Holzdesign ist sein Yoga

Kunst und Design gehen bei Ralph Weber (53) Hand in Hand. Bild: Manuela Ziegler

Leute. Im Lager von Ralph Weber Design liegen sie schön gestapelt in den Regalen: Brotbretter, Racletteöfen, Würfelbretter und Arvendufter, Fondueklötze und Aschenbecher und weitere Designobjekte. Der Zimmermann hat sie selbst entworfen und in seinem Lieblingsholz Arve umgesetzt. Er verkauft sie über seinen Online-Shop.

Neben diesen Eigenkreationen realisiert er auch Kundenaufträge wie etwa den «Woodrider», ein Laufrad mit einem Gestell aus Multiplexholz. Meist zeichnet Weber erste Entwürfe in ein Skizzenbuch. «Das kommt auch beim Kunden gut an.» Prototypen seiner Möbellinie «7.1./17» hängen an der Decke der angrenzenden Maschinenhalle. Der Name leitet sich aus der früheren Vorliebe seiner Tochter Selina für die Zahl 17 ab. Sie sollte als Winkelmass dienen, doch weil ihn die Lösung nicht überzeugte, drehte er die Zahl in 7.1 um. Seither kombiniert er beide Winkel in dieser Möbellinie.

«Ich entwerfe Designobjekte so, wie andere zum Schachspielen gehen.»

Die meisten Objekte des Inhabers und Geschäftsführers der Zimmerei und Schreinerei Weber Holzbau AG entstehen nach Feierabend und am Wochenende: «Ich entwerfe Designobjekte so, wie andere zum Schachspielen gehen», erklärt er. Auf Spaziergängen in der Natur findet er Schwemmholz und kreiert daraus seine Skulpturen. In seinem Büro angelangt, schlägt der Designer sein eigenes Buch «Die Holzflüsterer» auf, welches er 2023 veröffentlicht hat. Es war eine kleine Odyssee, bis er die Grafiker fand, die seine Wünsche endlich umsetzen konnten. Als Buchgötti hat er den Unternehmer und früheren Bundesrat Christoph Blocher gewinnen können. «Mich beeindrucken vermögende und bekannte Persönlichkeiten», sagt der Geschäftsinhaber über seine Vorbilder.

Schon als Kind war ihm klar: Er möchte den väterlichen Betrieb übernehmen, der seit 1905 im toggenburgischen Kirchberg zu Hause ist. Nach einer Lehre in diesem hat Weber 2005 die Firmennachfolge in vierter Generation angetreten und sich finanzielle Ziele gesteckt. «Ich habe mir aufgeschrieben, wie viel Vermögen ich mit 40 und mit 50 Jahren haben möchte.» Dafür hat er Immobilien gekauft und den Betrieb erweitert, der inzwischen als Generalunternehmung mit Zimmerei und Schreinerei funktioniert. Umbauten machen das Kerngeschäft aus, unterstützt wird Weber von seinem achtköpfigen Team. Doch seine unkonventionellen Ideen verfolgt der Holzfachmann ebenso: Einen ausgedienten Zirkuswagen baute er zum Tiny House im «Alpen-Chic» um, weitere «Tinys» zur Vermietung folgten. Seine Vermögensziele hatte er schon mit 40 Jahren erreicht. Irgendwann bemerkte er, dass Geld allein nicht genügt. Motiviert durch seine Frau hat Weber vor 15 Jahren begonnen, seine vielen Ideen abends im Tagebuch niederzuschreiben und Skizzenbücher anzulegen. Aus Freude am Skizzieren besuchte er Kurse. Das Skizzieren und Tagebuchschreiben pflegt er bis heute. So entstanden mit den Jahren immer mehr Designobjekte, und er kreierte seine Marke Ralph Weber Design mit dem Slogan «Holzdesign ist mein Yoga».

Mehrmals pro Jahr zieht er sich zurück in seine Denkstube in Savognin. Dort finden seine Gedanken per Hand den Weg aufs Papier, später setzen seine Mitarbeiter sie im CAD um. «Die Idee muss ich zuerst in meinem Kopf haben.»


Manuela Ziegler

Veröffentlichung: 03. August 2026 / Ausgabe 31-32/2026

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