Jedes Schnitzel macht nur einmal satt


Das Streben nach Nachhaltigkeit ist im Detail komplex. Im Grundsatz aber ist es simpel und verständlich, weshalb der gesunde Menschenverstand entscheidend ist. Bild: Fotolia/malp


Das Streben nach Nachhaltigkeit ist im Detail komplex. Im Grundsatz aber ist es simpel und verständlich, weshalb der gesunde Menschenverstand entscheidend ist. Bild: Fotolia/malp
Nachhaltiges Handeln. Ohne Nachhaltigkeit geht es heute nicht mehr. Aber eine richtungsweisende Funktion kommt dem Prinzip bis heute weitestgehend auch nicht zu. Die Holzbranche ist beim Thema nah dran. Das wird ihr helfen, kommende Herausforderungen gut zu meistern.
Das mit der Nachhaltigkeit ist gar nicht so schwierig. Abseits von den äusserst langen und manchmal auch ziemlich theoretisch formulierten Erklärungsansätzen könnte man auch zu ganz einfachen Formulierungen kommen. Etwa: Wenn wir heute so agieren, dass unsere Kinder morgen Wahlmöglichkeiten haben, dann sind wir gut unterwegs in Sachen Nachhaltigkeit. Es gilt zwar: Der Baum, der heute gefällt wird, steht morgen nicht mehr zur Verfügung. Aber: Wenn man nicht den einzelnen Stamm beäugt, sondern eine Flächeneinheit mit Bäumen, dann lässt sich leicht ausrechnen, wie viele Stämme man in einem Zeitraum ernten kann, um stets die gleiche Menge an Holz auf einer Fläche zu erhalten. Weil der Wald stetig wächst, behalten unsere Kinder die gleiche Menge an Holz, wie wir sie heute vorfinden. Handeln diese genauso, dann entspricht das dem Urprinzip der Nachhaltigkeit.
Genau solche Überlegungen machte sich Hans Carl von Carlowitz zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als die Wälder in Europa geplündert waren und eine Holznot drohte. Carlowitz verfasste seine «Sylvicultura Oeconomica», die Anweisung zur wilden Baumzucht, damit das künftige Wohlergehen gesichert werden konnte. Mit Erfolg: Die erstmals formulierten Grundlagen hin zu einer dauerhaften Waldwirtschaft gelten bis heute unter dem Begriff «Nachhaltige Waldwirtschaft». Er schuf damit aber auch wertorientierte Massstäbe. So habe das Wirtschaften dem Gemeinwohl zu dienen, was den schonenden Umgang mit der Natur beinhaltet, um der Verantwortung für künftige Generationen gerecht zu werden. Vor 300 Jahren niedergeschrieben, war der Grundstein für ein nachhaltiges Wirtschaften in der Forstwirtschaft gelegt und konnte sich so zum Musterbeispiel für ein strukturelles Konzept hin zur Nachhaltigkeit entwickeln. Davon profitiert bis heute die gesamte Wertschöpfungskette in allen Teilen der Holzbranche. Und deshalb werden auch hier die Diskussionen dazu immer wieder besonders intensiv und auch auf hohem Niveau geführt. Viele andere Wirtschaftszweige kümmern sich abseits der jährlichen Hochglanz-Nachhaltigkeitsberichte bis heute oft wenig um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem universalen Komplex. Schlimmer noch, der Begriff hat dermassen Einzug in die Sprache gehalten, dass heute so ziemlich alles nachhaltig ist, wo man kein anderes Wort findet oder man den Begriff noch dazwischenquetschen kann. Nachhaltigkeit ist aber kein Steigerungsadjektiv und auch nicht einfach im Sinne von andauernd, haltbar oder fortwährend zu sehen. Sonst wäre alles nachhaltig, was Langzeitfolgen mit sich bringt: von der Atomkatastophe bis zum Verbrauch fossiler Energieträger, vom Klimawandel bis hin zur industriellen Fleischzucht. Der nicht enden wollende, übliche Sprachgebrauch, der das Wohlfahrtsprinzip ad absurdum führt, sorgt dafür, dass die Aspekte und das Prinzip der Nachhaltigkeit oft vage bis unkenntlich bleiben. Deshalb steckt der Teufel, wie so oft, im Detail. Und das macht es dann in der Praxis doch etwas komplizierter.
Es fängt damit an, dass man Nachhaltigkeit, wie andere umfassende Prinzipien auch, als Ideal begreifen sollte. Nichts und niemand ist per Definition nur nachhaltig. Es geht um die wider besseren Wissens in Kauf genommene Distanz zwischen menschlichem Handeln und dem wohl bekannten Ideal. Je kürzer der Abstand, desto eher entspricht es der Nachhaltigkeit. Damit kann es eigentlich nur um das Bemühen um ein Mehr an Nachhaltigkeit gehen. Das beinhaltet das Prinzip der Verantwortung des Einzelnen.
Inzwischen haben sich die Blickwinkel bei den Überlegungen zur Nachhaltigkeit weiterentwickelt. Von einer reinen Mengennachhaltigkeit (nur so viel Holz ernten, wie im gleichen Zeitraum nachwächst) hin zu einem Dreiklang aus ökologischer, wirtschaftlicher und sozialer Note. Dieses Drei-Säulen-Modell ist heute gebräuchlich, und das ist gut so, weil es bei der künftigen Wohlfahrt einer menschlichen Gemeinschaft nicht nur um Ökologie geht. Das gilt für ein ganzes Land, aber auch für die Schreinerei, wo sich viele Akteure Gedanken darüber machen, wie sie dem Ideal näher kommen können.
Veröffentlichung: 31. August 2017 / Ausgabe 35/2017
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