Komfort, Sicherheit und Funktion

Beat Gurtner optimiert einen Antrieb in seinem Automationslabor bei Hörmann Schweiz. Bild: Noah Gautschi

Automation.  Automatisierte Türen entwickeln sich immer mehr vom einzelnen Spezialprodukt zum intelligenten Bestandteil moderner und ganzheitlicher Gebäudelösungen. Beat Gurtner stellt sich den Fragen der Schreinerzeitung im Experteninterview.

Die Anforderungen an moderne Gebäude haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Komfort, Sicherheit, Energieeffizienz und Barrierefreiheit werden heute nicht mehr isoliert betrachtet, sondern als Teil eines ganzheitlichen Nutzungskonzepts verstanden. Davon profitiert auch die Türautomation. Während automatische Türen früher hauptsächlich in stark frequentierten öffentlichen Gebäuden eingesetzt wurden, finden sie heute in immer mehr Bereichen Anwendung in Alterswohnungen, Arztpraxen, Schulen, Hotels oder hochwertigen Wohnbauten.

Automatische Türsysteme werden zunehmend als Komfort- und Qualitätsmerkmal wahrgenommen. Hinzu kommt die fortschreitende Digitalisierung von Gebäuden. Smarthome-Lösungen ermöglichen es, unterschiedlichste Funktionen miteinander zu verknüpfen. Türen werden dadurch Teil eines intelligenten Gesamtsystems und übernehmen weit mehr Aufgaben als das reine Öffnen und Schliessen. Für Schreiner und Türenbauer bedeutet dies, dass sich die Anforderungen an Planung und Beratung verändern. Kunden erwarten zunehmend Lösungen, die Komfort, Sicherheit und digitale Funktionen miteinander verbinden.

Barrierefrei und digital integriert

Ein wichtiger Treiber dieser Entwicklung ist die Barrierefreiheit. Gebäude sollen möglichst von allen Menschen selbstständig genutzt werden können, unabhängig von Alter oder körperlichen Einschränkungen. Automatische Türen erleichtern den Zugang und erhöhen gleichzeitig den Komfort für sämtliche Nutzerinnen und Nutzer. Mit Blick auf die demografische Entwicklung gewinnen solche Lösungen auch im Wohnbau zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig verändert die Digitalisierung die Anforderungen an moderne Türsysteme. Türen werden immer häufiger in Smarthome- und Gebäudeautomationssysteme integriert. Neben klassischen Tastern kommen heute Sensoren, Zutrittskontrollen oder App-Lösungen zum Einsatz. Die Tür entwickelt sich damit vom mechanischen Bauteil zum intelligenten Bestandteil eines vernetzten Gebäudes.

Neue Anforderungen an die Planung

Für Schreiner und Türenbauer steigen dadurch die Anforderungen an Planung und Beratung. Nicht jede Tür eignet sich für jede Form der Automation, und je nach Einsatzbereich gelten unterschiedliche technische und normative Vorgaben. Wer sich frühzeitig mit den Möglichkeiten der Türautomation auseinandersetzt, kann seine Beratungskompetenz erweitern und Kunden umfassendere Lösungen anbieten. Wie sich der Markt entwickelt, welche Trends aktuell dominieren und worauf Schreiner und Türenbauer achten sollten, erklärt Beat Gurtner im Experteninterview. Seit zwölf Jahren beschäftigt er sich bei der Hörmann Schweiz AG aus Oensingen SO intensiv mit automatisierten Türsystemen. Als Product Manager für automatische Türsysteme begleitet er täglich Planer, Architekten, Schreiner und Türenbauer bei der Umsetzung unterschiedlichster Projekte, von der einfachen Innentür bis zu komplexen Automationslösungen in Spitälern, Pflegeeinrichtungen oder Gewerbebauten. Die Entwicklungen des Marktes kennt er deshalb aus erster Hand.

Schreinerzeitung: Herr Gurtner, welche Bedeutung haben automatisierte Türsysteme heute im Wohn- und Objektbau im Vergleich zu vor zehn Jahren?
Beat Gurtner: Die Bedeutung hat deutlich zugenommen. Vor zehn Jahren waren automatische Türen vor allem in Spitälern, Einkaufszentren oder öffentlichen Gebäuden anzutreffen. Heute sehen wir sie immer häufiger auch im privaten Wohnbau. Der Komfortgedanke ist stark gewachsen. Viele Bauherren möchten Lösungen, die den Alltag erleichtern. Ein gutes Beispiel sind private Einstellhallen. Wer mit Einkaufstaschen, Gepäck oder einem Kinderwagen unterwegs ist, schätzt es, wenn sich Türen automatisch öffnen. Was früher als Luxus galt, wird heute zunehmend als selbstverständlicher Komfort wahrgenommen.
Welche Entwicklungen beobachten Sie aktuell bei automatischen Innen- und Aussentüren?
Die Vernetzung ist derzeit eines der wichtigsten Themen. Türsysteme werden immer häufiger Bestandteil einer übergeordneten Gebäudeautomation. Gleichzeitig entwickeln sich die Systeme technisch weiter. Die Sensorik wird präziser, die Steuerungen intelligenter und die Antriebe energieeffizienter. Interessant ist dabei, dass die Technik im Hintergrund immer komplexer wird, während die Bedienung für die Nutzer gleichzeitig einfacher werden soll.
Was sind die häufigsten Gründe, weshalb sich Bauherren oder Betreiber für einen Türantrieb entscheiden?
An erster Stelle stehen Komfort und Bar- rierefreiheit. Automatische Türen erleichtern den Zugang und erhöhen die Benutzerfreundlichkeit erheblich. Hinzu kommen Aspekte wie Hygiene, Sicherheit oder ein kontrollierter Personenfluss. In gewissen Gebäuden spielen auch betriebliche Abläufe eine Rolle. Automatisierte Türen helfen dabei, Prozesse effizienter zu gestalten.
Welche Rolle spielt das Thema Barrierefreiheit bei der Nachfrage nach automatisierten Türsystemen?
Eine sehr grosse. In vielen öffentlichen Gebäuden ist Barrierefreiheit heute nicht mehr nur ein Wunsch, sondern eine Anforderung. Besonders im Gesundheitswesen, in Alters- und Pflegeeinrichtungen oder in Verwaltungsgebäuden gehört sie praktisch zum Standard. Gleichzeitig stellen wir fest, dass auch private Bauherren zunehmend vorausschauend planen. Viele möchten möglichst lange selbstständig in den eigenen vier Wänden leben können.
In welchen Gebäuden sehen Sie derzeit das grösste Wachstumspotenzial?
Besonders stark wächst derzeit der Gesundheits- und Pflegebereich. Dort spielen Barrierefreiheit, Hygiene und Komfort eine zentrale Rolle. Gleichzeitig beobachten wir auch im hochwertigen Wohnungsbau ein steigendes Interesse. Bauherren möchten zunehmend Lösungen, die den Alltag erleichtern und sich in moderne Smarthome-Konzepte integrieren lassen.
Welche Anforderungen müssen Türen erfüllen, damit sie automatisiert werden können?
Grundsätzlich lassen sich heute viele Türtypen automatisieren. Entscheidend sind jedoch Faktoren wie Türgewicht, Türgrösse, Nutzungshäufigkeit und die geforderte Sicherheitsstufe. Bei einfachen Innentüren kommen häufig sogenannte Low-Energy-Antriebe zum Einsatz. Diese fallen durch die geringere Bewegungsenergie nicht unter die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Bei Brandschutztüren, Fluchttüren oder stark frequentierten Aussentüren gelten hingegen deutlich strengere Anforderungen. 
Lassen sich bestehende Türen und Türanlagen nachträglich automatisieren?
In vielen Fällen ja. Gerade bei Innentüren lassen sich bestehende Anlagen oft überraschend einfach nachrüsten. Entscheidend ist jedoch eine frühzeitige technische Beurteilung. Je nach Türtyp, Platzverhältnissen und Anforderungen an Sicherheit oder Brandschutz müssen unterschiedliche Lösungen gewählt werden.
Wie verändern Smarthome-Systeme und digitale Gebäudeautomation die Anforderungen an moderne Türen?
Die Erwartungen der Kunden verändern sich spürbar. Viele möchten heute, dass sich Türsysteme nahtlos in bestehende Smarthome- oder Gebäudeautomationslösungen integrieren lassen. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten bei Bedienung, Überwachung und Wartung. Die Tür wird zunehmend Teil eines vernetzten Gesamtsystems. Auch bei der Steuerung hat sich viel verändert. Neben klassischen Tastern kommen heute Bewegungsmelder, Radarsensoren, Badge- oder Smartphone-Lösungen zum Einsatz. Je nach Anwendung können die Türanlagen direkt in Gebäudeleitsysteme eingebunden werden. Die Systeme werden dadurch flexibler und individueller konfigurierbar. Gleichzeitig erwarten die Nutzer eine möglichst einfache Bedienung. Die Herausforderung besteht darin, komplexe Technik im Hintergrund arbeiten zu lassen, während die Anwendung für den Benutzer intuitiv bleibt.
Sicherheit, Komfort und Energie- effizienz müssen heute zusammenspielen. Wie gelingt dieser Spagat?
Komfort darf niemals zulasten der Sicherheit gehen. Früher wurden Komfort, Sicherheit und Energieeffizienz oft getrennt betrachtet. Heute müssen alle drei Faktoren zusammen funktionieren. Eine automatische Tür soll komfortabel bedienbar sein, gleichzeitig aber höchste Sicherheitsanforderungen erfüllen und möglichst wenig Energie verbrauchen. Die technische Entwicklung hat hier enorme Fortschritte gemacht. Gleichzeitig gewinnt das Thema Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung. Moderne Türantriebe arbeiten deutlich effizienter als frühere Generationen. Bei unseren aktuellen Schiebetürantrieben konnten wir den Energieverbrauch gegenüber älteren Systemen auf rund einen Drittel reduzieren und gleichzeitig die Leistungsfähigkeit steigern. Darüber hinaus achten wir verstärkt auf nachhaltige Materialien und vollständig recycelbare Verpackungen.
Worauf sollten Schreiner und Türenbauer bei automatisierten Türen besonders achten?
Die wichtigste Empfehlung lautet ganz klar: frühzeitig planen. Viele Herausforderungen entstehen nicht erst bei der Montage, sondern bereits in der Projektierungsphase. Wer die Anforderungen von Anfang an berücksichtigt, spart später Anpassungen, Zusatzkosten und unnötigen Aufwand. Ein häufiger Irrtum ist zudem die Annahme, dass jede Tür problemlos mit jedem Antrieb automatisiert werden kann. Das ist nicht der Fall. Türgewicht, Nutzungshäufigkeit, Sicherheitsanforderungen sowie gesetzliche Vorgaben spielen eine entscheidende Rolle. Besonders bei Brandschutz-, Fluchtweg- oder Aussentüren gelten spezielle Normen und Anforderungen. Deshalb empfehlen wir, Hersteller oder Fachspezialisten möglichst früh in die Planung einzubeziehen. So lassen sich objektspezifisch passende Lösungen effizienter finden und spätere Überraschungen in der Umsetzung vermeiden.
Welche Entwicklungen werden die Türautomation in den kommenden Jahren prägen?
Die Vernetzung wird aus meiner Sicht die stärkste Entwicklung sein. Türsysteme werden zunehmend Teil intelligenter Gebäude und kommunizieren mit anderen Komponenten der Gebäudeautomation. Smarthome, Zutrittskontrolle und digitale Gebäudesteuerung wachsen immer stärker zusammen. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Fernwartung und vorausschauende Instandhaltung an Bedeutung. Künftig werden Türanlagen ihren Zustand laufend überwachen und Störungen frühzeitig melden können. In vielen Fällen wird sogar eine Diagnose oder Fehlerbehebung aus der Ferne möglich sein. Das reduziert Serviceeinsätze und erhöht die Verfügbarkeit der Anlagen. Auch die Sensorik entwickelt sich rasant weiter. Moderne Systeme erkennen bereits heute unterschiedliche Bewegungen oder Objekte und reagieren entsprechend.
Und was sonst noch?
Die Technologien werden künftig noch präziser und intelligenter arbeiten. Parallel dazu schreitet die Entwicklung bei Energieeffizienz und Nachhaltigkeit voran. Moderne Türantriebe benötigen deutlich weniger Energie als frühere Generationen. Zusätzlich gewinnen nachhaltige Materialien und recycelbare Verpackungen zunehmend an Bedeutung. Schreinern, die sich stärker mit automatisierten Türlösungen beschäftigen möchten, empfehle ich, sich aktiv mit den technischen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und Weiterbildungsangebote zu nutzen. Oft ist die Hemmschwelle grösser als die tatsächliche Komplexität. Wer sich frühzeitig mit dem Thema befasst, erkennt die Chancen, die das Marktsegment bietet.
Wenn Sie nur eine Entwicklung nennen dürften: Welche wird die Türautomation künftig am stärksten prägen?
Die Vernetzung wird die Entwicklung am stärksten prägen. Türen werden künftig noch stärker mit anderen Gebäudekomponenten kommunizieren und Teil intelligenter Gebäudesysteme sein. Gleichzeitig wird die Technik für die Nutzer immer einfacher werden. Genau darin liegt die Herausforderung: maximale Funktionalität bei möglichst intuitiver Bedienung.

www.hoermann.ch

Noah Gautschi

Veröffentlichung: 20. August 2026 / Ausgabe 34/2026

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