Feuer für ein bedrohtes Handwerk

Für Kundenwünsche, wie diese Rolle für ein Balanceboard, muss Zeit sein, findet Drechsler Manuel Ruff (33) aus Engwilen TG. Bild: Manuela Ziegler

Leute. Konzentriert drechselt Manuel Ruff das Holz zu einer konisch zulaufenden Form. Die Späne fliegen. Eine letzte Drehung, und er setzt die Drehröhre ab und schaltet die Drehbank aus. «Eine schöne Arbeit ist das», sagt er mit zufriedenem Gesichtsausdruck.

Der 33-Jährige führt zusammen mit seinem Bruder Silas die Ruff AG Drechslerei Holzhandwerk in Engwilen TG. Das Drechseln liegt beiden im Blut, bereits der Vater hatte dieses traditionelle Handwerk erlernt. «Schon als Kind habe ich gern mit den Händen gewerkt, im Wald und auf dem benachbarten Bauernhof», erinnert er sich. «Doch als Jugendlicher wollte ich erst mal mein eigenes Ding machen und nicht beim Vater arbeiten.»

«Plötzlich verspürte ich im Umgang mit dem Massivholz einen neuen Reiz.»

Auf dem Weg zur Berufswahl schnupperte er beim Bäcker, im Sportartikelhandel und in einer Schreinerei. Schliesslich entschied er sich 2009 für eine Schreinerlehre bei der B&L Schlauri AG in Ermatingen. Dort hat er sich weitergebildet zum CNC-Maschinisten und Lehrlingsausbildner, und «dann war es Zeit aufzubrechen». Mit Ende 20 unterstützte er seinen Vater verletzungshalber in dessen Werkstatt. «Plötzlich verspürte ich im Umgang mit dem Massivholz einen neuen Reiz», erinnert er sich. Der Gedanke an eine eigene Werkstatt nahm allmählich Gestalt an. Doch Ruff ist kein Einzelkämpfer, sondern ein Teamplayer. Für ihn war entscheidend, dass sein Bruder Silas, ebenfalls gelernter Schreiner und Holztechnikingenieur, auch Gefallen an der Idee fand, gemeinsam den väterlichen Betrieb zu übernehmen. «Wir vier Brüder sind heute beruflich selbstständig, die anderen beiden allerdings nicht im Holzfach.»

Die Drechslerlehre konnte er als jüngster Sohn ab 2021 beim Vater machen. «Ein Glück», wie er sagt, denn es gibt in der Schweiz aktuell noch eine Handvoll Drechslereien, die ausbilden. Die Ruff-Söhne durften einen florierenden Betrieb schrittweise übernehmen. Der Vater hatte 1995 in einer Garage begonnen, zügelte zuletzt 2011 in die bestehende Halle in Engwilen. 2020 stiegen die Nachfolger anteilig in den elterlichen Betrieb ein und übernahmen 2025 vollständig. Die beiden Geschäftsinhaber teilen sich die operativen und administrativen Aufgaben im Betrieb mit vier Vollzeit- und zwei Teilzeitangestellten und bilden je eine Lernende im ersten und vierten Lehrjahr aus. Daneben gibt es schweizweit gerade noch einen Lernenden im ersten Lehrjahr. «Was mache ich eigentlich nicht?», fragt er sich und schmunzelt. Doch für den Fortbestand des Berufes mobilisiert er gern zusätzlich Energie. Im nächsten Jahr möchte er bei den Berner Behörden, wo die Drechslerausbildung angesiedelt ist, für finanzielle Mittel werben. Zusammen mit anderen Kleinstberuflern setzt er sich dafür ein, dass einzelne Betriebe sich zu Lehrverbünden zusammenschliessen, um gemeinsam auszubilden. Ein klarer Vorteil für Einsteiger: «Man kann diesen Beruf mit wenig Maschinen starten.» Der mittelständische Betrieb arbeitet in Serie mit mehreren speziellen CNC-Maschinen. Einer der Produktionsschwerpunkte liegt auf Holzurnen, ein weiterer auf Einzelelementen für den Möbelbau und die Gastronomie. Auch Stiftungen gehören zum Kundenstamm. Und neben dem Kerngeschäft darf auch die Liebhaberei nicht zu kurz kommen. Der Inhaber zeigt ein Foto eines selbst gedrechselten Rings mit feiner Goldeinlage für seine Verlobte Sara.


Manuela Ziegler

Veröffentlichung: 26. Oktober 2026 / Ausgabe 43/2026

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