Jedem kranken Hirn vorausgedacht

Der Gang einer Strafanstalt mit massiv ausgerüsteten und gesicherten Zellentüren. Bild: Franz Schneider Brakel GmbH

Hochsicherheit.  Entwicklungen von Beschlägen erreichen noch eine ganz andere Dimension, wenn davon ausgegangen werden muss, dass sie zerstört oder missbraucht werden sollen. Ein Bereich, der wie ein Antivirenprogramm immer weiter verbessert werden muss.

Für die allermeisten Gebäude werden Beschläge gebraucht, die in ihrem Stil zum Bau oder zum gewünschten Ambiente eines Raumes passen und gleichzeitig eine klar definierte Funktion erfüllen. Dabei geht es dann allenfalls noch darum, ob sie kaum oder sehr intensiv genutzt werden. Schliesslich müssen Bänder von Zimmertüren in einer privaten Wohnung weit weniger aushalten als die doch sehr intensiv genutzten Türen in WC-Anlagen grosser Flughäfen. Das gilt dann natürlich auch für die Drückergarnituren, Schlösser usw.

Widerstand auf Kosten des Komforts

Bei öffentlich zugänglichen Anlagen und speziell, wenn diese kaum überwacht sind, muss vermehrt auch mit Vandalismus gerechnet werden. Die Achtung und Sorgfalt für nützliche Dinge, die der Allgemeinheit dienen, ist bei so manchen Mitmenschen nicht vorhanden, obwohl auch sie diese Dinge benutzen wollen und sich beispielsweise hinter einer schliessbaren Tür einer Sanitäranlage schützen wollen. Oft führt das dann zur Schaffung schlichter, dafür sehr massiver Lösungen bei einem gewissen Verlust an Lebensqualität und sozialem Zusammengehörigkeitsgefühl.

Sicher ist nicht gleich sicher

Während bei Wohnungstüren die Schliessmöglichkeiten so sein sollen, dass einerseits Einbrecher abgeschreckt werden und andererseits kein allzu grosser Schaden entsteht, wenn die Tür dann doch aufgebrochen wird, gibt es auch Türen, die sicher geschlossen bleiben müssen. Beispielsweise bei Banken oder in Forschungsbereichen, die der Geheimhaltung unterstehen, in Polizei-, Zoll- oder Gerichtsgebäuden zählt man auf sichere Verschlüsse ungeachtet möglicher Schäden. Nochmals anders sieht das im Bereich von Strafanstalten sowie forensischen und psychiatrischen Einrichtungen aus. Dort gelten Vandalismus- und Ausbruchsicherheit als zusätzliche Anforderungen an deren Ausstattungen.

Wechselbare Bedienbarkeit

Bezüglich Türschlössern führt die Glutz AG aus Solothurn mit «Mint HZ» eine Modellreihe für den Hochsicherheitsbereich. Ihr «Mint SV ELK BK» ist ein spezielles Schloss für Zonenabschlusstüren. Bei diesem selbstverriegelnden Schloss können der Aussen- und der Innendrücker unabhängig voneinander elektrisch ein- und ausgekuppelt werden. Das Ein- und Auskuppeln erfolgt beidseitig wahlweise über Arbeits- oder Ruhestrom. Wie bei den anderen «ELK»-Schlössern der «Mint»-Familie können alle Rückmeldekontakte ohne externe Steuerung direkt ausgelesen werden, und eine Notöffnung über einen Notzylinder ist jederzeit möglich. Ein weiterer Vorteil gegenüber ähnlichen Schlössern mit durchgehender Nuss ist, dass auch bei blockiertem, hochgehaltenem Drücker die andere Seite unabhängig bedient werden kann – durch den geteilten Drückerstift.

Das kann bei einem Zimmer in einer Klinik für stark verhaltensauffällige Patienten wichtig sein. Bei dieser Tür ist der Innendrücker permanent ausgekuppelt. Das Personal steuert die beidseitige Kupplung jeweils beispielsweise mit einem Ausweis. Bei Stromausfall würde der Aussendrücker automatisch eingekuppelt, sodass ein schnelles Öffnen von aussen gewährleistet ist. Der Innendrücker hingegen wird nur bei einer offiziellen Brandmeldung manuell zum Einkuppeln freigegeben. Ein solches Schloss darf nicht in Fluchtwegen eingesetzt werden. Für Krankenstationen oder Gefängnisse gelten jedoch andere Anforderungen.

Ein Hochsicherheitsschloss im Rahmen

Die BSW Security AG aus Zürich führt in ihrem Angebot verschiedene elektrische Hochsicherheits-Türriegel, welche, anders als normale Türschlösser, im Rahmen montiert werden. Auf diese Weise läuft kein Kabel bis ins Türblatt. Durch die sehr solide Konstruktion sollen die Türriegel eine sehr hohe Widerstandsfähigkeit gegen alle Formen von Angriffen, Manipulationen und Aufbruchsversuchen bieten.

Um ein schnelles und präzises Funktionieren zu gewährleisten, werden die Riegel von einem eigens dafür entwickelten leistungsstarken Magneten angetrieben. Ein niedriger Stromverbrauch und eine sehr geringe Erwärmung sind weitere Vorteile. Die gehärteten Riegel sind symmetrisch und können für Anschlag- und Pendeltüren verwendet werden.

Prioritäre Verriegelung

Durch die integrierte Steuerung verriegeln die Türriegel automatisch, sobald sich die Tür schliesst und das Schliessblech erkannt wurde. Eine geschlossene Tür ist immer verriegelt und somit auch immer eine gesicherte Tür, heisst es von Firmenseite. Wird eine Tür nach dem Entriegeln nicht geöffnet, werden die Schlösser automatisch nach vier Sekunden wieder verriegelt. Wird das Schloss entriegelt (freigeschaltet), wird die Magnetspule zum Einfahren des Riegels aktiviert und schaltet vom Einschalt- auf Haltestrom um.

Eine mechanische Entriegelung ist jederzeit mit einem Schlüssel über den Zylinder möglich. Nach der Öffnung der Tür muss dann der Schlüssel zurückgedreht und wieder abgezogen werden. Bei der Version mit Anti-Geisel-Funktion kann die mechanische Entriegelung gesperrt werden. Dann ist das nur noch elektrisch möglich.

Verantwortung der Betreiber sichern

Die deutsche Franz Schneider Brakel GmbH fertigt Beschläge und Ausstattungslösungen für überwachte Räume an. Im Fokus stehen dabei Strafanstalten sowie forensische und psychiatrische Einrichtungen. Ihre Beschläge erfüllen die besonderen Anforderungen an Bedienbarkeit, Robustheit, Ausbruch- sowie Vandalismussicherheit und verfügen vor allem auch über eine suizid-hemmende Gestaltung. Laut Firma zeigt die Erfahrung, dass die Einrichtungen unterschiedlichen Sicherheitskonzepten mit spezifischen Schwerpunkten folgen und in aller Regel eine enge und vertrauensvolle Abstimmung mit den verantwortlichen Sicherheitsfachleuten zur Entwicklung spezifischer Beschlag- oder Ausstattungslösungen erforderlich ist. Und so kommt es immer wieder zu gänzlich individuellen Lösungen für spezifische Sicherheitskonzepte.

Die Lösungen sind von Natur aus genauso vielfältig wie die denkbaren Manipulations- oder Missbrauchsversuche, die der menschliche Geist hervorzubringen vermag – und die wiederum FSB als Hersteller weder mit 100-prozentiger Sicherheit zu simulieren noch vorherzusehen vermag. Entsprechend ist die Kennzeichnung «Suizidhemmend» nicht als zugesicherte Produkteigenschaft zu verstehen.

Eliminierte Möglichkeiten bei Drückern

So unwahrscheinlich das auch klingt, es ist durchaus möglich, sich an einem normal geformten Türdrücker zu erhängen. Auf der Klientenseite sollte es daher normale Drücker nicht geben. Das gilt auch für alle anderen Türgriffformen, die missbraucht werden könnten.

FSB bietet beispielsweise einen Türdrücker mit konischem Hals und schräg nach unten zeigender Handhabe. Die Lagerung in einer konisch verlaufenden Rosette macht die Befestigung von Schnüren oder Seilen unmöglich und reduziert somit die Möglichkeit von suizidalen Handlungen.

Die Firma Glutz bietet mit ihrem E-Beschlag aus Edelstahl das Gleiche mit elektronischer Zugangslösung von aussen und Langschildern. Die speziell gestaltete Beschlagskonstruktion auf der Innenseite reduziert auch da das Risiko von Selbstverletzungen erheblich. Die Innenhaube wird durch eine Verschraubung gesichert. Diese Spezialschraube lässt sich nicht mit handelsüblichem Werkzeug lösen.

Aufs Wesentliche reduzierte Form

Türknopf-Garnituren bietet FSB verschiedene an. Eine Griffform ist eine Symbiose aus Knopf und Türdrücker. Die Verbindung mit den massiven Rosetten und einer unsichtbaren, abgedeckten Verschraubung schützt vor Verletzungen und Manipulationen wie zum Beispiel dem Festklemmen des Türbeschlages, um ein Betreten des Raumes von aussen zu verhindern. Ein anderer Türknopf in Form eines Kegelstumpfes mit Griffmulden, in robuster Ausführung und mit einer Spezialrosette, die den Knopfansatz umschliesst, bietet keine Möglichkeit zur Befestigung von Schnüren oder Seilen. Die ergonomische Form garantiert eine gute Handhabung und reduziert die Möglichkeiten von suizidalen Handlungen.

Ausrastende Vorhangstangen

Dass es entsprechende Griffe auch für Fenster gibt, dürfte klar sein. Erhältlich sind aber noch weit mehr Beschläge für den Aktionsradius suizidgefährdeter Personen. Beispielsweise in Duschen mit Stangen für höhenverstellbare Brausen, die so geformt oder angebracht sein müssen, dass es nicht möglich ist, sie für einen Suizid zu missbrauchen. Das gilt dann auch für die Duschvorhangstange. Die Besonderheit der Auführung von FSB ist die Wand- und Deckenbefestigung. Ein spezieller Rast-Clip-Mechanismus ist so ausgeführt, dass die Haltekraft für den normalen Gebrauch ausreicht, die Stange jedoch ab einer Belastung von ca. 25 kg aus der Halterung herausfällt. Eine Wiedermontage ist sofort möglich. In ähnlicher Weise, bei Belastung aushängend, gibt es auch verschiedene Wandhaken und Handtuchhalter sowie einen Papierrollenhalter. Und dennoch braucht es immer wieder neue und noch bessere Lösungen.

www.glutz.comwww.bsw.swisswww.fsb.de

Andreas Brinkmann

Veröffentlichung: 30. April 2026 / Ausgabe 18/2026

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