Enkeltaugliche Produkte haben Zukunft


Dünne Schallabsorber aus Filz der Echojazz AG, die eine moderne Architektur vielfältig unterstützen. Bild: Echojazz AG


Dünne Schallabsorber aus Filz der Echojazz AG, die eine moderne Architektur vielfältig unterstützen. Bild: Echojazz AG
Recycling. Das moderne Leben wird getragen von immer neuen hochwertigen Produkten, die nur zu schnell unwiederbringlich zu Abfall werden. Ganze Industrien beschäftigen sich daher damit, Basisrohstoffe mittels Recycling zu sichern, was zu folgenden Beispielen führt.
Die Erde ist eine Kugel, die durch den leeren Raum in ihrem Sonnensystem ihre Bahnen zieht und die – abgesehen von Meteoriten – keinen Kontakt zu anderen Himmelskörpern hat. Das Material, das sich auf und in ihr findet, ist immer konstant gleich viel. Es kommt nichts dazu und es verschwindet auch nichts. Wird allerdings ein Rohstoff derart umgewandelt, dass ein Zurück in den ursprünglichen Zustand nicht mehr möglich ist, nimmt die zur Verfügung stehende Menge dieses Rohstoffes unwiederbringlich ab. Die Vorstellung, dass dann spätere Generationen diesen wahrscheinlich dringend benötigten Rohstoff wieder hervorbringen können, ist dabei absurd. Es hat, solange es hat – hoffentlich auch für die Enkel und deren Enkel ...
In einer linearen Wirtschaft werden Materialien in einem Durchgang verbraucht und landen dann in einer finalen Abfallproduktion mit entsprechenden Entsorgungsaufwänden und -problemen. Schnell nachwachsende Rohstoffe, wie Lebensmittel, machen da wenig Probleme.
Holz ist auch ein nachwachsender Rohstoff, doch es wächst langsam, und für die Herstellung von Holzprodukten werden noch viele andere Ressourcen benötigt. Es macht also Sinn, solche Produkte zu recyceln, also mehrmals wiederverwenden zu können, bevor sie allenfalls noch in Energie umgewandelt werden. Bis dahin sollten die verwendeten Materialien möglichst nachgewachsen sein, was im Idealfall den Nutzungskreis wieder schliesst. In diesem Fall kann man von einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft sprechen.
Viele für Recycling geeignete Produkte können nur wenige Male und in einer jeweils anderen Beschaffenheit wiederverwendet werden, bevor auch sie zu Abfall werden – wenn auch um einiges später. Oft enthalten solche Produkte auch Stoffe, wie beispielsweise Bindemittel auf Erdölbasis, die unwiederbringlich verloren sind. Immer mehr Hersteller bemühen sich daher, Produkte zu schaffen, die möglichst verlustfrei kreislauffähig werden.
Damit ein Recycling machbar wird, müssen sich die verschiedenen Materialien eines Produkts möglichst einfach trennen lassen, damit beispielsweise die Metallteile von Beschlägen eingeschmolzen und zu neuen Beschlägen verarbeitet werden können. Wurden zum Beispiel Platten mit Blechen oder Folien belegt, wird dieser Prozess deutlich schwieriger bis unmöglich. Hingegen lassen sich verleimte Holzteile auf vielfältige Art wieder neu verwenden, solange keine Fremdstoffe darin eingeschlossen sind.
Je reiner ein Material ist, desto einfacher ist die Wiederverwendung. Unlegierte Metalle bleiben, was sie sind, und auch legierte können in dieser Metallmischung recycelt werden. Bei Kunststoffen ist das schon schwieriger. Wenn sie, wie bei Milchpackungen, aus mehreren, sehr dünnen Schichten verschiedener Materialien bestehen, kann vielleicht nur noch ein Granulat für die Herstellung minderwertiger Produkte gewonnen werden. Alternativ lässt sich Kunststoff mittels eines chemischen Recyclingverfahrens namens Pyrolyse, aber mit grossem Energieaufwand wieder zu einem nutzbaren Öl verarbeiten.
Die sehr häufig anzutreffenden Getränkeflaschen aus PET (Polyethylenterephthalat) lassen sich recht vielfältig weiterverwenden. Das recycelte Material kann etwa zu Fäden verarbeitet werden, aus denen dann Kleider, etwa Pullover, produziert werden. Firmen, wie beispielsweise die Echojazz AG in Kriens LU, fertigen aus solchen Fäden mit mindestens 50 % Recycling-PET-Anteil Industriefilz, der dann als feste Platten in verschiedenen Dicken für selbsttragende Akustiklösungen Verwendung findet.
Spanplatten sind eine Spezialität der Swiss Krono AG in Menznau LU. Ihre Bodenriemen «Artureon» verfügen über einen Spanplattenkern, dessen Späne in Harz eingekapselt wurden und der daher 100 % wasserfest und gleichzeitig 100 % recycelbar ist. Der Recyclinganteil des verwendeten Holzes liegt derzeit bei 30 % und soll bis auf 60 % gesteigert werden. Die Böden basieren auf dem Cradle-to-Cradle-Prinzip und durchlaufen einen geschlossenen Materialkreislauf.
Die Kuratle & Jaecker AG in Leibstadt AG vertreibt zwei Plattensysteme, die zu 100 % aus Recyclingholz bestehen, was eine konsequente Kreislaufwirtschaft und ein Holzrecycling auf technologisch hohem Niveau voraussetzt: Die Spanplatte «Organic Board Pure P» stammt von der Pfleiderer GmbH und verfügt über den 100 % biogenen Leim «Organic Glue». Die Firma Unilin produziert ihr ganzes Sortiment an Span- sowie MDF-Platten aus 100 % Recyclingholz und hat dafür jeweils ein Cradle-to-Cradle-Zertifikat. Dieses gehört zu den anspruchsvollsten Nachhaltigkeitsstandards weltweit. Es bewertet nicht nur die Inhaltsstoffe, sondern auch die Prozesse und die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.
Als erster Lackhersteller in Europa führt Adler Produkte im Sortiment, die ein Cradle-to-Cradle-Zertifikat (C2C) haben. In ihrem Schweizer Vertrieb in Tuggen SZ sind zahlreiche Beschichtungen erhältlich, die dieses Siegel tragen – beispielsweise das lösemittelfreie «Bluefin Unistar» aus dem Wasserlack-Sortiment oder die High-End-Holzfensterbeschichtung «Aquawood Diamond». Neben einem umweltschonenden Herstellungsprozess mit Energie aus erneuerbaren Quellen bestehen Cradle-to- Cradle-Produkte zu einem hohen Anteil aus nachwachsenden Rohstoffen. «Viel Potenzial besteht diesbezüglich bei Lack-Bindemitteln, die aus Biomasse statt Erdöl hergestellt werden», erklärt der Geschäftsleiter Forschung und Entwicklung bei Adler, Albert Rössler.
Die Poesia Holding AG in Unterkulm AG investiert seit Jahren, um ökologisch zu produzieren. Mit Dichtungen aus biobasiertem Thermoplast ist das Unternehmen nun einen Schritt weitergegangen. Als Alternative zu ölbasierten TPE-Dichtungen ist eine Bio-TPE-Variante in fast allen Geometrien lieferbar. Und sie haben die gleiche Qualität und die gleichen Funktionen wie ölbasierte TPE-Dichtungen – bei 40% Bio-Anteil.
Einen völlig anderen Weg geht die Girsberger AG in Bützberg BE mit dem Serviceangebot «Refurbishing». Unabhängig von der Marke bietet der Möbelhersteller die vollständige Renovation von Sitzmöbeln und Tischen an – optisch und funktional wie neu. Beim zweiten Angebot «Upcycling» entstehen aus Altmöbeln komplett neue Möbelstücke mit neuen Funktionen und zusätzlichen Einsatzmöglichkeiten. Zum Beispiel entstanden Besprechungs-Boxen für den Bund aus alten Schränken und rund 75 % Altmaterial.
www.echojazz.chwww.swisskrono.chwww.kuratlejaecker.chwww.adler-lacke.comwww.poesia.chwww.girsberger.com
Veröffentlichung: 11. Juni 2026 / Ausgabe 24/2026
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