Modische Outfits privater Küchen


Mit der Lasertechnik lassen sich sehr exakte, partielle Gravuren in MDF-Platten brennen und anschliessend pulverbeschichten. Bild: Woodcoat


Mit der Lasertechnik lassen sich sehr exakte, partielle Gravuren in MDF-Platten brennen und anschliessend pulverbeschichten. Bild: Woodcoat
Spezielle Fronten. Küchenfronten sind die Kleider der Korpusse, die sich individuell kreieren lassen. Dass die Gestaltungsmöglichkeiten dazu weit über die Verwendung von Dekorplatten hinausreichen, zeigen Beispiele einiger Produkte.
Private Küchen sind primär ein Arbeitsbereich, der in erster Linie Stauraum, Platz für Geräte und Flächen für die Durchführung von Arbeiten bieten muss. Entsprechend bestehen sie fast ausschliesslich aus kubischen Korpussen, weil diese maximalen Platz bieten sowie alle erforderlichen Innenleben zulassen. Benötigt wird jeweils eine weitgehend gleiche Kombination an grundlegenden, funktionellen Modulen, die da und dort noch ergänzt wird.
Private Küchen sind auch Wohnraum und oft der Treffpunkt der Familie, besonders wenn sie mit Esszimmern zusammenhängen oder gleich ein Teil von offenen Wohn-Esszimmern sind. Sie sollten daher eine eigene und ganz besondere Ausstrahlung haben, die den Nutzern entspricht und für sie anziehend und anregend wirkt – Orte zum Arbeiten, Wohlfühlen und zur Pflege der Geselligkeit.
Für eine individuelle Küchengestaltung kann massgeblich mit den Elementbreiten, der Art und Höhe der Oberschränke sowie der Gestaltung der Front- und Arbeitsflächen gearbeitet werden. Die Kombination aus Elementbreiten und gezielt gestalteten Fronten kann praktisch gleich bestückte Küchenräume völlig anders wirken lassen. Die Auswahl an geeigneten Oberflächen ist schon fast unendlich, und es kommen immer wieder neue Ideen dazu, die allenfalls wieder weitere Möglichkeiten schaffen.
Im Metallbereich gilt die Pulverbeschichtung schon lange als sehr effiziente und widerstandsfähige Beschichtungsart. Der Fertigungsbereich Woodcoat der Fust AG in Wil SG kann als einziger Hersteller in der Schweiz Farbpulver elektrostatisch auf MDF auftragen. «Diese Pulverschicht wird sofort in einem Durchlaufofen eingebrannt. Nach dem Aushärten entsteht eine robuste, kratzbeständige und gleichmässige Oberfläche», sagt Serge Eggler. Er ist Leiter von Woodcoat und Mitglied der GL. «Anders als bei vielen herkömmlichen Oberflächentechnologien werden nicht nur die Flächen, sondern auch Kanten, Rundungen und Vertiefungen durchgehend ummantelt, und das ohne Mehraufwand im Vergleich zu einer planen Fläche.»
Mittels Lasertechnologie lassen sich gravurartige Muster individuell und in hoher Präzision auf Oberflächen brennen. Bei Woodcoat geht das auch dreidimensional über Rundungen und Profile. Je enger solche Muster aber sind, desto schwieriger sind sie mit herkömmlichen Methoden zu beschichten, was mit der Pulvertechnik aber kein Thema ist.
Die Besonderheit von MDF-Platten ist, dass man darin problemlos dreidimensionale Fräsungen machen kann. So richtig spannend wird es dann, wenn auf Partien dieser Ausfräsungen Muster gelasert werden. Pulverbeschichtet entsteht somit ein ganz besonderer Effekt durch das Zusammenspiel von Struktur, Licht und Schatten.
Eine recht authentisch plastische Wirkung zeigt auch die Oberfläche «Rauvisio cube Desert Stone» von Rehau. Die Oberfläche überträgt laut Firmenangaben geologische Formationen aus Wüstenregionen in eine gleichmässig strukturierte Steintextur mit authentischer Haptik. Eine mineralische Spachtelmasse erzeugt Optik und Haptik des Materials auf eine verpresste MDF-Platte, mit farblich passendem Gegenzug. In Kombination mit der zugehörigen Kante und einer 45°-Fase entsteht eine besonders authentische Steinplattenoptik.
Wer lieber echte Steinflächen zeigen möchte und den entsprechenden Aufwand nicht scheut, kann die Frontelemente auch mit Steinfurnieren belegen. Die wenige Millimeter dicken Furniere bringen ein relativ geringes Mehrgewicht – bei authentisch schwerer Optik.
Stark plastisch wirkende Oberflächen gibt es auch im Echtholzbereich, wie die geflochtenen oder strukturgepressten Furniere der Muto’ GmbH aus Deutschland. Solche Flächen können in geschützteren Bereichen wie beispielsweise bei Schrankpartien oder auf der Wohnzimmerseite von Inseln eingesetzt werden.
Aus dem Bereich von Dekor- und HPL-Platten ist eine Vielzahl von Nachahmungen von Oberflächen bekannt. Trotzdem geht aber nichts über die Wirkung der jeweils originalen Materialien. Beispielsweise bietet die Morath Solutions AG aus Allschwil BL Fronten aus Edelstahl, Messing oder Kupfer an. Nur schon partiell, in Kombination mit anderen Frontmaterialien eingesetzt, wirken solche Elemente prägend und bestimmen den Charakter einer Küche.
Eine einzigartige Wirkung erreicht man auch mit den vermeintlichen Glasflächen von «Rauvisio crystal» von Rehau. Das normal mit Schreinereimaschinen verarbeitbare, kratzfeste Material gibt es als Composite-Grossformatplatte mit MDF-Kern in einer Stärke von 19 mm oder als dünnes Glaspaneel «Slim» mit 3,7 mm Stärke. Gegenüber echtem Glas ist es laut Hersteller 50 % leichter, zehnmal bruchfester und sogar biegbar. Die hochglänzende Oberfläche kann mit Whiteboard-Marker beschrieben werden und die matte mit Kreide.
Mit «Rauvisio crystal Deep» hat Rehau die matte Glasversion mit einem subtilen, metallischen Schimmer akzentuiert. Damit erhalten auch matte Oberflächen eine ungeahnte Tiefenwirkung.
Plastische Wirkungen können, müssen aber nicht real sein. Die enormen Fortschritte beim Digitaldruck erlauben heute das Bedrucken verschiedenster, auch unebener oder beispielsweise gebürsteter Oberflächen mit äusserst realistischen Darstellungen. Digital lassen sich auch recht grosse Fronten und sogar bereits stehende Wände bedrucken – eine Option, die den Gestaltungsspielraum nochmals erweitert. Wer Frontelemente individuell bedrucken lassen möchte, sollte aber daran denken, dass es allenfalls noch eine Schutzschicht darüber braucht.
Grosse Wandflächen ergeben sich beispielsweise auch, wenn ein Küchenarbeitsbereich versteckt wird und nur eine geschlossene Schrankfront sichtbar ist. Das kann gerade in kompakten Räumen ein Vorteil sein. Diese grosse zusammenhängende Frontfläche lässt dann eine eigentliche Wandgestaltung zu. Beim «Hawa Concepta III»-Schiebe- und Faltschiebetürprogramm lassen sich die Frontelemente in seitliche Taschen einfahren, womit dann eine dahinterliegende Küchenzeile uneingeschränkt bedienbar ist.
www.fustwil.chwww.rehau.comwww.muto.euwww.morath.chwww.hawa.comVeröffentlichung: 17. September 2026 / Ausgabe 38/2026
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