Velorennen sind nicht nur Hobby


Der gelernte Schreiner Jonas Weiss (35) aus Othmarsingen trainiert den Radsportnachwuchs in Sulz AG. Bild: Cornelia Thürlemann


Der gelernte Schreiner Jonas Weiss (35) aus Othmarsingen trainiert den Radsportnachwuchs in Sulz AG. Bild: Cornelia Thürlemann
Auf dem Turnhallenplatz in Sulz im Fricktal AG absolvierte Jonas Weiss (35) als Achtjähriger die ersten Trainings der Jungradler des Veloclubs RV Helvetia Sulz. Nicht nur der Sport machte ihm Spass, auch das Zusammensein mit anderen Kindern. Heute, 27 Jahre später, ist der gelernte Möbelschreiner weiterhin regelmässig auf dem Trainingsplatz anzutreffen, aber nun in der Funktion als Leiter der Radsportschule Sulz. Er legt die Schwerpunkte der Trainings fest, plant und koordiniert die Einsätze der zehn Leiterinnen und Leiter. 16 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 14 Jahren gehören der Nachwuchsgruppe an. «Im Kanton Aargau sind wir nebst Hägglingen und Gränichen noch der einzige Verein, der leistungsbezogene Nachwuchsförderung anbietet», betont Weiss. Die Kinder kommen aus der ganzen Region. Bis in die 90er-Jahre habe noch fast jeder Verein eine Nachwuchsgruppe gehabt. Weiss plant die Trainingseinheiten auf drei Monate hinaus, auf der Basis der Schwächen der Kinder. «Wir möchten die Kinder und Jugendlichen spielerisch an den Leistungssport im Radrennfahren heranführen», sagt er. Parallel dazu leitet er das Regionalkader der 15- bis 19-Jährigen im Aargau. Etwa anderthalb Tage pro Woche widmet er dem Radrennsport. Nebst den Trainings besucht er mit den Kindern Rennen, für die er meist den ganzen Tag unterwegs ist.
«Während der Corona-Pandemie hatte ich Zeit, darüber nachzudenken, was ich nach meiner Radrennkarriere machen möchte.» Zu der Zeit war Weiss aktiver Radrennfahrer. Bei internationalen Rennen erreichte er zwar selten einen Platz auf dem Podest, aber doch beachtliche Erfolge. Weiss entschloss sich, die eidgenössische Ausbildung zum «Berufstrainer Leistungssport» zu absolvieren. Voraussetzung dafür war der erfolgreiche Abschluss der verbandsinternen Jugend+Sport-Ausbildungen. Weiss erlebte die Ausbildung, die er mit Teilnehmenden aus anderen Sportarten absolvierte, als Bereicherung. Einerseits konnte er sein Wissen und sein Werkzeug als Trainer vertiefen, andererseits erhielt er in den Gesprächen mit den Trainern anderer Sportarten Einblick in deren Arbeitsweise. «Wir lernten neue Strategien kennen.» Dabei sind neue Kooperationen entstanden. So hat ein Orientierungslauf-Trainer für die Radsportschule Sulz einen Velo-OL zusammengestellt. Die zweijährige berufsbegleitende Ausbildung hat Weiss diesen Sommer nun erfolgreich abgeschlossen. Dies öffnet ihm weitere Türen. Er hofft, dass er den Radrennsport mit einer Teilzeitanstellung in diesem Bereich in sein Berufsleben integrieren und damit einen Teil seines Einkommens generieren kann. Denn bisher hat er sich – abgesehen von Spesenentschädigungen – ehrenamtlich engagiert.
Weiss ist nicht nur ein begeisterter «Gümmeler», sondern auch Schreiner. Viele Jahre war er in der Herstellung von Tischen, Stühlen und Sideboards tätig, heute arbeitet er mit einem 80-Prozent-Pensum in einem Handwerkerteam, das für den Unterhalt der aargauischen Asylzentren zuständig ist. Die Arbeit ist vielseitig und gefällt ihm sehr gut. Sie ermöglicht ihm sein Engagement für den Radrennsport. Vor zwei Jahren hat Weiss geheiratet und wohnt seither in Othmarsingen. «Nein, meine Frau kommt nicht aus dem Radrennsport», sagt er schmunzelnd. «Ich habe sie bei einem Konzert kennengelernt. Mein Hut hat ihr die Sicht auf die Bühne versperrt, und so kamen wir miteinander ins Gespräch.»
«Wir möchten die Kinder und Jugendlichen spielerisch an den Leistungssport im Radrennfahren heranführen.»
Veröffentlichung: 15. Oktober 2026 / Ausgabe 42/2026
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