thema erkannt und in den letzten Jahren ihr Sortiment um mehr oder weniger variable Lösungen erweitert.
Dabei sind grundsätzlich zwei Richtungen erkennbar. Zum einen sind einteilige, vom Aufbau her klassische Schlosstypen erhältlich, bei welchen sich teilweise die Falle wahlweise auf links oder rechts einstellen lässt. Um das Schloss an individuelle Einbausituationen anzupassen, lässt sich die Stulplänge anpassen, entweder durch das Ansetzen von Stulpverlängerungen oder durch Einkürzen eines überlangen Stulps auf Wunschmass. Bei diesen Arbeiten bieten Händler wie Rudolf Geiser Unterstützung. «In unserer Schlosserei passen wir regelmässig Mehrpunktverschlüsse an individuelle Masse an, beispielsweise durch Einkürzen des Stulps unten und oben», sagt Yanik Lanz von der Rudolf Geiser AG in Langenthal BE. So lässt sich der Drückersitz in der Höhe auf Wunsch anpassen und an eine bestehende Tür angleichen. Mit diesen einteiligen Lösungen lassen sich bereits viele Einbausituationen lösen, und für viele Schreinereien bieten diese Modelle ausreichend Flexibilität.
Zum anderen sind Systeme erhältlich, welche noch einen Schritt weitergehen und modular aufgebaut sind. Diese verfolgen einen anderen Ansatz als herkömmliche Lösungen. Statt einer fixen, einteiligen Schlossgeometrie bestehen sie aus einem Hauptschlosskasten mit Drückersitz, Falle und Riegel, welcher mit separaten Ansatzstücken gegen oben und unten verlängert werden kann. Diese Stulpverlängerungen sind individuell kürzbar und beinhalten die Zusatzverriegelung. Der Zusammenbau erfolgt mittels stabiler Kopplungsstellen, welche ähnlich wie bei Fensterverschlüssen konzipiert sind. Auf diese Weise lassen sich viele individuelle Situationen abdecken. Zusätzlich stehen bei den Einzelkomponenten meist mehrere Ausführungen zur Verfügung. Beispielsweise kann bei der Ausführung der Verriegelungsarten zwischen Schliesszapfen, Schliessbolzen, Massivriegel, Schliesshaken und Fallenriegel gewählt werden. Die Falle am Hauptschlosskasten lässt sich ebenfalls von links auf rechts umstellen, und es stehen verschiedenste Dornmasse und Stulpausführungen zur Wahl. «Man kann sich diese Systeme wie einen Baukasten vorstellen, mit welchem sich sehr viele Einbausituationen realisieren lassen», erklärt Yanik Lanz. «Der zentrale Schlosskasten bildet die Basis, während Zusatzverriegelungen je nach Bedarf ergänzt oder angepasst werden. So lassen sich unterschiedlichste Türsituationen mit wenigen Grundkomponenten abdecken und aufrüsten.» Der Systemgedanke steht bei diesen Schlosstypen klar im Vordergrund. Statt für jede Türhöhe und jede Sicherheitsstufe ein eigenes Schloss zu bestimmen, kann mit einem modularen System sehr flexibel gearbeitet werden.
Besonders deutlich werden die Stärken modularer Schlösser naturgemäss beim Um- und Nachrüsten bestehender Türen. Bereits die Vorbereitung wird erheblich erleichtert, denn eine exakte Massaufnahme ist in der Regel nicht nötig. Lediglich einige nötige Eckdaten wie die Stulpbreite und -form, das Dornmass sowie das Mass der Drückernuss sind nötig, um das passende Set an Komponenten zu bestimmen. Die restlichen Anpassungen lassen sich oft direkt vor Ort am Objekt erledigen, die Verlängerungselemente werden nach Muster gekürzt, und das Schloss kann zusammengesetzt und eingebaut werden. Die aufwendige und trotzdem oft unbefriedigende Ermittlung des passenden Schlosstyps wird so etwas einfacher. «Das reduziert nicht nur den Planungsaufwand, sondern verhindert Fehler sowie unnötige Fahrten zur Baustelle», erklärt Yanik Lanz. Mit den voll modular aufgebauten Schlosstypen kann eine Arbeit im Idealfall sogar beim ersten Einsatz vor Ort fertiggestellt werden. Für Schreinereien bedeutet dies eine höhere Effizienz im Servicegeschäft, eine bessere Kalkulierbarkeit von Umbauten und Reparaturen und schlussendlich eine bessere Kundenzufriedenheit. Der Einbau selbst ist praxisnah konzipiert. Spezielles Werkzeug ist in der Regel nicht erforderlich, die Montage erfolgt mit den üblichen Hilfsmitteln. Nach dem Kürzen der Verlängerungen werden die einzelnen Komponenten in die bestehende Schlosstasche eingelegt und miteinander verbunden. Verbindungselemente sorgen dafür, dass die Mechanik korrekt ausgerichtet ist. Wichtig bleibt eine saubere Arbeitsweise, insbesondere beim Kürzen der Stulpe. Entstehende Schnittkanten müssen entgratet und allenfalls gegen Korrosion geschützt werden. Der zeitliche Aufwand bleibt dennoch überschaubar, vor allem im Vergleich zu umfangreichen, aufwendigen Fräsarbeiten.
Der Einsatz modularer Schlosssysteme beschränkt sich nicht auf den Bereich der Renovationen. Was für Umrüstungen und Reparaturen sinnvoll ist, kann auch im Neubaubereich interessant sein, insbesondere wenn Flexibilität über den gesamten Lebenszyklus einer Tür besonders gefragt ist. Wer die Einzelkomponenten korrekt zusammenstellt, kann zwischen Komfort, Sicherheit oder einer Kombination aus beidem wählen. Individuelle Kundenwünsche und spätere Anpassungen sind einfacher möglich, was den langfristigen Werterhalt einer Tür begünstigt und im Interesse von vielen Bauherren liegt. Nebst der Einsparung an Arbeitsstunden hat der Einsatz von modularen Schlosssystemen auch positiven Einfluss auf die Lagerhaltungskosten des Betriebs, da weniger verschiedene Schlosstypen an Lager gehalten werden müssen. Als einzigen Minuspunkt ist der Mehraufwand beim Zusammenbau und Anpassen der Schlösser zu nennen. Dieser Punkt kann aber vernachlässigt werden, wenn bei neuen Türelementen ausschliesslich mit Normlängen von Beschlagsteilen gearbeitet wird.
Modulare Schlosssysteme eröffnen Schreinereien neue Möglichkeiten, Türen flexibel an veränderte Anforderungen anzupassen. Der reduzierte Aufwand bei Massaufnahme, Bestellung und Montage macht sie besonders im Umbau und im Servicegeschäft attraktiv. Gleichzeitig bieten sie aber auch die Möglichkeit, Türen langfristig werthaltig und anpassungsfähig zu gestalten. Sie ersetzen nicht jedes klassische Schlosssystem, erweitern jedoch Möglichkeiten und Flexibilität erheblich. Wer diese Produkgruppe kennt und gezielt einsetzt, kann bestehende Türen wirtschaftlich sinnvoll aufwerten und seiner Kundschaft schon zu Beginn nachhaltige, zukunftsfähige Lösungen anbieten.
Veröffentlichung: 19. Februar 2026 / Ausgabe 8/2026
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