Wenn der Eingangsbereich aufblüht


Die Blumentür ist der Blickfang des neu gestalteten Hauseingangs von Schreiner Beat Isella. Bild: Beat Isella


Die Blumentür ist der Blickfang des neu gestalteten Hauseingangs von Schreiner Beat Isella. Bild: Beat Isella
Eingangsbereich. Eine Blume als Haustür: Für seinen rund 40 Jahre alten Eingangsbereich entwickelte Beat Isella eine neue Haustür mit Blumenmotiv. Dank modernen Beschlägen und einer durchdachten Konstruktion bleibt die Technik weitgehend im Verborgenen.
Als Beat Isella (Bild) beschloss, den fast 40 Jahre alten Eingangsbereich seines Hauses neu zu gestalten, war vor allem eines klar: Es sollte nichts Alltägliches werden. Doch die Vorgabe, die sich der Schreiner selbst gemacht hatte, erwies sich als kniffliger als gedacht. «Aller Anfang war schwer», gibt er zu. So begann Isella, der bei der Tüscher Schreinerei AG in Jegenstorf BE in der Arbeitsvorbereitung und Projektleitung tätig ist, unterschiedliche Ideen zu entwickeln. Der erste Entwurf bestand aus einer schlichten, klassischen Lamellenstruktur. Dieser stiess aber noch nicht auf viel Begeisterung. «Meine Familie fand, dass die Tür wie ein Gefängniseingang aussehe», erklärt Isella mit einem Lachen. So tüftelte er weiter und näherte sich nach den «Gefängnislatten» über einen kreisförmigen Türausschnitt, eine Sonne und einen Propeller Schritt für Schritt der Idee einer Blume.
Erst als die einzelnen Elemente optisch und konstruktiv zusammenpassten, war das Design gefunden. Im Sinne einer durchgehenden Gestaltung sollte auch die Werkstatttür im Eingangsbereich gestalterisch zum Gesamtkonzept passen. Dazu kam Isella wieder auf die klassische Lamellenstruktur zurück, welche in dieser Kombination nun eine ganz andere Wirkung erzielte und nicht mehr im Geringsten an Gefängnislatten erinnerte.
Nachdem die Gestaltung stand, ging es in die Detailplanung. Isella suchte nach einer Lösung, um das Erscheinungsbild nicht unterbrechen zu müssen. Dabei kam ihm der Zufall zu Hilfe: Denn just zu diesem Zeitpunkt wurde im Betrieb das elektrisch betriebene Türverschlusssystem «Instinct» des Beschlägeherstellers Maco vorgestellt. Es passte perfekt zu Isellas Vorstellungen, denn die Eingangstür kommt ohne Türdrücker und Schliesszylinder aus und lässt sich mit Smartphone und Fingerprint kombinieren. «Wir wollten genau so ein System, damit unsere Kinder auch ohne Schlüssel Zugang haben», sagt Isella und fügt mit einem Lächeln an: «Und um ehrlich zu sein, mag ich solche Spielereien auch.»
Mit innen liegenden Flügeln löste Isella gleich zwei Probleme: Einerseits lassen sich die Gläser problemlos reinigen, andererseits konnte die Kabelführung ins Setzholz integriert werden und ist so im Bedarfsfall jederzeit mit einem Vierkantschlüssel zugänglich. Das Detail ist mit einer Abdeckleiste im Falz gelöst. Die Flügel verfügen über Tectus-Bänder und einen Siegenia-Verschluss.
Nach abgeschlossener Planung nutzte Isella die Betriebsferien bei seinem Arbeitgeber für die Fertigung der Blumentür. Auf der CNC-Maschine fräste und bohrte er jedes einzelne Bauteil. Die Blütenblätter fügte er danach aus zwei Teilen zusammen. Um die Schraubzwingen besser ansetzen zu können, fräste er die Rundungen nicht durch, sondern liess einige Millimeter des Holzes stehen, um die geraden Elemente verleimen und so die Schraubzwingen gut ansetzen zu können. Nach dem Verleimen kopierte er die Blätter dann mit der Oberfräse heraus. Die einzelnen Elemente der Blume fügte er mit Lamellos zusammen.
Um zu überprüfen, ob das Blumenmuster über die gesamte Tür durchgehend wirkt, legte Isella das Türblatt zunächst in den Rahmen. Erst nachdem Rundungen, Übergänge und Abstände stimmten, begann er mit dem schrittweisen Verleimen. Zum genauen Ausrichten der Blütenteile dienten Isella Richtdübel. «Da sämtliche Elemente rund sind, wäre eine exakte Positionierung allein durch Messen schwierig gewesen», sagt er. Die innere Kontur der Blume (Bild) fräste Isella nach dem Verleimen zur Betonung mit einem V-Fräser nach.
Eine besondere konstruktive Lösung fand Isella für das Zentrum der Blume. Dort fräste er ein Kleeblatt. «Damit konnte ich die einzelnen Blätter schön Spitz auf Spitz ausrichten und befestigen», erklärt er. Das Kleeblatt diene ausserdem der Stabilisierung der Blume. Zu sehen ist es nur auf der Innenseite der Tür.
Während die Einzelteile der Blume mit normalen Lamellos zusammengefügt wurden, setzte Isella bei der Befestigung der Blume und der querlaufenden Lamellen auf den Tenso-Verbinder. Letzterer ermöglichte es, die Sichtlatten erst nach der Montage zu befestigen. «So konnte ich nach der Montage des Rahmens die Aussenwand noch dämmen und den Stromzugang für Fingerprint und Klingel montieren», erklärt Isella. Dasselbe Prinzip setzte er auch bei der Werkstattür ein. Diese erhielt jedoch ein einfaches Schloss und ein Rollenband von Simonswerk. Isella verzichtete auf einen aussen liegenden Drücker und setzte auf die Bedienung mit dem Schlüssel. Bei der Oberflächenbehandlung des gesamten Eingangsbereiches setze Isella auf Öl.
Die Blumentür verbindet Gestaltung, Konstruktion und moderne Fertigungstechnik. So entstand aus einem rund 40 Jahre alten Eingangsbereich ein wahrer Blickfang, der sich bewusst von einer klassischen Lösung unterscheidet. «Den Blumenstrauss zum Hochzeitstag kann ich in Zukunft ohne schlechtes Gewissen vergessen, und ganz nebenbei habe ich noch meine technischen Spielereien», sagt Isella mit einem Augenzwinkern.
Veröffentlichung: 20. August 2026 / Ausgabe 34/2026
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