Eine süsse Erfolgsgeschichte

Zwei Pfannen sind das Maximum. «Stehen mehr auf dem Herd, komme ich nicht mehr ‹z’gang›, sagt Felix Schaad und lacht. «Das Kochen gehört nicht zu meinen Kernkompetenzen», eine bemerkenswerte Aussage für einen Mann, der erfolgreich den Kochlöffel schwingt und mit zwei Freunden ebenso erfolgreich das «Caramel au beurre salé» auf den Markt gebracht hat. Dabei ist Felix Schaad tatsächlich weder Koch noch Confiseur, sondern gelernter Schreiner und Maschinenzeichner. Hauptberuflich arbeitet der Heimweh-Schaffhauser als Projektleiter im Bereich Messebau in Arbon. Zu seinem süssen Hobby ist der 31-Jährige gekommen wie die Jungfrau zum Kind – oder doch nicht ganz: «Ich wollte schon immer etwas Eigenes machen, eine Idee verwirklichen, ohne zu wissen, worum es sich dabei handeln würde», erklärt er. Die richtige Idee kam dann schneller als gedacht: Sein Jugendfreund aus Schaffhausen, Designer in Paris, brachte ihn bei einem Besuch in Paris auf den Geschmack von Caramel au beurre salé – eine Art Karamell-Aufstrich als Füllung in einer Crêpe. Bald darauf stellte Schaad fest, dass es die neu entdeckte Delikatesse in der Schweiz nicht gibt. Wieso nicht in die Nische springen? Also taten sich die beiden Freunde zusammen und holten einen weiteren Kollegen ins Boot respektive in Schaads Küche. Gemeinsam tüftelten sie, bis sie glaubten, das perfekte Rezept vor sich zu haben, und wagten sich dann an einen ersten Versuch. «Er gelang auf Anhieb», wundert sich der Ostschweizer noch heute, «denn das Karamellisieren ist anspruchsvoll, man muss den richtigen Moment erwischen, und es besteht die Gefahr, dass es bitter wird.»

Doch die erste Serie der drei Karamell-Neulinge wurde weder bitter noch hart, sondern «richtig fein» – das befanden auch Familie, Freunde und Bekannte, die zum Degustieren aufgefordert wurden. Da war für die drei klar: Ihr «Caramel au beurre salé» würde sich verkaufen lassen. Sie produzierten 400 Gläser und boten diese am Martinimarkt in Schaffhausen feil – ein Heimspiel. Und was für eines: Lange bevor die Marktstände abgeräumt wurden, mussten sie Interessierte vertrösten: ausverkauft! Die Komposition aus Rahm, Zucker, Butter und unbehandeltem Meersalz kam an. Das war vor drei Jahren. Inzwischen sind andere Märkte dazugekommen; auch einige kleine Delikatessengeschäfte vertreiben das «Caramel au beurre salé» made in Schaffhausen. Die Freunde haben nun den Verein «petitscaramels» gegründet. Ambitionen, ihre Kreation dereinst bei den grössten Detailhändlern im Gestell zu sehen, hegt das Trio keine: «Das würde nicht zu unserem Liebhaberprodukt passen», findet Schaad. Zwar sei die Herstellung inzwischen professioneller geworden, doch bleibe sie weiterhin fest in ihren Händen: «Es ist für uns Hobby und Event zugleich – und ein guter Anlass, uns zu treffen, wenn unser Freund aus Paris anreist.»

Die Arbeitsaufteilung habe sich von selbst ergeben, schmunzelt er: «Mit einem Designer, einem PR-Manager und einem Handwerker im Team entfiel die Diskussion darüber, wer für die Produktion verantwortlich ist.» Reich geworden seien sie bisher nicht: «Was reinkommt, investieren wir wieder, zum Beispiel in die Anschaffung neuer Geräte wie die Abfüllmaschine, denn als kleiner Schweizer Betrieb braucht es eine gewisse Effizienz.» Bei aller Effizienz: Schaad schwingt den Kochlöffel noch immer mit Hingabe selber, und solange nicht mehr als zwei Pfannen auf dem Herd stehen, ist alles in süssester Karamellbutter.

«Mit einem Designer, einem PR-Manager und einem Handwerker im Team entfiel die Diskussion darüber, wer für die Produktion verantwortlich ist.»

hid

Veröffentlichung: 17. Dezember 2014 / Ausgabe 50/2014

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