Einfach und gut ist schon ganz schön öko

Längst nicht nur für Ferienhütten: die ökologische Küche von Hamran aus Norwegen mit dem Prinzip «Weniger ist mehr». Bild: Inger Marie Grini

ökologische Küchen.  Manchmal sieht man vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr. Wer sich intensiv mit Ökoküchen beschäftigt, dem kann das passieren. Deshalb ein Blick in den hohen Norden zu einer norwegischen und einer dänischen Schreinerei, wie sie das Thema sehen.

Schreiner Trond Hamran rettet die norwegische Eiche vor dem Ofen. Denn Stämme, die früher zu Hackschnitzeln wurden, sägt er seit einigen Jahren zu Brettern im wohl einzigen Hartholz-Sägewerk Südnorwegens. Dass ein Schreiner sich auch als Säger betätigt, ist überall auf der Welt aussergewöhnlich. Aber wenn er das macht, um seinem Konzept der ökologischen Produktion näher zu kommen und die Alternative schlicht Eiche von irgendwoher lautet, dann ist das etwas sehr Besonderes. Und weil der Werkstoff Holz wertvoll ist, hat sich Hamran bei seinen Küchen zum Ziel gesetzt, den Materialeinsatz zu optimieren, sprich zu minimieren.

Als Orientierung dienten dabei die ersten produzierten Küchen der Schreinerei aus den 1950er-Jahren. Von diesen sind bis heute einige im Gebrauch. Daraus leitet sich für die Akteure die oberste Maxime ab. Eine Küche, die lange Zeit in Benutzung bleibt, repariert werden kann und Freude bereitet, ist per se eine ökologische Küche. «Wir haben uns von der Art und Weise inspirieren lassen, wie wir früher Küchen hergestellt haben, und uns zum Ziel gesetzt, den Materialverbrauch zu reduzieren, ohne dabei Abstriche bei der Funktionalität zu machen», sagt Janne Ramona Werdal, Leiterin Vertrieb und Marketing bei Hamran. Das Ergebnis heisst Sanke und kommt dank der Gestellkonstruktion, den fehlenden Doppeln und dem teilweisen Verzicht auf Fronten nicht nur mit wenig Holz, sondern auch mit einem Minimum an Beschlägen aus. Das ist so ziemlich das Gegenteil dessen, was man bei den Küchen als Trend zu immer mehr Beschlägen in den letzten Jahrzehnten gesehen hat.

Auszüge gleiten bei der Küche Sanke mittels Holzführungen. Sie ist in jeder Hinsicht leicht, schlicht und funktional. «Bevor Küchenlösungen standardisiert wurden, baute man diese aus den vorhandenen Materialien. So machen wir das auch. Alle unsere Arbeiten sind aus Holz aus der Region, bei Sanke ist es Kiefer», erklärt Werdal. Dass alles offen und einsehbar ist, gefällt den Macherinnen und Machern des Designs. Denn man wolle eine neue Produktions- und Handwerkskultur fördern, in der traditionelles Wissen auf zeitgemässe Technik trifft. Ständig Neues zu kaufen, das von vornherein nicht gut genug gewesen sei, leite in die Irre. «Wir wollen stattdessen Dinge erschaffen, die man lieben kann.»

Die Konstruktion ist grundlegend

Auch für Anton Bak, Co-Gründer des dänischen Labels Vermland aus Kopenhagen ist eine Küche dann nachhaltig, «wenn man sie nie ersetzen muss». Dazu müsse sie aus ehrlichen und langlebigen Materialien gemacht sein. Weitere Attribute seien die leichte Reparierbarkeit sowie die Möglichkeit, die Küche im Laufe der Zeit anzupassen. Denn Wünsche und Lebenssituationen ändern sich. «Eine Küche, die für Jahrzehnte ausgelegt ist, muss repariert und angepasst werden können, anstatt sie herauszureissen», sagt Bak. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt man bei Vermland auf Module und Raster, aus denen sich eine Küche zusammensetzt. So lässt sich die Küche im Laufe der Zeit erweitern oder umgestalten. «Abgenutzte Oberflächen können einfach abgeschliffen und wieder geölt werden», sagt Bak. Standardmässig verwenden die Schreiner FSC-zertifiziertes Eichenholz für die Rahmen.

Ansonsten kümmert man sich bei Vermland nicht um Trends. Das Augenmerk liegt auf der Konstruktion mit den Modulen. Die Qualität muss auch in der Gestaltung stimmen. «Eine Küche, die aus der Mode kommt, wird weggeworfen, egal, wie gut sie verarbeitet ist», weiss Bak. Das Prinzip der Rahmenkonstruktion stellt eine traditionelle Herangehensweise im dänischen Möbelbau dar. Der Rahmen trägt die Last, sodass man keine schweren, massiven und materialintensiven Seitenwände braucht. «Wir verwenden massive Eiche dort, wo sie sichtbar und täglicher Beanspruchung ausgesetzt ist», erklärt Bak. Daneben kommt Furnier für die Füllungen der Rahmen zum Einsatz. So verbrauche man insgesamt deutlich weniger Holz. Und dank dem demontierbaren Rahmenbau kann alles flach verpackt mit geringem Volumen versendet werden.

Die Dänen sind sensibilisiert

Für Bak ist das ökologische Bauen und Wohnen in Dänemark auf dem Vormarsch. Alle Akteure vom Architekten bis zum Investor seien sich der Zusammenhänge inzwischen stärker bewusst, während der Kunde vor allem Qualität wünsche. «Die Menschen möchten wissen, woher das Holz stammt, wie die Küche hergestellt wird und wie lange sie halten wird», sagt Bak. Es gebe jedoch nach wie vor in Dänemark einen grossen Markt für billige, kurzlebige Küchen. Um dem zu begegnen, möchte man nicht abgehoben sein bei den Preisen. Und gar nicht so selten geht das Hand in Hand mit einem Mehr an Ökologie. Denn wenig Oberflächenbehandlung sowie die Wiederverwendung von Materialien sind sparsam. Je weniger ein Material überdeckt sei, desto einfacher sei es, dieses zu pflegen, zu reparieren und am Ende wiederzuverwenden. Deshalb verwende man natürliches Öl, das leicht auszubessern sei. Die Wiederverwendung des Materials sei im modularen Denken bereits verankert. Ein Modul könne in einem neuen Layout oder einem neuen Raum immer weiterleben. Das Material, die Eiche, gewinne mit der Zeit an Charakter, was für Qualität stehe und nicht etwa einen Makel dar- stelle. Die Möbel seien so entworfen, dass sie aus jedem Winkel betrachtet funktionieren, nichts müsse unter Beschichtungen oder hinter doppelten Seiten verschwinden. Für Vermland zeige sich gutes Design gerade auch darin, Überflüssiges wegzu- lassen.

www.hamran.nowww.vermland.dk

Umweltberatung luzern

Tipps zur Ökoküche

Die Umweltberatung Luzern hat ein Merkblatt herausgegeben, das Konsumenten helfen soll, ihre Küche ökologischer zu planen und zu sanieren. Es gibt einen Überblick über wichtige Aspekte und deren ökologischer Einschätzung. So sind etwa Zahlen über die Ökobilanzen verschiedener Materialien für Korpusse, Abdeckungen und Rückwände aufgeführt. Auch das bauliche Umfeld wird berücksichtigt.

Die Einbaugeräte werden nach ihren Funktionsprinzipien kurz behandelt, ansonsten verweisen die Autoren auf www.topten.ch. Die Website vergleicht Geräte hinsichtlich Preis und Effizienz.

Die Umweltberatung Luzern berät auch persönlich. Offiziell jedoch nur die Bevölkerung des Kantons.

www.umweltberatung-luzern.ch

Christian Härtel, CH

Veröffentlichung: 17. September 2026 / Ausgabe 38/2026

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