Schreiner, Schnitzler und Drechsler

Hans-Ueli Schmocker (78) hat kurz vor der Pensionierung das Drechseln für sich entdeckt. Er liebt filigrane Arbeiten. Bild: Caroline Mohnke

Leute. Schreinermeister Hans-Ueli Schmocker hat gegen tausend Berufsleute in ihrer Ausbildung begleitet. Wissen weiterzugeben, übt auf den heute 78-Jährigen grosse Faszination aus. Und obwohl er seit rund 13 Jahren pensioniert ist, denkt er noch lange nicht ans Aufhören.

Er sei nicht einer, der herumsitzen kann. «Die Liebe zum Holz liegt in der Familie», erzählt Hans-Ueli Schmocker auf Berndeutsch in der hauseigenen Schreinerei mit Büro im luzernischen Egolzwil. Sein Vater habe 1952 in Thalwil eine Schreinerei gegründet und einen Holzbildhauer angestellt. Später habe der Vater den Betrieb in die alte Seidenweberei nach Adliswil gezügelt. Danach zog die Familie nach Frauenfeld, wo der Vater den Betrieb in einer alten Teigwarenfabrik hatte.

 

«Nach der Schulzeit begann ich die Lehre im elterlichen Betrieb und schloss mit der Ausbildung als Möbelschreiner ab.» Nach der Lehre führte ihn sein Weg nach Brienz in die Schnitzlerschule, die heutige Schule für Holzbildhauerei. «Es gefiel mir sehr in der ‹Schnätzi›. Ich habe es gut gehabt bei den Schlummereltern, und während der Schulferien verdiente ich etwas Geld in einer Schreinerei im Dorf.» Nach der Rekrutenschule hat er dann die Ausbildung zum «Holzbildhauer Ornamentiker» abgeschlossen. Anschliessend arbeitete er in verschiedenen Betrieben im Aaretal, unter anderem in Möbelfabriken, und machte die Weiterbildung zum Schreinermeister. Sieben Jahre war er Leiter der Schreinerei im Gefängnis Thorberg bei Bern.

Er lehrte an der «Lädere»

Er erinnert sich auch gerne an die Zeit, als er in den Lehrwerkstätten der Stadt Bern, der heutigen Technische Fachschule Bern (TFB), unterrichtete: «Die ‹Lädere› wurde 1888 gegründet», erzählt er und fügt an: «Als die Schule gegründet wurde, starteten die ersten Klassen mit Schreiner- und Schuhmacherlehrlingen. Die Schuhmacher arbeiteten mit Leder und hingen dieses draussen auf, daher der Name ‹Lädere›». Die Schule habe sich zu einer wichtigen Ausbildungsstätte für das Berner Handwerk entwickelt.

«Es ist wichtig, aufmerksam durch die Welt zu gehen.»

Ein unvergessliches Projekt sei die Zeit in Dresden gewesen: «Mit einem achtköpfigen Team mit ‹Lädere›-Stiften waren wir beteiligt am Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche.» Der Sakristeitisch und zwei Brautstühle sind unter fachkundiger Anleitung des Schreinermeisters entstanden. Auch auf dem Bürgenstock hat Schmocker unterrichtet. Und er lernt noch immer gerne Neues dazu. Unter anderem besitzt er eine Shaper Origin mit BenchPilot. Und der Vater von drei Kindern und Grossvater von acht Enkeln hat noch kurz vor seiner Pensionierung das Drechslerhandwerk gelernt. «Ich habe mehrere Kurse besucht und mich weitergebildet.» Wenn man ihm bei der Arbeit mit einem Trembleur zuschaut, spürt man seine Leidenschaft zum Filigranen und zur Technik. Denn dazu braucht es absolute Präzision.

Seit er 19 ist, singt er 

Auf die Frage, ob noch Zeit bleibt für Hobbys, lacht er: «Seit ich 19 Jahre alt bin, singe ich.» So ist er Mitglied im Konzertchor «Klangwerk» Luzern. Manchmal helfe er auch in anderen Chören aus. «Die Schöpfung» von Joseph Haydn habe er schon viermal gesungen. Früher sei er noch geklettert und gerne Ski gefahren. «Ich nehme auch immer am Europasymposium der Drechsler teil.» Für den nächsten Frühling sei er bereits für einen Vortrag angefragt worden. Auch die Holzmesse in Nürnberg besuche er immer noch regelmässig. «Es ist wichtig, aufmerksam durch die Welt zu gehen.»

Caroline Mohnke

Veröffentlichung: 20. Juli 2026 / Ausgabe 29-30/2026

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