Faszination Matterhorn


Als Bergführer Franz war der pensionierte Schreiner Elmar Biner (67) Teil der Freilichtaufführung über die Erstbesteigung des Matterhorns. Bild: Z-Arts, Hannes Zaugg-Graf


Als Bergführer Franz war der pensionierte Schreiner Elmar Biner (67) Teil der Freilichtaufführung über die Erstbesteigung des Matterhorns. Bild: Z-Arts, Hannes Zaugg-Graf
Der Jubel der Zermatter Bevölkerung ist schier grenzenlos, als die drei Bergsteiger auf dem Dorfplatz eintreffen. Doch wenige Augenblicke später schlägt der Freudentaumel in blankes Entsetzen um. Wo ist der Rest der beiden Seilschaften? Wo sind die fehlenden vier Männer? Doch was die Dorfbewohner aufgrund des gebeugten Ganges und der schweren Schritte der drei Ankömmlinge bereits ahnen, wird beim Blick in deren leere Gesichter zur traurigen Gewissheit: Sie sind tot, abgestürzt nach dem grössten Triumph ihres Lebens, der Erstbesteigung des Matterhorns. 150 Jahre später, im Jubiläumsjahr eben dieser Erstbesteigung, stand die schicksalhafte Begebenheit im Zentrum der Freilichtspiele «The Matterhorn Story». Mit dabei im Schauspielensemble war auch der pensionierte Schreiner Elmar Biner. Mit seinem urtümlichen Dialekt verlieh der gebürtige Zermatter dem in Englisch, Deutsch und «Wallisertiitsch» gehaltenen Stück ein grosses Stück Authenzität. In seiner Rolle als einheimischer Bergführer warnte Biner die Erstbesteiger: «Courage heid iehr scho, aber äs geid eifach nid, das Horu cha me nid bestige.» Im echten Leben hat der 65-Jährige das «Horu» selber zweimal bezwungen und war als Schreiner massgeblich am Umbau der Hörnlihütte beteiligt.
«Das ‹Horu› ist ein magischer Berg, aber auch ein Menschenfresser», sagt der Zermatter. «Die bösen Geister aus der Vergangenheit sind noch immer da», erklärt er und spricht damit einen Mythos an, der sich über all die Jahre ein wenig in den Köpfen der Einheimischen gehalten hat. Mit den bösen Geistern aus der Vergangenheit hatten nach der Erstbesteigung im Jahr 1865 auch die drei Überlebenden, der Brite Edward Whymper und die beiden Zermatter Bergführer Peter Taugwalder Vater und Sohn, zu kämpfen.
Bis heute ist ungeklärt, wie es zu dem Unglück kommen konnte, warum zwischen den beiden Seilschaften ein dünneres Seil verwendet und ob dieses gerissen oder allenfalls zerschnitten worden war, wie Whymper Peter Taugwalder senior später vorgeworfen hatte. Als der Beschuldigte im Theaterstück seine geschundenen Hände und das ausgefranste Seil als Beweis vorzeigt für seine Bemühungen, die Abgestürzten zu retten, begegnet ihm Elmar Biner in seiner Rolle als Bergführer Franz skeptisch. Mit der Aussage, dass die Spannung auf dem Seil so hoch gewesen sei, dass es auch ausgefranst wäre, wenn man es zerschnitten hätte, um das eigene Leben zu retten, verleiht er seinem Misstrauen Ausdruck. Und was denkt der «echte» Elmar Biner? «Schwierig zu sagen, was damals wirklich passiert ist. Der Berg schweigt.» Es sei aber gut möglich, dass der ehrgeizige Whymper mit den Beschuldigungen nur von seinem eigenen Fehlverhalten habe ablenken wollen. «Der soll ja ein brutaler Hund gewesen sein.»
Rund 40 Mal ist das Freilichttheater diesen Sommer am Gornergrat mit der atemberaubenden Aussicht auf das Matterhorn aufgeführt worden. Dafür hatte das Ensemble ab Anfang März jeweils drei bis viermal pro Woche geprobt. Der Aufwand hat sich gelohnt. Der Erfolg des Stückes war überwältigend.
«Am Anfang war ich eine Niete», meint Biner lachend, «ich war mir sicher, dass ich gleich wieder liquidiert werde.» Dem war nicht so. «Wir Schauspieler haben eine unvergessliche Zeit miteinander erlebt und sind zu einer grossen Familie zusammengewachsen.» Doch mit dem Sommer ist auch das Stück zu Ende gegangen. Nun hat «Eli» wieder mehr Zeit für Freunde, Familie und für das Schnitzen. Ein häufiges Sujet ist dabei das Matterhorn, der «allerschönste Berg der Welt».
«Schwierig zu sagen, was damals wirklich passiert ist. Der Berg schweigt.»
Veröffentlichung: 22. Oktober 2015 / Ausgabe 43/2015
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