Einer für alle, alle für einen


Die Lernenden Virgile, Dominik, Manuel und David (v. o.) sind eine eingeschweisste Truppe. Bild: Michael Suter


Die Lernenden Virgile, Dominik, Manuel und David (v. o.) sind eine eingeschweisste Truppe. Bild: Michael Suter
Lehrlingsprojekt. In der Schreinerei made by Innenausbau Augsburger in Olten gilt das Motto: Lernende für Lernende. Die vier jungen Schreiner betreuen einander in verschiedenen Bereichen gegenseitig mit dem Ziel, die Selbstständwigkeit und Arbeitsmotivation zu fördern.
Vor drei Jahren hatte die auf Innenausbau spezialisierte Schreinerei Augsburger im solothurnischen Olten ein Problem: Der Lernende im 4. Lehrjahr bestand die LAP nicht, jener im 3. Lehrjahr brach die Ausbildung ab. «Etwas läuft da gewaltig schief in der Lernendenausbildung. Sollen wir überhaupt weiterhin Lernende ausbilden?», fragte man sich in der Geschäftsleitung. «Und falls ja, wie kriegen wir die Lernenden wieder auf Erfolgskurs?» Ideen wurden gesucht, Diskussionen wurden geführt. Und so ist nach und nach die Idee entstanden, die Lernenden mit einem Lehrlingsprojekt intensiver in den Schreinerbetrieb einzubeziehen.
Den Lernenden wurde die Verantwortung für gewisse Unternehmensbereiche übertragen, um ihre Motivation und das Engagement zu steigern. Konkret wurden die beiden Bereiche Kommunikation und interne Förderung dafür bestimmt. Pro Bereich teilen sich zwei Lernende die Verantwortung, damit die Bereichsübergabe von Lehrjahr zu Lehrjahr gut klappt. Im Moment wird die Kommunikation von David Niklaus (19) im vierten Lehrjahr und dem 16-jährigen Virgile Cornaz, der seine Ausbildung im letzten Sommer begann, betreut. Für die interne Förderung sind der 18-jährige Dominik Gerber aus dem zweiten und der um ein Jahr jüngere Manuel Stutz aus dem dritten Lehrjahr zuständig.
Es beginnt bei der internen Kommunikation: «Dabei handelt es sich um die Rahmenbedingungen im Unternehmen, sprich die Betriebsvereinbarungen oder den Ämtliplan», erklärt Virgile. «Den Ämtliplan baue ich kontinuierlich aus und teile die Aufgaben uns Lernenden zu.» Ob alles ordnungsgemäss erledigt werde, überwache der Werkstattchef, erzählt der junge Oltner. «Bei der externen Kommunikation geht es darum, junge Leute auf den Schreinerberuf aufmerksam zu machen», übernimmt David das Wort. Dafür publizieren die Lernenden Bilder und Texte auf der Firmenwebsite. Firmenprofile für Facebook und Instagram sind auch in Planung. Momentan wird fleissig recherchiert, wie sich die Schreinerei in den neuen Medien präsentieren kann. Auch die Vorbereitung auf das Standby-Interview gehörte in Davids Bereich. Dafür hat er einen Ablaufplan und eine Dokumentation der Bereiche zur Abgabe erstellt.
Nun ist Dominik mit der Teambildung an der Reihe. «Dabei ist die Stärkung des Teamzusammenhalts zentral. Ich organisiere Anlässe wie Grillabende und Weihnachtsessen», sagt er. Obwohl die Anlässe möglichst simpel gestaltet würden, brauche die Organisation viel Zeit, erzählt der Laupersdorfer aus Erfahrung. Sein Bereichspartner Manuel kümmert sich um die Lehrlingsaufträge. Dort ist das Ziel, dass jeder Lernende die einzelnen Produktionsabläufe kennt. «Jeder soll einen Auftrag von A bis Z abwickeln können. Wenn der Chef sagt, dass du Masse aufnehmen musst, dann kannst du die Liste konsultieren und weisst, was es bei den Massaufnahmen alles zu beachten gibt», erklärt Manuel. «Natürlich sind die Aufträge nicht besonders komplex. Sie sind herausfordernd, aber gut machbar», ergänzt Dominik. «Genau. Falls wir mal selbstständig einen Grossauftrag ausführen müssen, dann haben wir eine Grenze überschritten», ergänzt David. Alle vier lachen. Man spürt: Die Jungs haben es gut untereinander.
Immer am ersten Freitagmorgen im Monat haben die Lernenden einen Jour fixe. Das heisst, sie sitzen mit dem Chef zusammen und besprechen die vergangenen und kommenden Arbeiten. Dabei werde viel diskutiert. Manchmal wisse der eine nicht, wovon der andere spreche. «Schlussendlich finden wir aber immer einen Konsens», sagt David. Das Lehrlingsprojekt sei noch nicht komplett ausgearbeitet. Aber es sei eine coole Sache und sie würden viel davon profitieren, erzählen die Lernenden. Es fördere vor allem die Selbstständigkeit und das Verantwortungsbewusstsein. Und man lerne viele wichtige Aufgaben neben den typischen Schreinertätigkeiten kennen.
Veröffentlichung: 02. Februar 2017 / Ausgabe 5/2017
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