Ersatz historischer Beschläge


Der 3D-Druck in Metall erlaubt Modifikationen, wie hier beim Drücker der Kunstschmiede Hedinger. Bild: Andreas Brinkmann


Der 3D-Druck in Metall erlaubt Modifikationen, wie hier beim Drücker der Kunstschmiede Hedinger. Bild: Andreas Brinkmann
Denkmalschutz. An keinem Element geht die Zeit spurlos vorbei, und so müssen immer wieder historische Beschläge repariert, ergänzt oder ersetzt werden. Das verlangt nach versierten Spezialisten, damit die nachfolgenden Teile authentisch sind und lange Zeit funktionieren.
In früheren Zeiten wurde dem dekorativen Wert bei Beschlägen viel Aufmerksamkeit geschenkt. Die gegenüber heute bescheideneren technischen Funktionen verfügten über teilweise kunstvolle Verzierungen, welche noch immer eine besondere Wertigkeit ausstrahlen. Beispielsweise gab es aus Metall gegossene Eckverzierungen für Fenster, spezielle Bandverzierungen und Drücker sowie Verschlussgriffe für Türen, Fenster und vieles mehr.
Werden Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und sollen sie dann restauriert werden, muss oft die Funktion der Beschläge an die heutigen Anforderungen angepasst werden, und gleichzeitig soll die optische Wirkung erhalten bleiben. Das heisst, dass solche alten Beschläge nicht nur ergänzt, sondern auch kompatibel mit der neuen Technik nachgebaut werden müssen.
Es gibt Firmen, die darauf spezialisiert sind, alte Beschläge nachzubauen. Die Werk14 AG aus Grünen BE hat sich beispielsweise auf Fensterespagnoletten aus dem 18. und 19. Jahrhundert spezialisiert. Diese Drehstangen mit Verschlusskloben werden mit einem sogenannten Ruder bedient, welches etwa mittig am aufrechten Fensterfries in einen Haken am Rahmen oder zweiten Flügel einhängt.
In verschiedenen Epochen gab es unterschiedliche Ruderformen, die aus bestimmten Materialien hergestellt wurden. Im Zusammenhang mit dem Denkmalschutz ist es dann wichtig, dass Form, Material und auch das Gewicht des Beschlages wieder dem Damaligen entsprechen. Die Firma führt ein breites Angebot an entsprechenden seriell hergestellten Produkten. Als Spezialität bietet sie auch eine Zier-Espagnolette, die bei praktisch gleicher Optik mit einem Sechskantdorn auf einen modernen Fensterbeschlag zugreifen kann. Damit sind dann alle heute möglichen Verschlussarten denkbar.
Neben der Serienfertigung nutzt Werk14 ihre umfangreiche Fertigungsanlagen auch für Sonderlösungen im Bereich Espagnoletten und Eckbänder für historische Gebäude, wie beim Schloss Spiez, dem Zytglogge-Turm Bern und anderen. Manche historische Beschläge sind zu speziell, um sie durch Serienteile zu ersetzen. Als Produktionsmittel stehen das Wasserstrahlschneiden, die CNC-Fertigung und auch der Metall-3D-Druck zur Verfügung. Wenn erforderlich, ist ein zusätzliches Überschmieden der Elemente möglich, was dann dem historischen Original sehr nahekommt.
Die Kunstschmiede Hedinger aus Bonstetten ZH ist darauf spezialisiert, im klassischen Verfahren Türbänder, Türschlösser und Ähnliches nach Vorlage zu gestalten, nachzuschmieden oder zu reproduzieren. Entsprechend heisst es von der Firma: «Als Kunstschmiede dürfen wir für unsere Kunden immer wieder antike Elemente wie Beschläge, Türdrücker und Ähnliches restaurieren. Dabei stehen wir oft vor wiederkehrenden Herausforderungen: Bestimmte Teile fehlen oder wurden im Lauf der Zeit minderwertig nachproduziert, und wir müssen nun – oft in Kleinstauflage – eine Lösung finden, die sowohl dem Budget des Kunden als auch dem Traditionsreichtum der Objekte gerecht wird.»
Der historisch akkurate Stahlguss beispielsweise ist für Kleinstauflagen unverhältnismässig kostenaufwendig. Bezüglich Gusselementen wird – wie bei Werk14 – mit der Manufaktur der Solothurner Glutz AG zusammengearbeitet. Eine sehr spannende Kooperation besteht auch mit der Feramic AG, welche in unmittelbarer Nähe zur Kunstschmiede liegt. Dort können Einzelteile im 3D-Druck in Metall nachproduziert werden.
Durch hochmodernes Einscannen der originalen Bauteile kann jedes Detail, jede Rundung und jede Fläche perfekt nachgebildet werden. Selbst das Gewicht überzeugt, was gerade bei antiken Elementen ein wichtiger Faktor ist. Damit sind dann auch unsichtbare funktionelle Modifizierungen möglich, wodurch die Beschläge aktuellen Standards entsprechen können.
Moderne Methoden in der klassischen Kunstschmiede sind natürlich nicht bei allen beliebt. Wenn eine Innovation aber sinnvoll eingesetzt werden kann, um ein historisches Gebäude in seiner Gesamtheit erhalten zu können, liegt es auf der Hand, diese nutzen zu wollen.
Ganz traditionell verläuft das Sandgussverfahren in der Manufaktur der Glutz AG in Solothurn. Neben Schlössern, Beschlägen und elektronischen Zutrittssystemen, welche industriell gefertigt werden, verfügt die Firma auch über diese kleine Buntmetallgiesserei. Florian Kaufmann von der Manufaktur erklärt: «Für die Herstellung von Sandformen sind Gussmodelle nötig. Das kann ein Originalteil zum Abgiessen, ein 3D-Druck, ein aus Holz geschnitztes Objekt oder auch ein historisches Gussmodell sein.» Speziell der 3D-Druck erlaubt dann auch wieder das Einbringen kleiner Modifikationen, wie die Möglichkeit, eine Drückergarnitur perfekt auf den Bedarf von Sicherheitstüren abzustimmen.
Glutz verfügt über eine historische Sammlung für Türbeschläge, Möbelapplikationen und so weiter, die 12 000 Modelle umfasst. Die Manufaktur produziert nicht auf Lager, sondern stellt Produkte ab Stückzahl eins und ausschliesslich auf Bestellung her. Zum Abgiessen werden die Formen in eine zweiteilige Form mit gepresstem Spezialsand gedrückt. In den Sand werden anschliessend noch die Speisleitung mit Einfülltrichter und Abluftkanäle geformt, damit dann das flüssige Metall in den Hohlraum der geschlossenen Gussform gegossen werden kann. Die Sandform muss für jedes Element neu erstellt werden.
Da die Manufaktur ausschliesslich die Gussteile und keine anschliessenden Elemente wie beispielsweise Espagnoletten herstellt, kommt es immer wieder zu Kooperationen mit Partnern.
Mit einem Angebot an historischen Beschlägen ist auch die Hager Zierbeschläge AG ein wichtiger Anbieter. Da die Firma Zugang zu verschiedenen Herstellungsmethoden hat, sind auch immer wieder Sonderanfertigungen möglich. Manchmal eignen sich diese auch für ein breiteres Feld an Interessenten, sodass es diese Produkte in den Katalog schaffen.
www.werk14.chwww.hedinger.swisswww.glutz.comwww.zierbeschlaege.ch
Veröffentlichung: 30. Oktober 2025 / Ausgabe 44/2025
Farben. Das unbunte Weiss und Schwarz macht in Küchen immer häufiger gedeckten Erd- und Pastelltönen Platz. Vor allem eine jüngere Kundschaft hat den Mut zu mehr Farbe. Und im passenden Kontext kann es auch eine pinke Koch- und Wohnstätte sein.
mehr
FarbSymbolik. Rot ist die Liebe, steht aber auch für Gefahr und Verbote. Schwarz ist elegant, hat aber auch etwas Bedrohliches. In allen Zeiten und Kulturen haben Farben einen Symbolgehalt, der durchaus widersprüchlich ist.
mehr
PaidPost. Der Schreineralltag ist vielfältig und abwechslungsreich: sowohl in der Werkstatt als auch auf der Montage, wie dieser Auftrag von Schreiner 48 einmal mehr beweist.
mehr