Gegen das Übergreifen von Flammen


In engen Altstadtgassen helfen Brandschutzfenster, das Übergreifen von Flammen zu verhindern. Bild: Andreas Brinkmann


In engen Altstadtgassen helfen Brandschutzfenster, das Übergreifen von Flammen zu verhindern. Bild: Andreas Brinkmann
Brandschutzfenster. Versuche, natürliches Licht in die Innenräume von Gebäuden zu lenken, dürfen bei einem Brandfall nicht für zusätzliche Probleme sorgen. Ein effizienter Brandschutz ist auch bei Fenstern möglich – und dies sogar, ohne dass dieser sichtbar sein muss.
Bei Reihenhäusern ist es heute selbstverständlich, dass es im Übergang von einem Haus zum nächsten eine Brandschutzwand hat. Diese kann einfach oder doppelt ausgeführt sein, bietet einen sehr hohen Feuerwiderstand und verhindert somit, dass in einem Brandfall das Feuer zum nächsten Haus überspringt. Doppelte Wände mit einer Isolation mit sehr hohem Schmelzpunkt dazwischen verhindern auch die Weiterleitung der Hitze. Diese allein kann auf der anderen Seite einen Brand entfachen. Werden aneinandergebaute oder eng zusammenstehende Gebäude in einer historischen Altstadt saniert, müssen die Übergangswände brandsicher, also zu Brandschutzwänden gemacht werden.
Bei winklig zusammengebauten Häusern, die keine durchgehende Einheit darstellen, gilt das Gleiche wie bei längs zusammengebauten: Es braucht eine Brandschutzwand, senkrecht bis zum Dachgiebel hinauf. Problematisch ist hier, dass die Fassaden und allfällige Fenster, durch ihre Positionierung zueinander im Eckbereich, eventuell ein Überspringen der Flammen begünstigen. Neben den nicht brennbaren Fassaden können somit auch Brandschutzfenster erforderlich sein. Das gilt auch in engen Gassen, wo die Fenster oft einen zu geringen Abstand zueinander aufweisen.
Nebst den Abständen der Fenster in den Fassaden gibt es noch viel mehr brandabschnittsbildende Bereiche, die eine Brandausbreitung begrenzen sollen und Brandschutzfenster benötigen. Milan Budimir ist Leiter Technik beim Schweizerischen Fachverband Fenster- und Fassadenbranche (FFF) und weist diesbezüglich auf Flucht- und Rettungswege, Treppenhäuser, Korridore und Notausgänge hin. Nicht vergessen darf man auch, dass es Gebäude mit erhöhten Brandschutzanforderungen gibt, wie beispielsweise Krankenhäuser, Schulen, Hotels und Industrieanlagen.
Der FFF hat ein System von EI30-Brandschutzfenstern entwickelt, welches eine freie Kombination verschiedener, freigegebener Komponenten zulässt. Den lizenznehmenden Herstellern stehen so viele Möglichkeiten zur Verfügung, und das bei Holz- wie auch Holz-Metall-Ausführungen.
Auch die Fenster Keller AG aus Bütschwil SG bietet als Mitglied der Feuerschutzteam AG Brandschutzfenster beider Kategorien an. Ihr Verkaufsleiter Markus Stuber weist darauf hin, dass sich ein Brandschutz- von einem Standardfenster optisch nicht unterscheidet und der Wechsel an einer Fassade nicht sichtbar ist. Auch gibt es keine Unterschiede, was die Leistungsparameter betrifft. Es dürfte aber klar sein, dass nur ein geschlossenes Fenster im Brandfall helfen kann. Entsprechend sollen Brandschutzfenster grundsätzlich nur zu Reinigungszwecken geöffnet werden.
Bezüglich zugelassener Holzarten gibt es mittlerweile mehr als nur Eiche. Als Gemeinsamkeit haben alle geprüften Hölzer eine Rohdichte von ≥450 kg/m³. Urs Fischer von der Schreinerei Meier AG in Zell LU gibt zu diesem Thema an, dass ihre Brandschutzelemente aus allen üblichen Nadel- und Laubholzarten hergestellt werden können. Auch dieser Betrieb produziert Fenster in vielerlei Ausführungen und ist als Mitglied der Feuerschutzteam AG aus Hünenberg ZG bei den neuesten Entwicklungen in diesem Bereich immer mit dabei.
Bei der Widerstandsbezeichnung EI30 steht das «E» für den Raumabschluss. Voraussetzung ist, dass alles so dicht ist und bleibt, dass weder Feuer noch Rauch hindurchkommen kann. Das bedingt einerseits die Verwendung von Brandschutzdichtungen. Raoul Wettstein von der Theo Wernli AG in Thalheim AG weist andererseits noch auf das Blähpapier hin – die Firma bietet eigene Brandschutzfenster-Linien an. Solche Blähpapierbänder werden zwischen Flügel und Glas sowie zwischen Flügel und Rahmen eingesetzt. Bei einem Brandfall schäumen sie auf das 20-Fache ihrer Materialstärke auf und schliessen diese Fugen sofort ab.
Weiter muss das Anschlagband für den Anschluss des Fensterrahmens zum Mauerwerk ein Brandschutzband sein, und die Verglasung erfolgt mit Brandschutzsilikon – bei Holz-Metall-Fenstern auch auf der Innenseite. Bei Letzteren fixieren aussen Chromstahlhalter die Glaselemente – unabhängig von der Metallbefestigung.
Der Buchstabe «I» bei der Widerstandsbezeichnung steht für die Isolation. Das Besondere an Fenstern sind ihre Glaselemente, die ja einen grossen Teil von der ganzen Fensterfläche ausmachen. Egal wie gross der Brandwiderstand der Rahmen ist, auch das Glas muss den Flammen, dem Rauch und der Hitze widerstehen. Und es darf, wie eine Brandschutzwand, die Hitze auch nicht hindurchlassen – muss also bei Bedarf zusätzlich sehr stark isolieren. Entsprechend wird auf der Gebäudeinnenseite des Fensters ein Brandschutzglas eingesetzt. Beispielsweise bietet die Firma Glas Trösch AG aus Buochs NW ein Brandschutzglas mit der Bezeichnung «Fireswiss Foam» an, welches als mehrschichtiges Verbundglaselement aufgebaut ist.
Die verbindenden Folien zwischen den Floatgläsern sind Thermo-Transformations-Schichten (TTS). Bei einem Brandfall expandiert die erste TT-Schicht, wenn das davorliegende Glas zerspringt, und bildet eine feste, zähe Schaumplatte. Die weiteren TT-Schichten expandieren ebenfalls im weiteren Verlauf nacheinander. Es entsteht ein hocheffizienter Hitzeschild, der auch gegen Rauch und Flammen schützt. Der Raumabschluss bleibt so für eine durch die Zahl der Schichten definierte Zeit gewährleistet.
Die Zahl «30» der Widerstandsbezeichnung steht für mindestens 30 Minuten Feuerwiderstand der ganzen montierten Einheit. Laut Raoul Wettstein dürfen die Verschlüsse der Fensterbeschläge nicht gegossen sein, da diese bei grosser Hitze brechen. Milan Budimir weist darauf hin, dass mit speziellen Rahmenkonstruktionen eine höhere thermische Stabilität erreicht wird.
Das zeigt, dass das Zusammenspiel aller Komponenten sowie die Einhaltung der Montagevorgaben äusserst wichtig sind, damit sich in der angegebenen Zeit alle in Sicherheit bringen und die Löscharbeiten beginnen können. Das heisst dann auch, dass die Montagefirmen und deren Monteure entsprechend instruiert werden. Als Festverglasungen sind aus den normalen Angeboten auch Fenster mit EI60 erhältlich.
Nur wegen Brandschutz muss nicht auf grosse Fensterflächen verzichtet werden. Geprüft wurden von den verschiedenen Anbietern ein- und zweiflügelige Fenster, die theoretisch endlos nebeneinandergereiht werden dürfen. Dabei müssen die einzelnen Elementgrössen den Vorgaben der geprüften Einzelelemente entsprechen. Beispielsweise beim FFF wurden einflügelige Fenster bis zu einem Rahmenlichtmass von maximal 1320 mm Breite mal 2712 mm Höhe und gleichhohe zweiflügelige Fenster mit maximal 2320 mm Breite geprüft.
Bei 2712 mm Rahmenlichthöhe ist aber noch nicht Schluss. Die maximale Gesamthöhe beim Rahmenaussenmass vom Brandschutz-Fenstersystem des FFF liegt bei 3700 mm. Erreicht wird das mit einem einflügeligen liegenden Element, welches über den anderen positioniert werden darf, mit einer maximalen lichten Grösse von 2712 mm Länge und 679 mm Höhe.
www.fff.chwww.fensterkeller.chwww.schreinerei-meier.chwww.wernli-fensterbau.ch
Veröffentlichung: 03. April 2025 / Ausgabe 14/2025
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