Glück auf den Rheinwellen gefunden

Jede Sekunde seiner Freizeit verbringt Stephan Mathys (29) auf dem Rhein. Paddeln ist sein Leben, der Kanu Club Schaffhausen seine zweite Familie. Bild: Beatrix Bächtold

Wie in Zeitlupe zieht der Strom. Der Munot, das Wahrzeichen der Stadt, thront zwischen den Reben. Hier, an der Schaffhauser Rheinpromenade, findet man so etwas wie den Himmel auf Erden. Für Stephan Mathys gehört dieses traumhafte Fleckchen Erde zum Leben.

Sein Elternhaus liegt nahe beim mächtigsten Fluss der Schweiz, und die Familie besitzt, so lange er zurückdenken kann, einen traditionellen Weidling aus Holz.

«Mein Vater schob uns im Uferbereich mit einem Stachel flussaufwärts. Danach liessen wir uns auf den funkelnden Wellen treiben. Der Duft des Wassers und das Glucksen der Wellen sind tief in mir drin», sagt der 29-Jährige. Als Primarschüler macht er dann den Einsteigerkurs beim Kanu Club Schaffhausen (KCSH), der 1925 als Faltbootclub gegründet wurde und heute dem Schweizerischen Kanuverband angehört. Beim Paddeln muss man früh anfangen. «Einem Erwachsenen ist es fast unmöglich, das Fahren in den schmalen Booten zu erlernen», sagt Mathys und erzählt dann, dass man spätestens, sobald man in die Wellen hinter einem Motorboot gerät, einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn benötigt. Das erste eigene Paddelboot hat Mathys zu seiner Konfirmation erhalten. Das Boot hütet er heute noch als Zweitboot, obwohl er längst ein modernes Hightech-Boot besitzt. «Unzählige Kilometer habe ich darin zurückgelegt und unzählige schöne Momente erlebt», fasst er zusammen.

Das Paddel hat Stephan Mathys nie aus den Händen gelegt. Seit vier Jahren amtet der junge Mann ehrenamtlich als Sportchef im Vorstand des KCSH. «Ich betreue die Jungs», sagt er und wirkt dabei so gelassen, als wäre es die einfachste Sache der Welt, im Vorstand des renommierten Clubs ganz vorne zu «paddeln».

Tagsüber arbeitet der Schreiner als Abteilungsleiter Fensterbau bei der Möckli AG, nebenbei büffelt er für die Meisterprüfung, und die Vorstandsarbeit im KCSH ist auch nicht immer eine gemächliche Tour. Immerhin hat der Club rund 400 Mitglieder, die gefordert und gefördert werden wollen. Und so organisiert Mathys in seiner Freizeit Kurse, trifft sich mit den Leitern der insgesamt zehn verschiedenen Trainingsgruppen zu Sitzungen, gibt seine Erfahrung an Nachwuchspaddler weiter oder betreut die Profiathleten. Zwei Drittel seines Lebens hat Stephan Mathys dem Paddeln gewidmet. Fragt man ihn nach dem schönsten Erlebnis, so zeigt es sich, dass der Schreiner dem gemächlichen starken Fluss, wie er sich um Schaffhausen herum präsentiert, gar nicht so unähnlich ist. Nur kein Poltern, nur kein Hasten, immer schön gleichmässig, zielgerichtet, zuverlässig. «Ach», sagt er, «einen bestimmten Moment kann ich nicht benennen. Aber immer wenn ich merke, dass die jeweiligen Junioren auf dem Wasser schneller werden als ich, so freut mich das.» Auf seinen Fahrten begegnet Stephan Mathys neben kapitalen Fischen auch dem Biber, der Bisamratte und dem seltenen Eisvogel. Weiter schwärmt er von sensationellen Sonnenuntergängen und der sportlichen Kameradschaft unter den Clubmitgliedern.

Und man höre und staune: Beim Paddeln hat er auch zu seinem Beruf gefunden. Er erzählt: «Mein Jugendtrainer war Schreiner. Es hat mir imponiert, wenn er während eines Lagers oder eines Wettkampfs handwerklich geschickt Boote flicken konnte.» Ja, das Paddeln kann einem offensichtlich ganz schön etwas fürs Leben mitgeben.

«Mein Jugendtrainer war Schreiner. Es hat mir imponiert, wenn er während eines Lagers oder eines Wettkampfs handwerklich geschickt Boote flicken konnte.»

beb

Veröffentlichung: 03. August 2017 / Ausgabe 31-32/2017

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